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Fernsehen Kachelmann plaudert bei "Schulz & Böhmermann"
Nachrichten Medien Fernsehen Kachelmann plaudert bei "Schulz & Böhmermann"
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20:16 05.01.2016
Am 10. Januar 2015 startet auf ZDFneo die neue Talkshow "Schulz & Böhmermann". Quelle: ZDF/Philippe Fromage/dpa
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Köln

Eine Frau mit breiter Sonnenbrille und schwarzem Kopftuch liegt auf einer Liege vor einem leeren Swimmingpool. Ein Mann im Anzug putzt das Becken. Keiner weiß, warum. Und die Frau säuselt: "Wie die Männer mit ihren Traumata umgehen, was Frau Decker dazu beitragen kann, oder ob die Konstellation vielleicht vollkommener Bullshit ist, wir erleben es: jetzt".

Es handelt sich um die Schriftstellerin Sibylle Berg. Und sie setzt zur Eröffnung den Ton für die folgende Talkshow "Schulz & Böhmermann". Eine Talkshow, die vieles sein will: ästhetisch und kammerspielartig, von Ironie gebrochen und Fernsehen, wie es es sonst nicht gibt. Und manchmal lustvoller Bullshit.

Absturz, bevor das Format fliegen wollte

Lange mussten Fans von "Roche & Böhmermann" auf einen Nachfolger der unkonventionellen Talkrunde warten. Anfang 2013 hatte das ZDF das Aus verkündet, da "keine Einigung zwischen den Beteiligten" habe erzielt werden können, "wie die Sendung fortgeführt werden soll".

Es war ein Absturz, kurz bevor das Format richtig fliegen wollte. An diesem Sonntag (10. Januar, 22.45 Uhr, ZDFneo) gibt es den Neustart – wieder mit Jan Böhmermann, aber ohne die Bestsellerautorin Charlotte Roche ("Feuchtgebiete"), was vielleicht erahnen lässt, wo einst die Konfliktlinien verliefen.

"Polemisierend, provozierend, Partei ergreifend"

Im Netz rumorte es bereits heftig, als ein simpler "Screentest" mit Böhmermanns neuem Partner Olli Schulz veröffentlicht wurde. Die Gästeliste der ersten Sendung lässt bereits erahnen, wohin die Reise geht. Zu Gast sind der Meteorologe Jörg Kachelmann, Drehbuchautorin Anika Decker ("Keinohrhasen"), der "Zuhälterrapper" Kollegah und ein Hochstapler. Es sind Biografien, die den beiden Gastgebern erlauben, das zu sein, was das ZDF vorab ihnen zuschrieb: "polemisierend, provozierend, Partei ergreifend und trotzdem freundlich-charmant".

Sendezeiten

Die vier Folgen von "Schulz & Böhmermann" werden am 10.,17., 24. und 31. Januar 2016, jeweils um 22.45 Uhr auf ZDFneo zu sehen sein.

Am Sonntag, 31. Januar, folgt um 23.45 Uhr ein Best-Of.

Unter schulzundboehmermann.
zdfneo.de ist die Sendung am Ausstrahlungstag bereits ab 20.15 Uhr abrufbar.

Dazu muss gesagt werden, dass sich Jan Böhmermann und Olli Schulz mittlerweile ganz gut kennen. "Grundsätzlich kann man schon sagen, dass Jan von uns beiden der vielleicht menschenfeindlichere ist", sagte Schulz unlängst der Deutschen Presse-Agentur und lachte. "Stopp! Es gibt bei uns beiden eine gewisse Art von Menschenhass und Menschenfreundlichkeit", grätschte Böhmermann dazwischen. "Aber ich kann vielleicht meine Gefühle weniger zulassen als du."

So flogen die Bälle Minuten hin und her. "Du bist die WG, in der man bis Ende 20 wohnt. Und ich bin das Einfamilienhaus, das man sich irgendwann mal kauft, wenn man Geld hat", zog Böhmermann schließlich ein nicht unpassendes Fazit. Schulz und Böhmermann quasseln sich bereits regelmäßig durch die gemeinsame Radioshow "Sanft & Sorgfältig" (die unter anderem bei radioeins vom RBB läuft).

Die Chemie stimmt

Sie ergänzen sich, weil der Musiker Schulz mit seiner direkten Art dem bissigen Böhmermann etwas entgegensetzen kann. Wäre das Wort nicht so überstrapaziert, könnte man es Authentizität nennen, was seine Fans an ihm schätzen – und seinen Hang zur Anarchie. Ihn auf seine Paraderolle als versoffenen "Schulzkowski" in der Joko-und-Klaas-Show "Circus HalliGalli" zu reduzieren, wäre dennoch eine arge Verkürzung.

Die Chemie zwischen Schulz und Böhmermann macht einen guten Teil des Reizes ihrer TV-Sendung aus. Sie unterscheidet das Format auch von "Roche & Böhmermann". Obwohl sonst vieles gleich geblieben ist: Die Gäste dürfen rauchen und trinken, die Optik ist reduziert-edel. Zunächst sind vier Folgen und ein Best-Of geplant.

Für Böhmermann – jüngst von ZDF-Intendant Thomas Bellut als "Aufsteiger des Jahres" geadelt – könnte die Show ein weiterer Schritt nach oben sein. Sein "Neo Magazin Royale" (ZDF und ZDFneo) und der "Varoufake" oder "Polizistensohn" haben ihn bereits 2015 in das Blickfeld des großen Publikums gespült. Und Böhmermann hat längst bewiesen, dass er so schnell nicht aufhört. Auch nicht, wenn ihm mal eine Co-Talkmasterin abhanden kommt.

dpa

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