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Fernsehen Jan Böhmermann verkündet Fernsehpause
Nachrichten Medien Fernsehen Jan Böhmermann verkündet Fernsehpause
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14:58 16.04.2016
Will erstmal nicht mehr im Fernsehen auftreten: Jan Böhmermann. Quelle: dpa
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Berlin

"Denn es gibt möglicherweise bedeutsamere Themen, als die Diskussion um ein in einer Satire-Sendung vorgetragenes Gedicht. Darüber hinaus ist die Redaktion davon überzeugt, dass ein weiterer Song von Dieter „Didi“ Hallervorden zum Thema unbedingt zu verhindern ist. Das, und darin sind sich hier alle einig, MUSS oberste Priorität haben!", führt Jan Böhmermann im gewohnten Ton auf seiner Facebook-Seite weiter aus

Er bedankt sich zudem "von Herzen" für die große Unterstützung für die Sendung. Jetzt will er sich erstmal eine Auszeit nehmen. Er verlasse jetzt erst mal das Land, kündigte der Satiriker – wieder ironisch gefärbt - an. Reiseziele hat er demnach bereits ausgewählt: Nordkorea – um sich "die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit noch mal genau erklären" zu lassen – und den Jakobsweg. Letzteres mit dem Segway und zwecks Selbstfindung. "Euer Jan." 

Binnen weniger Minuten hatte der Post Tausende Reaktionen. Nach nicht mal einer Stunde hatten bereits mehr als 74.000 Menschen den Beitrag geteilt.

"Das ZDF respektiert diese Entscheidung", hieß es in einem knappen Statement des Senders. Was anstelle von Böhmermanns Sendung "Neo Magazin Royale" gesendet werde, sei derzeit noch offen. Die Produktionspause soll bis zum 12. Mai dauern. Böhmermanns Sendung lief bisher jeweils donnerstagabends beim Spartensender ZDFneo und am späten Freitagabend im Hauptsender ZDF.

Eine Schmähung mit Ansage und ihre Folgen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Regierung die Strafverfolgung gegen den Moderator zulässt. Laut Merkel stelle die Ermächtigung zur Strafverfolgung keine Vorverurteilung von Böhmermann dar. "Im Rechtsstaat ist es nicht Sache der Regierung, sondern von Staatsanwaltschaften und Gerichten, das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und andere Belange gegen die Presse- und Kunstfreiheit abzuwägen." In Deutschland solle nicht die Regierung, sondern die Justiz "das letzte Wort" haben. 

Böhmermann hatte Ende März in seiner satirischen TV-Show "Neo Magazin Royale" ein Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen, das zahlreiche Formulierungen enthielt, die unter die Gürtellinie zielen. Dies sorgte in der Türkei für große Empörung. Die Bundesregierung muss nun entscheiden, ob sie einer Strafverfolgung Böhmermanns in Deutschland zustimmt oder nicht.

Grundlage für die Entscheidung ist Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs (StGB). Wer einen ausländischen Staatschef beleidigt, muss demnach mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe rechnen. Ist Verleumdung im Spiel, drohen sogar bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug. Merkel hatte jetzt erklärt, dass dieser Paragraf für die Zukunft "entbehrlich sei" und noch in dieser Legislaturperiode abgeschafft werden soll. 

Die Entscheidung, eine Strafverfolgung zuzulassen, ist innerhalb der Koalition umstritten. Auch das Netz zeigte sich nach der Entscheidung von Angela Merkel schockiert.

ewo/dpa 

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