Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen Dürfen Zuschauer wieder ESC-Teilnehmer wählen?
Nachrichten Medien Fernsehen Dürfen Zuschauer wieder ESC-Teilnehmer wählen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:42 25.11.2015
Mans Zelmerlöw holte 2015 für Schweden den Titel, Ann Sophie blieb für Deutschland erfolglos. Wer aber tritt nächstes Jahr beim ESC an? Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Die Tendenz gehe in der Tat dahin, zum Wettbewerb zurückzukehren und das Publikum entscheiden zu lassen, wer im nächsten Jahr nach Stockholm fährt, sagte ARD-Vorsitzender und NDR-Intendant Lutz Marmor am Mittwoch in Hamburg.

Der innerhalb der ARD für den Wettbewerb verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in der vergangenen Woche Naidoo (44) zunächst ohne die sonst übliche Vorentscheidung als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ESC) bestimmt, die Nominierung nach heftiger Kritik aber wieder zurückgezogen.  "Der NDR hat einen Fehler gemacht", meinte Marmor. Auch er selbst habe die Wucht der Reaktionen unterschätzt. "Wir haben kein gutes Bild abgegeben."

Naidoo, der bei der Fußball-WM 2006 für seinen Hit "Dieser Weg" gefeiert worden war, gilt inzwischen wegen politischen Äußerungen als umstritten.

"Es gibt keinen schriftlichen Vertrag"

Zu finanziellen Verpflichtungen, die sich für den Sender aus der Absage an den Sänger ergeben könnten, sagte NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann: "Es gibt aus unserer Sicht keinen Vertrag." Es gebe mündliche Absprachen über Eckwerte, "aber Eckwerte sind vertraulich". Beckmann betonte: "Wir haben keine Leistung abgerufen und es gibt keinen schriftlichen Vertrag."

Beckmann ergänzte, dass sich wegen der hohen Attraktivität des ESC ohnehin Sänger beim Sender bewerben würden. "Schnellschüsse, das haben wir jetzt gelernt, sind aber nicht das richtige Mittel der Wahl, um den ESC voranzubringen." Der deutsche Kandidat für das Finale im Mai 2016 müsse bis Mitte März benannt werten. Die mangelnde Information innerhalb der ARD sah Beckmann ebenfalls kritisch: "Wir werden zusehen, dass wir uns breiter abstimmen." Auch der ESC-Verantwortliche Thomas Schreiber, NDR-Unterhaltungschef, bedauere den Vorgang sehr

Kritik von NDR-Redakteuren

Die Naidoo-Nominierung hatte nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb des Senders starken Protest ausgelöst. NDR-Redakteure kritisierten die Entscheidung in einem Brief. Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte dem NDR eine vorschnelle Nominierung des umstrittenen Sängers vorgeworfen. Er hätte es begrüßt, wenn die Diskussionen ARD-intern geführt worden wären.

Kombination aus Doku und Fiktion bleibt

Zu Wochenbeginn hatten die ARD-Intendanten in Hamburg getagt und über Programmentwicklung und Personalien beraten. Der ARD-Programmdirektor kündigte an, dass 2016 weiterhin fiktionale Stoffe und Dokumentationen kombiniert werden sollen.

Moderatorin Sandra Maischberger, deren Vertrag vom WDR bis Ende 2017 verlängert wurde, soll von Januar 2016 an mittwochs in ihrer neuen Sendung "Maischberger" (22.45 im Ersten) das gesellschaftlich relevante Thema des um 20.15 gezeigten Spielfilms vertiefen - beispielsweise den Missbrauch von Kindern. Bei den "Tagesthemen" soll der Vertrag von Moderatorin Caren Miosga bis Sommer 2019 verlängert werden. Dem muss noch der NDR-Verwaltungsrat zustimmen.

MDR übernimmt ARD-Vorsitz

Für den NDR-Intendanten Marmor (61) läuft seine Zeit als ARD-Vorsitzender Ende dieses Jahres aus. Anfang 2016 übernimmt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) mit Intendantin Karola Wille (55) den Vorsitz. Marmor hatte das Amt 2013 übernommen. "Der Zusammenhalt in der ARD ist besser geworden", bilanzierte Marmor. Es seien viele "hart errungene Lösungen" gefunden worden. "Sonst kann das föderale System auch nicht funktionieren." Zum dritten Mal in der Geschichte der ARD hatte eine Landesrundfunkanstalt die ARD-Geschäftsführung länger als zwei Jahre inne.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Nach heftigem Protest fährt Xavier Naidoo nun doch nicht zum Eurovision Song Contest nach Stockholm. Herbert Grönemeyer verteidigt den Sänger auf Facebook: "Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich."

25.11.2015

Auch unter den NDR-Mitarbeitern regte sich offensichtlich Protest gegen die Nominierung des Sängers Xavier Naidoo für den Eurovision Song Contest (ESC). Wie jetzt durch einen Brief bekannt wurde , kritisieren sie nicht nur Naidoos angeblich antisemitische Haltung.

24.11.2015
Fernsehen Nach Debakel mit Xavier Naidoo - Wer braucht eigentlich noch den ESC?

Xavier Naidoo ist raus. Und wer soll nun Deutschland beim ESC 2016 in Schweden vertreten? Und wozu brauchen wir das quietschbunte Popspektakel eigentlich? Autor Imre Grimm gibt Antworten auf die zehn drängendsten Fragen.

Imre Grimm 26.11.2015
Fernsehen ARD weitet Mediathek aus - "Tatort" jetzt 30 Tage abrufbar

Ein Grund zur Freude für "Tatort"-Fans: Wer den Sonntagskrimi in der ARD verpasst hat, hat demnächst einen Monat Zeit, um ihn in der ARD-Mediathek noch anzuschauen. Bisher waren die Folgen nur eine Woche abrufbar. Die ARD hat gute Gründe, das Angebot zu erweitern.

25.11.2015

"Tagesthemen"-Sprecherin Caren Miosga und Talkmasterin Sandra Maischberger werden auch in den kommenden drei Jahren im Ersten zu sehen sein. Die ARD verlängerte am Dienstag ihre Verträge. Zudem bekommt Maischberger einen neuen Sendeplatz.

25.11.2015
Fernsehen Privatsender zeigt zwei neue Krimi-Formate - Sat.1 setzt trotz Flops weiter auf Serien

Trotz den jüngsten Flops mit den Soap-Formaten "Mila" und "Frauenherzen" vertraut der Privatsender Sat.1 weiter auf deutsche Serien. Zwei neue Filmreihen sollen der Quote wieder nach oben helfen – dieses Mal mit Mordfällen.

24.11.2015
Anzeige