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„Ich war getrieben“

Johannes B. Kerner im Interview „Ich war getrieben“

„SAT.1 war beruflich ein Fehler, aber was am Ende rausgekommen ist, gefällt mir richtig gut“: Johannes B. Kerner spricht im Interview über sein Comeback im ZDF, Massengeschmack, Sportidole und Meinungsschwäche.

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Moderiert wieder im ZDF: Johannes B. Kerner.

Quelle: dpa

Rankingshows mit tollen Deutschen haben Sie schon vor zehn Jahren moderiert. Was ist neu an „Deutschlands Beste“, die Mittwoch und Donnerstag um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt wird?
Es gibt da schon Ähnlichkeiten. Der Unterschied ist, dass es um lebende Personen geht. Bei „Unsere Besten“ hatten die Top Ten eins gemeinsam: Sie waren alle tot. Helmut Kohl hatte es 2003 nicht unter die ersten zehn geschafft, dafür aber Adenauer, Luther, Marx, Bismarck, Goethe oder Einstein. Die fallen nun als Kandidaten raus ...

Gibt es auch atmosphärische Unterschiede?
Sogar einen elementaren: Die 100 Personen, die in einer repräsentativen Umfrage ausgesucht wurden und nun online zur Wahl stehen, geben ein aktuelles Stimmungsbild wieder – ob ein Sido wichtiger geworden ist als ein Helmut Schmidt zum Beispiel.

Müsste der Titel nicht „Deutschlands Beliebteste“ heißen? Gesucht wird ja nur ein Konsens der breiten Masse …
Natürlich ist das eine Suche nach dem Massengeschmack, aber Masse ist für mich kein Schimpfwort. Und wer sagt denn, dass nicht auch Literaturnobelpreisträger ganz vorne landen? Ich kenne die Ergebnisse auch noch nicht.

Senderhopping

Johannes B. Kerner wurde am 9. Dezember 1964 in Bonn geboren. Von 1992 bis 1997 moderierte er das SAT.1-Magazin „Ran“. 1996 bekam er beim gleichen Sender seine erste eigene Talkshow „Kerner“. Nach dem Wechsel zum ZDF moderierte er „Das aktuelle Sportstudio“ und die Reihe „Unsere Besten“. Von 1998 bis 2009 hatte er im Zweiten eine eigene, nach ihm benannte Sendung. Seine Rückkehr zu SAT.1 im Jahr 2009 war wenig erfolgreich. Die Talkshow „Kerner“ wurde wegen schlechter Einschaltquoten 2011 eingestellt.

Wer würde denn in Ihrem privaten Ranking dort landen?
Wenn ich meine Familie mal außen vor lasse, glaube ich, dass Politiker teilweise schlechter wegkommen, als sie es verdient haben. Lebende Politiker, die mir imponieren, zeichnen sich durch eine klare Haltung aus. Helmut Schmidt nehme ich ab, was er sagt, das ist aus meiner Sicht authentisch. Ich kann mich für Hildegard Hamm-Brücher begeistern, die ihrer eigenen Partie nach 70 Jahren Mitgliedschaft den Rücken kehrte.

Und wie ist es mit Fußballern?
Erfolgreicher waren zwar Beckenbauer oder Matthäus und ihre Teams von 1974 und 1990. Aber wegen ihrer besonderen Idee vom Spiel waren mir Breitner, Netzer wichtig.

Man spürt Ihre Leidenschaft, wenn es um Fußball geht. Tut es dem Sportreporter nicht weh, während der WM daheimzubleiben?
Da habe ich null Phantomschmerz. Zumal ich mich schon 2010 daran gewöhnen konnte. Ich will aber nicht ausschließen, irgendwann wieder als Sportreporter zu arbeiten.

Auch als Kommentator?
Als ich 2004 in Portugal das Viertelfinale des Gastgebers gegen England kommentiert habe, gab es Verlängerung, Elfmeterschießen, Beckham verschoss, England war raus und ich habe das, glaube ich, ganz gut kommentiert. Da rief ich am nächsten Tag meinen Chef an und sagte: Ich mach Schluss! Besser als das wird es nicht mehr. Nach dem Halbfinale habe ich nicht mehr kommentiert.

Sie hören also tatsächlich auf, wenn es am schönsten ist?
Nicht immer. Manches Mal hätte ich lieber mal früher aufhören sollen.

Als Showmaster etwa – oder entwickeln Sie sich da noch weiter?
Als Teil des Teams mit Klopp, Meier, Beckenbauer, Kerner hatten wir ein Team, das technisch und inhaltlich Maßstäbe gesetzt hat. Da ist aus meiner Sicht wenig Luft nach oben. Anders als im Showgeschäft, wo ich mich immer wieder neu auf Themen und Leute einlassen muss. Da bin ich noch nicht am Ziel.

Könnte dieses Ziel nicht auch sein, mehr Kante zu zeigen? Sie stehen im Ruf, eher meinungsschwach zu sein.
Ich habe meine festen Überzeugungen. Aber ich nehme mich nicht so ernst, meine Meinung ständig publizieren zu müssen. Dass ich damals kritisiert wurde, lag ja auch daran, dass ich 150 Sendungen im Jahr moderiert habe. Das bot eine große Angriffsfläche.

Heute sind Sie viel weniger präsent …
Ja, und wie geil ist das denn? SAT.1 war beruflich ein Fehler, aber was am Ende rausgekommen ist, gefällt mir richtig gut. Ich möchte sogar sagen, dass ich inhaltlich gerade die beste Zeit meines Berufslebens habe. Ich bin nicht mehr stets auf schneller Durchreise zwischen zwei Sendungen. Ich war getrieben, heute geht es mir besser.
Interview: Jan Freitag

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