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00:15 04.02.2016
Menderes  Bagci (M.) hat die zehnte Ausgabe des RTL- Dschungecamps "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gewonnen. Neben ihm die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Quelle: Stefan Menne/RTL
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"Das hätte auch Dirk Bach gefallen": Mit dieser Erinnerung an ihren verstorbenen Ko-Moderator übergab Sonja Zietlow am Sonnabendabend das Zepter an den zehnten Dschungelkönig. Menderes Bagci, der Ungeküsste, der Tollpatsch, die Dauerwitzfigur aus "Deutschland sucht den Superstar", steht für den Triumph des Underdogs. Sein Mantra "Never give up" hat der einsame Clown mit türkischen Wurzeln zu seinem Lebenszweck gemacht.

Während die anderen Kandidaten auf Kosten anderer für sich warben, trug er ungelenk immer wieder dieselben Sätze vor ("Ich bedanke mich, dass ihr so zahlreich für mich angerufen habt"). Während einige Camper von allen guten Geistern verlassen schienen, wirkte Menderes wie die Verkörperung des Verlassenen schlechthin. Und bekam 81,11 Prozent der Stimmen.

Eigentlich hätte man es von Anfang an ahnen können, dass die Zuschauer diesen König der Selbstzweifel zum Sieger küren würden. Denn nach zehn Staffeln "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" werden einige Muster deutlich, nach denen das Publikum über Gedeih und Verderb der Camper abstimmt:

Die Paradiesvögel schaffen es bis fast an die Spitze – aber eben nur fast

Schillernd, skurril und große Klappe: Mit dieser Mischung schaffte es Dragqueen Olivia Jones 2013 auf den zweiten Platz. Dort landete auch ihr Rollenpendant in der aktuellen Staffel: Sophia Wollersheim bewies, dass sie zwar überdimensionale Brüste hat, sich aber nicht auf ihren Körper reduzieren lässt. Am Ende reichte es nicht für den Thron – wohl auch deshalb, weil sie auf der Zielgeraden versuchte, ihren Konkurrenten Menderes klein zu reden ("Ruft für mich an, wenn ihr jemanden wollt, der nicht NUR lieb ist").

Die Polarisierenden werden in jede Dschungelprüfung geschickt – aber nicht auf den Thron

Zwar führte sie die Twitter-Charts an und übertrug die als TV-Richterin erlernten Pauschalurteile vorbildlich auf ihre Mitcamper: Doch der Sieg des stillen Menderes beweist, dass die Helenas Fürsts dieser Welt am Ende doch in der Publikumsgunst nicht vorne liegen. Ihre Vorgängerinnen Larissa Marolt und Fiona Erdmann ereilte ein ähnliches Schicksal.

Das Liebespaar fliegt raus, bevor es richtig spannend wird

Vielleicht liegt es daran, dass die angeblichen Annäherungen zu inszeniert und berechnend wirken (legendär ist Jay Khans Kamerablick während der Umarmung mit Indira Weis), aber die Romeos und Julias überleben meist nicht das erste Drittel des Camps. Die obligatorische Schatzsuche, bei der die Flirtenden mit Wein allein gelassen werden, erfüllt nie die Hoffnungen auf prickelnde Schäferstündchen. Latinlover David Ortega Arenas und Model-Schneewittchen Nathalie Volk schafften es demnach nicht ins Finale.

Starke Einzelkämpfer bringen es weit – aber nicht weit genug

Schon an den ersten Tagen war abzusehen, dass es "Kasalla"-Alphamännchen Thorsten Legat mit seinen markigen Sprüchen weit bringen würde. Jedoch überraschte es auch nicht, dass er am Ende nur den dritten Platz belegte. Erklärten Einzelkämpfern fehlt es wohl aus Sicht der Zuschauer an der nötigen Demut, dafür steht auch Patrick Nuos fünfter Platz im Jahr 2013.

Nur die Guten kommen in den Dschungelpalast

Peer Kusmagk, der sich 2011 als einziger dem allgemeinen Sarah-Knappik-Mobbing verweigerte, wurde für seine Zivilcourage mit der Krone belohnt. Dschungelenfant Joey Heindle überzeugte 2013 durch naive Gutmütigkeit. Auch Brigitte Nielsen (Königin 2012) widersetzte sich dem Lagerkoller und war so bei allen Mitteilnehmern beliebt. Das war auch bei ihrer Rückkehr in diesem Jubiläumsjahr wieder so, weshalb alle sichtlich geschockt waren, als sie an Tag 13 zu ihrer eigenen Bestürzung gehen musste. Nach dieser Logik hätte auch der unkomplizierte Jürgen Milski eine Chance gehabt – doch der hatte kurz vor dem Finale mit Sprüchen wie „Die Frau hat wohl ihre Tage“ an Sympathie eingebüßt und wurde Fünfter.

Sonja Zietlows Gunst macht Könige

Es gehört zum Rollenprofil der Dschungelcamp-Moderatorin, die mehr oder weniger gescheiterten Existenzen dort unten im Dschungelcamp mit spitzer Zunge auf ihren Platz zu verweisen. Bisweilen hingegen verraten Halbsätze und Tonfall, wenn die Moderatorin für einen Kandidaten doch ein wenig mehr als Hohn übrighat. Das gilt meist für die Bescheidenen, die Stillen, die Underdogs eben. Nicht selten sitzen die Teilnehmer, denen Zietlows leises Wohlwollen zuteilwird, am Ende auf dem Dschungelthron, das war auch bei Joey so.

Auch den höflichen Menderes, der sich noch für die ekligste Dschungelprüfung artig bedankte, hatte die Moderatorin offensichtlich ins Herz geschlossen. So forderte sie Sophia auf, den Weinenden in den Arm zu nehmen. Als „Supermenderes“ selbst mit dem Zepter in der Hand den König der Melancholie gab, sprach Zietlow von Rührung. Das klang ausnahmsweise mal nicht ironisch.

Von Nina May

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