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Fernsehen Schnee ist für "Game of Thrones" unverzichtbar
Nachrichten Medien Fernsehen Schnee ist für "Game of Thrones" unverzichtbar
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00:15 25.04.2016
Der Winter ist da, Jon Schnee ist gefallen: Für „Game of Thrones“ ist er unverzichtbar. Quelle: HBO
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Valar morghulis!“ Diesen Gruß auf den Fantasy-Kontinenten Westeros und Essos wird man jetzt wieder öfter hören. Am 25. April beginnt bei Sky die sechste Staffel von „Game of Thrones“ auf Englisch und Deutsch. Die Sprache ist Hochvalyrisch, bevorzugt wird dieses morbide „Hallo!“ von den Anhängern des vielgesichtigen Gottes, die Bedeutung lautet: „Alle Männer/Menschen müssen sterben.“

Das ist in der HBO-Serie „Game of Thrones“ auch die Kernregel im Kreativprozess. So killen die Showrunner vorzugsweise Darlings, die man für unverzichtbar hielt. Nedd Stark, dem edlen Lord von Winterfell, ging es schon Ende der ersten Staffel an den Kragen. Und bei der „Bluthochzeit“ wurde sein Sohn, der royale Hoffnungsträger Robb Stark, zusammen mit seiner Mutter Catelyn Ende der dritten Staffel von den Soldaten des Verräters Walder Frey gemeuchelt. Das war unerträglich.

Erdolchung schien komplett widersinnig

Die cäsarisch anmutende Erdolchung des Nedd-Stark-Bastards Jon Schnee Ende der fünften Staffel aber schien komplett widersinnig. Nicht nur, weil dieser melancholische Typ mit dem dunklen Blick und dem wuscheligen Haupt (Kit Harington) so apart war. Nicht nur, weil man sich fragte, warum er dann alles Bisherige durchstehen musste, inklusive einer halsbrecherischen Erkletterung der „Mauer“ genannten, eisgepanzerten Steinwand, die die mittelalterartige Zivilisation von Westeros von der Wildnis trennt.

Sondern weil sich die Ahnung verfestigt hatte, dass dieser Jon Schnee der wichtigste „Vala“ im Reich war, der Mann für den Eisernen Thron, für die Einigung des Reichs.

Geheimnisumwittert ist die Figur: Jons Vater Nedd Stark war viel zu ehrenhaft für Seitensprünge, wollte seinem Sohn beim nächsten Treffen, zu dem es dann nie kam, „alles“ über seine Mutter erzählen. Zudem hatte Lyanna Stark, Nedds Schwester, ihrem Bruder einst auf dem Totenbett ein mysteriöses „Versprechen“ abgerungen. Hat Nedd Jon all die Jahre als seinen Kegel ausgegeben, um in Wahrheit den Sohn seiner Schwester vor dem Zugriff politisch motivierter Kindsmörder zu retten? Er könnte der Sohn des in der ersten Staffel nach einem Jagdunfall verstorbenen Königs Robert Baratheon, sein, der Lyanna weit mehr geliebt hatte als seine spätere Frau Cersei. Noch wahrscheinlicher ist, dass mit Jon Schnee jenes „Lied von Eis und Feuer“ gemeint ist, das den Buchvorlagen den Namen gibt. Es wird gesungen von Lyanna (Eis steht für die Nachfahrin der früheren Könige des Nordens) und ihrem Entführer Rhaegar Targaryen, dem Sohn des hinterrücks ermordeten König Aerys (Feuer steht für den Drachen im Hauswappen). Damit wäre Jon Schnee als Erbe der beiden relevantesten Fürstenhäuser geradezu zur Auferstehung verpflichtet.

Barack Obama ist "Game of Thrones"-Fan

Mehr als Mutmaßungen gibt es nicht, die Serie hat die Bücher mit der sechsten Staffel überholt, ja, es wird gemunkelt, dass Autor und Serienproduzent George R. R. Martin sein nächstes Buch bewusst zurückhält, um „Game of Thrones“ nicht zu spoilern. Der Hardcorefan Barack Obama, der die jüngste Staffel vorab sehen durfte, schweigt. Und Schnee-Darsteller Harington äußerte sich jüngst süffisant, er wisse nicht, „wie lange er noch tot sein“ werde. Seit 9. April gibt der Brite am Londoner Duke of York’s Theatre den „Doctor Faustus“ und genießt privat die Zweisamkeit mit Rose Leslie. Die Schottin hatte in „Game of Thrones“ Jon Schnees Wildlingsbraut Ygritte gespielt – ermordet in Staffel vier durch einen Pfeil jenes Knaben Olly, der auch Jon Schnee den letzten, tödlichen Messerstich verabreichte.

Erstünde Schnee in der Seele seines Schattenwolfs „Geist“ wiederauf, wie manche Fans raunen, wäre das künftigen politischen Ambitionen ebenso abträglich wie eine mögliche Wiederkehr als blauäugiger Untoter. Eigentlich müsste Lady Melisandre ran, die von ihrem Gott zu Totenerweckung befähigte „rote Frau“. Die schöne Hexe könnte nach einigen herben Rückschlägen ein Erfolgserlebnis brauchen und wurde gewiss nicht zufällig gerade jetzt in Jon Schnees Reichweite gebracht. Ein solches Lazarus-Event kann freilich auf sich warten lassen, die „Game of Thrones“-Macher geben sich gern sehr viel Zeit. Die fünfte Staffel etwa verlief ohne eine einzige Szene mit Jons seherisch begabtem Halbbruder Bran (Isaac Hempstead-Wright), der einer Horde schwertschwingender Gerippe knapp entkommen war.

„Der Winter naht“ ist die Losung des Hauses Stark. Und Winter dauern in Westeros schon mal mehrere Jahre. Es scheint nun, als sei der schlimmste seit Menschengedenken heraufgezogen. Es muss Schnee geben! „Valar dohaeris“ lautet die korrekte Erwiderung auf „Valar morghulis“ – „Alle Menschen müssen dienen“. Auch Drehbuchschreiber. Es lebe Jon Schnee!

Von Matthias Halbig

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