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NDR will mehr Fernsehsendungen untertiteln

Rundfunkbeiträge für Behinderte NDR will mehr Fernsehsendungen untertiteln

Behinderte Menschen müssen ab Januar erstmals Rundfunkbeiträge zahlen – der Norddeutsche Rundfunk (NDR) will parallel dazu deutlich mehr Fernsehbeiträge untertiteln. Im kommenden Jahr soll mindestens jede zweite Sendung auch für schwerhörige und gehörlose Menschen verständlich sein.

Hamburg. Dies sagte die Leiterin für barrierefreie Angebote beim NDR, Uschi Heerdegen-Wessel, der Nachrichtenagentur dapd. Bislang betrage der Anteil 42 Prozent. Behindertenvertreter forderten einen zügigeren Ausbau der Untertitelung.

Mit der Umwandlung der Rundfunkgebühren zu Haushaltsbeiträgen werden ab 1. Januar auch behinderte Menschen zur Kasse gebeten. Sofern sie kein Arbeitslosengeld beziehen, zahlen sie den ermäßigten Beitrag von acht Euro pro Monat und damit ein Drittel des normalen Satzes. Zudem gibt es weitere Ausnahmen, in denen der Beitrag erlassen wird.

„Natürlich gehen die Sender jetzt in die Offensive“

Menschen mit Behinderungen werden in den kommenden Jahren jedoch auch von mehr barrierefreien Angeboten profitieren. „Natürlich gehen die Sender jetzt in die Offensive“, sagte Heerdegen-Wessel vom NDR. Den Anteil der untertitelten Sendungen habe der Sender in den vergangen Jahren deutlich erhöht - von 8,5 Prozent im Jahr 2007 auf inzwischen 42 Prozent. „Jetzt machen wir noch einen ganz großen Schritt“ - auf mehr als 50 Prozent.

Kommendes Jahr sollen auch die vier Landesmagazine des NDR untertitelt werden, die jeweils um 18.00 Uhr und 19.30 Uhr gesendet werden. Zudem würden alle Erstsendungen für die ARD mit Untertiteln versehen, versprach Heerdegen-Wessel. Für die Jahre nach 2013 gebe es noch keine Ziele, „aber es wird immer weiter ausgebaut“.

Auch die anderen ARD-Anstalten bauen ihren Angaben zufolge die Angebote für hörgeschädigte Menschen aus. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) untertitele bereits 60 Prozent der Sendungen und sei damit führend. Der NDR liege mit 42 Prozent im „oberen Mittelfeld“.

Dem Allgemeinen Behindertenverband in Mecklenburg-Vorpommern reicht das nicht aus. In anderen Ländern seien Untertitel „gängige Praxis“, sagte der Vorstandsvorsitzende Peter Braun der dapd. In Deutschland hingegen sei das „eher die Ausnahme“. Er forderte, alle Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu untertiteln. „Es gibt aus unserer Sicht keinen technischen Grund, dies auf 50 Prozent zu begrenzen.“ Die Untertitel sollten zudem in Film- und Landessprache verfügbar sein.

20 NDR-Mitarbeiter arbeiten an den Untertiteln

Der NDR sieht die Forderung nach einer schnelleren Ausweitung der Untertitelung skeptisch. Die Kritiker am derzeitigen Plan „machen sich keine Vorstellung davon, wie aufwendig das ist“, sagte Heerdegen-Wessel. Das Erstellen der Untertitel sei sehr teuer. Bei einer Live-Sendung seien immer zwei bis drei Leute damit beschäftigt. Diese erhielten dann Redemanuskripte und vereinfachten die Sätze. Insgesamt sind ihren Angaben zufolge mehr als 20 Mitarbeiter nur für die Untertitelung im NDR verantwortlich.

Auch müssten neue Fachkräfte erst ausgebildet werden. Daher könne der Anteil der barrierefreien Sendungen nicht rascher erhöht werden. „So schnell geht das einfach nicht.“

dapd

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