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Der Dalai Lama erfüllt auch mit 80 Jahren noch zentrale Rollen. Doch wer tritt sein Erbe an? Nicht nur das Schicksal von Tibet steht auf dem Spiel – es geht auch um die Zukunft Chinas und ganz Asiens.

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Geistiger und politischer Führer: Der Dalai Lama erfüllt auch mit 80 Jahren noch zentrale Rollen. Doch wer tritt sein Erbe an?

Quelle: dpa

Was kommt nach dem Dalai Lama? Das geistliche Oberhaupt Tibets, Sohn einfacher Bauern, hat in diesem Monat seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1959 musste der spirituelle Führer der buddhistischen Tibeter aus der von China besetzten Heimat fliehen und ließ sich am Fuße des Himalajas, im indischen Dharamsala, nieder. Um diese einzigartige Persönlichkeit und um die Zukunft seines Landes geht es beim Themenabend „Tibets Zukunft“ heute von 20.15 Uhr an auf Arte.

In der ersten Doku „Stunde Null auf dem Dach der Welt – Was kommt nach dem Dalai Lama?“ (20.15 Uhr) beleuchten die Autoren Christian Pähler und Lilian Dammann vor allem die Geschichte. 1950 kam der 14. Dalai Lama an die Macht, 1952 begann er mit Reformen, 1959 folgten ihm zehntausende Tibeter ins indische Exil, von wo aus er bis heute für eine Demokratisierung Tibets kämpft. 1989 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen, für seine andauernden Bemühungen um eine friedliche Einigung zwischen seinem Volk und der Regierung in Peking.

"Kein Land gehört einem Herrscher"

Im März 2011 hat er seine politischen Ämter an eine vom Volk gewählte Regierung abgegeben – eine historische und weitreichende Entscheidung. „Kein Land gehört einem Herrscher oder einer Regierung, es gehört dem Volk. Meine Entscheidung ist also richtig und konsequent“, sagt der Dalai Lama und schickt sein charakteristisches tiefes Lachen hinterher.

Nun setzt er sich nur noch mit buddhistischen Grundthemen auseinander. In dem aufschlussreichen Film geht es aber auch um Tibets Zukunft. Am 8. August 2011 wurde der unbekannte Harvard-Absolvent Lobsang Sangay (42) mit einer Mehrheit von 55 Prozent zum Premierminister der Exilregierung Tibets gewählt, der sieben Minister angehören. Sangay erklärt: „Meine Eltern mussten nach Indien fliehen, wo ich geboren bin. Der Kommunismus ist tot. Ich stimme mit dem Dalai Lama in nahezu allen Punkten überein.“  Sangay ist verheiratet und hat ein Kind, in Tibet ist er bislang nicht gewesen. In der Öffentlichkeit wird er weiterhin kaum wahrgenommen, und in Begleitung des Dalai Lama verschwindet er nahezu völlig. Der ist insbesondere in Deutschland ein gern gesehener Gast – regelmäßig hält er hier und anderswo spirituelle Vorträge und verkündet seine Botschaften über Gewaltlosigkeit und die Einheit der Menschheit. Vor wenigen Tagen nahm er in England am populären Glastonbury-Musikfestival teil.

Die beiden Autoren machen deutlich, dass China diese Regierung nicht anerkennt und von einer Marionettenregierung spricht. Viele Aktivisten der tibetischen Exilgemeinschaft kämpfen aus dem Ausland heraus weiterhin für eine stärkere Demokratisierung ihres Landes.

Die Lage für die Exiltibeter hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert, viele wählen den Freitod durch die äußerste Form des Protests, der Selbstverbrennung, um auf ihren gewaltfreien Widerstand aufmerksam zu machen. Vom Westen wird das kaum mehr wahrgenommen. Diese Ignoranz wird insbesondere von der tibetischen Jugend im Exil heftig kritisiert. Im zweiten Film „Kein Zuhause nirgendwo“ (21.10 Uhr) gibt Jocelyn Ford einen tiefen Einblick in das Leben der Bäuerin Zanta, die aus einem entlegenen tibetischen Bergdorf stammt und nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn nach Peking geflohen ist, wo sie ich als Straßenverkäuferin durchschlägt. Und im dritten Film „Kampf um Tibet“ (22.15 Uhr) zeigen die Autoren Shi Ming und Thomas Weidenbach bisher unveröffentlichtes Archivmaterial, darunter einen Propagandafilm aus DDR-Archiven, und lassen diverse Historiker und Wissenschaftler aus China zu Worte kommen.

Fazit dieses umfassenden Themenabends: Nicht nur das Schicksal von Tibet steht auf dem Spiel – es geht auch um die Zukunft Chinas und ganz Asiens, und es geht um Versöhnung. Die Zeit eines weltlichen und geistigen Oberhauptes Tibets in einer Person ist bereits jetzt vorbei. Eine endgültige Entscheidung soll es jedoch erst am 90. Geburtstag des Dalai Lama geben – wenn er dieses Datum erlebt. Oder kommt der 14. Dalai Lama als Reinkarnation zurück? Wie auch immer – wenn es einen 15. Dalai Lama geben sollte, dann wird er kein politischer Führer mehr sein. Gut möglich aber, dass es in spätestens zehn Jahren überhaupt keinen Dalai Lama mehr geben wird.

Von Klaus Braeuer

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