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Lohnt sich der Polizeiruf 110 heute Abend?

TV-Kritik Lohnt sich der Polizeiruf 110 heute Abend?

Inzwischen ist „Polizeiruf 110“ – neben dem Sandmännchen – die letzte übrig gebliebene Fernseherfindung aus der DDR. Am Sonntag präsentiert die ARD zum 45. Geburtstag des Krimi ein neues Ermittlerpaar in Madgeburg.  Ob sich das Einschalten lohnt, lesen Sie in unserer TV-Kritik.

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Von links: Hanno Schilchow (Ronald Kukulies); Bella Schilchow (Janina Fautz); Lara Schilchow (Paula Dombrowski).

Quelle: ARD

Erst gab es Mord, Blut und kaputte Familien, dann Currywurst mit Ketchup und einen Kuchen, der nach reichlich Zucker schmeckte. Zwar ist der 45. Geburtstag alles andere als eines der runden Jubiläen, gefeiert wurde trotzdem im Magdeburger Cinemaxx – allerdings einige Zeit vor dem Datum. Das ist der 
27. Juli. Da ermittelten vor 45 Jahren Peter Borgelt und Sigrid Göhler in „Der Fall Lisa Murnau“.

Inzwischen ist „Polizeiruf 110“ – neben dem Sandmännchen – die letzte übrig gebliebene Fernseherfindung aus der verblichenen DDR. Auf die Bildschirme geschickt wurde die Reihe als rasche Reaktion auf den ersten „Tatort“, der am 29. November 1970 sein Taxi ausgerechnet nach Leipzig rollen ließ. Da gab es auf ostdeutschen TV-Apparaten nach dem Auslaufen der „Blaulicht“-Reihe (1959 bis 1968) mit 29 Fällen eine Leere. Die füllte der „Polizeiruf 110“ bis zum Ende des Adlershofer DDR-Fernsehens mit 153 Ermittlungen. Bis heute ist Peter Borgelt als Hauptmann Fuchs mit 85 Einsätzen der fleißigste „Polizeiruf“-Mann, gefolgt von Jürgen Frohriep als Leutnant Hübner mit 67. Nur Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz reichen als hallesches Duo vom MDR an ihn heran – 50 Fälle in 17 Jahren. Als sie im März 2013 letztmals an der Saale recherchierten, waren die Kommissare Brasch und Drexler bereits an der Elbe unterwegs.

Neu in Madgeburg: Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke)

Neu in Madgeburg: Hauptkommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) und Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke)

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Ein Paar, das sich nur schwer fand. Was mit den Büchern und den Regisseuren zu tun hatte. Brasch und Drexler besaßen ihre Abgründe und Geheimnisse. Die beide voreinander versteckt hielten. Doreen Brasch bretterte mit Motorrad durch die Stadt, der Sohn entglitt ihr, die Fälle setzten ihr zu, was sie mit Kühle verdrängte. Dass Drexler schwul war und an einem DDR-Trauma trug, enttarnte der Doppeleinsatz mit dem Rostocker „Polizeiruf“-Paar im Herbst als Zweiteiler.
Nun ist Drexler weg und der Neue da: Dirk Köhler. Ein so ganz anderer Typ als Drexler – offen, genau, empfindsam, ein Familientyp, der Konflikte auf die sanfte Tour angeht. So jedenfalls steigt er in „Polizeiruf 110: Endstation“, dem sechsten Fall, den der MDR in Magdeburg drehte, ein. Montagabend gab es in Leipzig die Vorpremiere im Kino – mit Geburtstagsvorfeier.

Der erste Fall des neuen Ermittlerpaares bewegt sich zwischen Milieu und Mittelstand, zwischen kaputter Familie und Heim mit Rissen. Da kann auch Kommissarin Brasch so bleiben, wie sie war. Claudia Michelsen: „Sie hat als Mutter versagt und als Familie nicht funktioniert, obwohl sie große Sehnsucht danach hat – und da kommt da jetzt dieser Familienmensch.“ Auch aus der Reibung mit Kommissar Köhler, den sie ablehnt, den sie ignoriert, zieht „Endstation“ seinen Reiz. Matthias Matschke: „Dirk Köhler hat auch seine Schwächen, die er aber vor Brasch nicht zeigt.“ Deutet sich da etwa etwas in Richtung privates Paar an? Claudia Michelsen entschieden: „Das darf auf gar keinen Fall passieren.“

Im ersten Einsatz stehen sie sich erst mal kräftig im Weg, weiß der eine nicht, was der andere tut, weil der es ohne Absprache macht. Brasch zickt und zürnt, Köhler lächelt und versucht es im Guten. Immerhin lag ein Junge erschlagen vorm Polizeipräsidium. Die leibliche Mutter des Jungen ist drogenabhängig, er lebte bei Pflegeeltern. Beim toten Jungen wird eine goldene Uhr gefunden, die aus einem Raub stammt, bei dem eine 85-Jährige starb. Bald stoßen Brasch und Köhler auf gestörte Beziehungen in der Pflegefamilie, zu der auch eine leibliche Tochter und eine Verstörte gehören.     

von Norbert Wehrstedt

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