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Kraft will keine Werbung mehr bei ARD und ZDF

Medienforum in Köln Kraft will keine Werbung mehr bei ARD und ZDF

Sollten die Öffentlich-Rechtlichen im Gegenzug für höhere Gebühren auf Werbung verzichten? Diese Diskussion beim Medienforum NRW wurde am Montag von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft angestoßen.

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NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf dem Medienforum in Köln.

Quelle: dpa

Köln. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nach dem Willen der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ab 2017 möglichst auf Werbung verzichten. „Ich bin davon überzeugt, das schärft sein Profil“, sagte Kraft am Montag beim Medienforum NRW in Köln.

Allerdings müsse die Finanzierung von ARD und ZDF gesichert sein. Das neue Gebührenmodell biete dafür vielleicht eine Chance. Von 2013 an muss fast jeder Haushalt eine Rundfunkabgabe zahlen, egal ob mit oder ohne Fernseher und Radio.

Die WDR-Intendantin Monika Piel sagte dazu, sie habe kein Problem damit, wenn die Werbung irgendwann wegfallen sollte - unter der Voraussetzung, dass die Einnahmen dann kompensiert würden. „Sie müssen mich ja gar nicht katholisch machen, ich hänge ja gar nicht an der Werbung“, sagte sie. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt äußerte sich skeptisch: „Ich glaube es erst, wenn’s passiert ist.“ Sie würde es aber auf jeden Fall begrüßen, weil ein Werbewegfall bei den Öffentlich-Rechtlichen die Trennschärfe zwischen beiden Systemen erhöhen würde.

Der Werbeexperte Prof. Sebastian Turner warnte dagegen, das „Geschenk der Werbefreiheit“ könne ARD und ZDF auch schaden. Bisher müssten sie sich um ein möglichst attraktives Umfeld für die Werbung bemühen, weil von der Zuschauerzahl die Preise abhingen. Wenn man auf Werbung verzichte, falle diese Motivation weg.

Kraft betonte, dass die öffentlich-rechtlichen Sender unbedingt ihre Akzeptanz bei den jungen Zuschauern verbessern müssten. Dafür böte sich vielleicht ein Jugendkanal an, vielleicht auch eine eigenständige Online-Plattform. Schäferkordt sagte, für sie sei die Forderung nach einem weiteren Jugendkanal nicht nachvollziehbar.

Blogger: Entwicklung von sozialen Netzwerken verschlafen

Der Blogger Richard Gutjahr warf sowohl dem öffentlich-rechtlichen als auch dem privaten Fernsehen vor, die Relevanz sozialer Netzwerke wie Facebook zu verschlafen. WDR-Intendantin Piel wies dies vehement zurück. Auch Schäferkordt meinte, Gutjahr zeichne „ein komplett falsches Bild“.

Kraft hatte auch eine Initiative mit Blick auf die Printmedien parat. Sie will Regionalzeitungen mit Recherche-Stipendien und Weiterbildungsangeboten für Lokaljournalisten helfen. „Ich spreche nicht von Subventionen“, betonte sie. Die Berichterstattung auf lokaler Ebene sei unverzichtbar für die demokratische Willensbildung. „Wir dürfen uns hier kein Marktversagen leisten.“ Damit spielte Kraft auf die verschlechterte wirtschaftliche Situation vieler Regionalzeitungen an, bei denen Auflagen und Anzeigenaufkommen zurückgehen.

Helmut Heinen, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, reagierte zurückhaltend auf das Angebot. Staatsferne bei der journalistischen Ausbildung sei im Interesse der Unabhängigkeit wesentlich, sagte er.

dpa

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