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Katja Riemann macht eine gute Figur

In "Emma nach Mitternacht" Katja Riemann macht eine gute Figur

Am Mittwochabend schlüpft Katja Riemann wieder in die Rolle der Radiopsychologin "Emma". Eigentlich ganz unterhaltsam, findet unser Kritiker Ernst Corinth. Aber fehlerhaft erzählt und unglaubwürdig inszeniert.

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Emma, und wie sie die Welt sieht: Katja Riemann macht als Radiopsychologin eine gute Figur – der man gern zusieht.

Quelle: SWR

Hannover. Wer hat sich bloß diese haarsträubende Nebenhandlung ausgedacht: Da nimmt also im ARD-Film "Emma nach Mitternacht – Frau Hölle" ein junger Mann auf einer einsamen spanischen Finca eine Frau als Geisel. Fesselt sie an einen Stuhl, der auch noch mitten in der prallen Sonne steht, gibt ihr tagelang weder zu trinken noch zu essen. Und ist erst zufrieden, als ihm sein böse malträtiertes Opfer die Telefonnummer seiner Mutter verrät. Ja, der Typ will tatsächlich nur mit seiner Mutter telefonieren, offenbar hat er als Kleinkind zu oft "E. T." geschaut. Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Und wenn sie dann auch noch so fehlerhaft erzählt (Drehbuch: Wolfgang Stauch) und unglaubwürdig inszeniert (Torsten C. Fischer) sind wie hier, dann ist das schon ziemlich ärgerlich.

Eigentlich ganz unterhaltsam

Dabei ist auch der zweite Beitrag in dieser neuen, kleinen ARD-Reihe mit Katja Riemann als Radiopsychologin Emma eigentlich ganz unterhaltsam: Bei ihrer wöchentlichen Radiosendung eines Mannheimer Lokalsenders meldet sich Katharina Holl, eine Frau, die von den Boulevardmedien nur "Frau Hölle" genannt wird. Als Bauingenieurin war sie für die Sicherheitsüberprüfung eines Schwimmbades zuständig, dessen Dach bei einem Wintersturm unter der Schneelast zusammengebrochen ist. Zwölf Menschen, darunter auch Kinder, starben bei dieser Katastrophe. Holl gilt als Hauptverantwortliche, macht sich selber größte Vorwürfe und ist fest entschlossen, die jetzt anstehende Gerichtsverhandlung nicht mehr zu erleben.

"Emma nach Mitternacht – Frau Hölle" | ARD
Krimi mit Katja Riemann
Mittwoch, 20.15 Uhr

Ermittlungen auf eigene Faust

Den drohenden Suizid muss Emma natürlich verhindern. Aber nicht nur durch intensive Gespräche mit Holl, sondern, indem sie sich die ganze Sache mal näher anschaut. Sie beginnt also zu ermitteln, lernt dabei den verantwortlichen Bauunternehmer (Christoph Bach) kennen, der offenbar eine Affäre mit der Bauingenieurin gehabt hat und selbst in seinem Beruf nicht glücklich ist. Da kommt eine Psychologin natürlich gerade recht. Und Hobby-Ermittlerin Emma trifft auf Klaus Quade (Peter Sattmann), den amtsmüden Oberbürgermeister der Stadt, mit dem sie sich auf Anhieb gut versteht. Zwischen den beiden kommt es sogar zu einem heftigen Flirt. Der Sommer ist schließlich heiß, die Nächte mild und für den Rest sorgt der Alkohol. Und da kann es schon einmal – zumindest im Fernsehen – passieren, dass ein leibhaftiger Oberbürgermeister liebes- und weintrunken im Freien unter einem Wohnwagen nächtig.

Natürlich wird in dieser Szene viel zu dick aufgetragen. Aber von solchen Übertreibungen lebt dieser Film – besonders wenn es um Emmas unkonventionelle Lebensweise geht. Sie wohnt nämlich in einem Campingwagen am Rande der Stadt, ist in verhuschte Gewänder gehüllt, hat bunte Tücher um den Kopf gewickelt, läuft am liebsten barfuß durch die Gegend. Und wenn es darauf ankommt, schwimmt sie auch mal kurzerhand durch den Rhein, um schneller zu einer Zeugin zu kommen. Das alles muss man schon mögen – und am besten übersieht man manchen Unsinn, der einem hier aufgetischt wird. Schließlich macht es durchaus Spaß, Katja Riemann zuzuschauen. Ja, sie scheint in dieser Späthippie-Rolle richtig aufzugehen. Und sie agiert tatsächlich so dominant, dass die Nebenfiguren fast untergehen, auch Corinna Harfouch als lebensmüde Holl und Andreas Schmidt als ihr zuständiger Redakteur.

Wer ist Emma wirklich?

Das alles ist auch halbwegs spannend, aber der Spaß an diesem Seelendoktor-Krimi wird einem leider doch arg getrübt durch die anfangs erwähnte Nebenhandlung. Durch sie erfährt der Zuschauer scheibchenweise und in den geplanten weiteren Folgen, wer Emma wirklich ist. Dass sie in Wirklichkeit also gar nicht Emma ist. Dass sie die Rolle und ihre Identität nur getauscht hat. Und im Grunde ist alles noch viel, viel komplizierter.

Kurzum: Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht – außer im Fernsehen.

Von Ernst Corinth

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