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Wenn der Sex nicht mehr wie früher ist

Fernsehkritik "Make Love" im ZDF Wenn der Sex nicht mehr wie früher ist

Auch an diesem Dienstag nutzte das ZDF den späten Abend für eine Schulstunde Aufklärung. Die zweite und vorerst letzte Folge dieser Staffel von "Make Love" widmete sich dem Thema Sex trotz Hindernissen. Wir haben reingeschaut.

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Das Modellpaar zeigt geeignete Sexstellungen für Menschen mit Erektionsstörungen.

Quelle: ZDF

Hannover. Wenn der Geschlechtsverkehr, der ja eigentlich etwas schönes sein soll, für einen psychisch wie körperlich zur Qual wird, leiden schnell beide Partner darunter. Andreas und seine Frau Beate wissen, wovon sie reden. Seit 2007 sitzt der 54-Jährige fast den ganzen Tag im Rollstuhl. Eine missglückte Rückenoperation nach einem Bandscheibenvorfall veränderte sein Leben grundlegend – auch sein Sexualleben.

Das Ehepaar aus Hamburg offenbarte sich am Dienstagabend in der ZDF-Sendung "Make Love", in der die Sexologin Ann-Marlene Henning vielen Fragen zur eigentlich schönsten Nebensache der Welt auf den Grund geht. Vollkommen unverkrampft will sie das tun, jedoch wirkt diese therapeutische Nähe zumindest im Fernsehen teilweise aufgesetzt.

Potenzpillen mit drastischen Nebenwirkungen

Beate und Andreas erinnern sich gern zurück an ihr erfülltes Sexualleben vor der OP. Heute kann der 54-Jährige seine Erektion nicht mehr halten. Länger andauernder Geschlechtsverkehr ist da undenkbar. Andreas schluckt seit einiger Zeit Potenzpillen, doch die haben zum einen drastische Nebenwirkungen wie Hitzewallungen oder Atemprobleme. Zum anderen bedarf es einer exakten Planung, damit die Pillen wirken: "Sex müssen wir in den Tagesablauf einplanen", beschreibt Beate. "Oft haben wir die Lust verloren, wenn es dann endlich losgehen kann."

Das Paar aus Hamburg ist kein Einzelfall. Der menschliche Körper kann sich aus vielerlei Gründen plötzlich verändern, etwa durch einen Unfall, eine Krankheit oder schlichtweg durch das Alter. Eine unangenehme Folge sind sexuelle Funktionsstörungen. 43 Prozent der Frauen und 31 Prozent der Männer erleben das mindestens einmal in ihrem Leben, berichtet   Ann-Marlene Henning im Faktencheck von "Make Love". Jeder fünfte Mann im Alter zwischen 30 und 80 Jahren soll demnach unter einer erektilen Dysfunktion leiden. Das heißt, obwohl er sexuell erregt ist, bleibt sein Penis nicht steif und er kommt nur schwer zum Orgasmus.

Foto: Die Sexologin, Paartherapeutin und Buchautorin Ann-Marlene Henning wurde 1964 in Dänemark geboren, sie studierte Neuropsychologie, Sexologie und Paartherapie. Seit 2008 betreibt sie eine eigene Praxis in Hamburg.

Die Sexologin, Paartherapeutin und Buchautorin Ann-Marlene Henning wurde 1964 in Dänemark geboren, sie studierte Neuropsychologie, Sexologie und Paartherapie. Seit 2008 betreibt sie eine eigene Praxis in Hamburg.

Quelle: ZDF

Andreas und Beate müssen nach Meinung der Sexologin umdenken lernen, um ihr Problem in den Griff zu bekommen: "Wenn alte Muster nicht mehr funktionieren oder Probleme machen, dann sollte man sie mit neuen Verhaltensweisen ersetzen, man muss also neue Muster erlernen." In einer Art Schattenriss taucht nun das schon bekannte Modellpaar auf, das für den Fernsehzuschauer schnell real erkennbar wird und geeignete Sexstellungen vorführt.

Es waren diese freizügigen Szenen, mit denen das ZDF für "Make Love" getrommelt hat und wegen der es im Vorfeld einen werbewirksamen medialen Aufschrei gab. Wer nun Angst bekam, dass das öffentlich-rechtliche ZDF schrittweise ins Pornogeschäft einsteigt, kann beruhigt sein. Die Nacktszenen füllten in Summe kaum mehr als eine Minute. Stattdessen wurde in ausgesprochen biederer Atmosphäre über Sex gesprochen, etwa in einem holsteinischen Hofcafé mit den Berkenthiner Landfrauen.

Mutiges Bekenntnis des ZDF

Andreas lernt in der 45-minütigen Sendung, wie er wieder mehr Kontrolle über seinen Körper bekommen, Beate wie sie ihre Erregungskurve und die ihres Mannes bewusster steuern kann. Das Training der Beckenbodenmuskulatur bringt beide ein Stück weiter.

Dass das ZDF nach dem MDR die Sendung "Make Love" ausstrahlt, ist ein mutiges Bekenntnis der Mainzer zu mehr Leichtigkeit in ihrem Programm gewesen. Ann-Marlene Henning sieht hingegen vor allem den ernsten Hintergrund ihrer therapeutischen Themen: "Der Druck von außen ist einfach viel größer geworden, darunter leiden viele. Zu viel Arbeit, zu viele Impulse, wenig Entspannung und Kontakt. Da hapert es oft mit der Lust. Und viele fühlen sich unzureichend, haben das Gefühl auch im sexuellen Bereich auf Vordermann sein zu müssen, es aber nicht zu bringen."  

Christoph Stephan

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ZDF-Sendung "Make Love"
Foto: Ann-Marlene Henning mit einem Modellpaar der Sendung "Make Love – Liebe machen kann man lernen".

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