Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
"Verafake": RTL tauscht Produktionsteam aus

Nach "Neo Magazin Royale" "Verafake": RTL tauscht Produktionsteam aus

Jan Böhmermann ist zurück: Der Satiriker leimt nach einer vierwöchigen Pause im "Neo Magazin Royale" die RTL-Sendung "Schwiegertochter gesucht". Sein "Verafake" hat Konsequenzen: Die Medienaufsicht will die RTL-Sendung von Moderatorin Vera Int-Veen nun prüfen.

Voriger Artikel
"Honey" sorgt beim "GNTM"-Finale für Aufregung
Nächster Artikel
Das müssen Sie zum ESC-Finale wissen

Satiriker Jan Böhmermann schleust Schauspieler in die RTL-Sendung "Schwiegertochter gesucht" ein.

Quelle: ZDF NEO

Berlin/Köln. ZDF-Satiriker Jan Böhmermann sorgt mit der neuesten Ausgabe seines "Neo Magazin Royale" wieder für Diskussionsstoff: In der ersten Ausgabe nach dem Skandal um das Erdogan-"Schmähgedicht" enthüllte der Moderator am Donnerstagabend, dass er und sein Team einen Kandidaten in die RTL-Sendung "Schwiegertochter gesucht" eingeschleust hätten. Er habe Robin als falschen Kandidaten ins Rennen geschickt, um "Missstände bei RTL" aufzudecken, so Böhmermann zu seinem "Verafake" genannten Coup. Die für RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) leitete eine Vorprüfung gegen "Schwiegertochter gesucht" ein.

Medienanstalt will RTL-Verträge prüfen

"Die Art und Weise, wie die Produktionsfirma Verträge mit den Kandidaten abschließt und sie dabei bedrängt, erinnert stark an Haustürgeschäfte", sagte NLM-Direktor Andreas Fischer. Die Landesmedienanstalt habe den Vertrag angefordert, den die Produktionsfirma Warner Bros. International Television Production Deutschland mit den Kandidaten der Sendung abschließt. "Wir werden den Wortlaut prüfen und von RTL eine Erklärung verlangen, ob die Produktionsfirma bei ihrer Arbeit für den Sender überwacht wird." Sollte die NLM ein offizielles Prüfverfahren einleiten, droht RTL eine Beanstandung. Der Sender kündigte in einer ersten Reaktion auf Böhmermanns Sendung via Twitter Gespräche mit dem Produzenten von "Schwiegertochter gesucht" an. Die Produktionsfirma Warner Bros. International Television Production Deutschland wollte sich nicht äußern.

In der aktuellen Staffel von Moderatorin Vera Int-Veen sucht der "einsame Eisenbahnfreund" Robin aus dem Ruhrgebiet "eine Freundin, weil er noch nie eine hatte". "Seit zehn Jahren verarscht Vera Int-Veen jetzt schon Behinderte bei RTL", sagte Böhmermann. Dabei gehe es immer nur um eine "geile Story, geile Quote, geil viel Cash". Die Kandidaten bekämen dagegen für 30 Drehtage lediglich 150 Euro Aufwandsentschädigung. Eine Kopie des unterzeichneten Vertrags habe RTL zudem erst zwei Wochen nach Ausstrahlung zugesandt.

Vera Int-Veen moderiert "Schwiegertochter gesucht" auf RTL. Auch sie kam bei der Böhmermann-Kritik nicht gut weg.

Quelle:

Unter dem "Hashtag der Woche" #verafake lud Böhmermann seine Zuschauer dazu ein, sich auf Twitter auszutauschen. Die medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Tabea Rößner, forderte eine politische Debatte über die Berechtigung von Reality-TV-Formaten wie "Schwiegertochter gesucht". "Es ist teilweise unerträglich, wie rücksichtslos Medien um Aufmerksamkeit und Quoten kämpfen", sagte Rößner. Der Persönlichkeitsschutz greife dabei häufig zu kurz. "Hier wird es nicht ganz einfach sein, zwischen der Menschenwürde einerseits und andererseits dem selbstbestimmten Recht der Beteiligten, sich für solche Formate zu entscheiden, abzuwägen." Die Politik müsse auch über Kennzeichnungspflichten von Scripted-Reality-Sendungen und eine mögliche Anlaufstelle für Medienopfer diskutieren.

Scripted-Reality-Formate wie "Schwiegertochter gesucht", in denen reale Ereignisse vorgetäuscht werden, müssen seit 2014 laut einer Vereinbarung zwischen den Landesmedienanstalten und dem Privatsenderverband VPRT im Abspann gekennzeichnet werden. Allerdings ist die Regelung freiwillig. Im Abspann von "Schwiegertochter gesucht" taucht eine entsprechende Kennzeichnung nicht auf.

Das "Neo Magazin Royale" am Donnerstagabend verfolgten auf ZDFneo rund 620.000 Fernsehzuschauer. Mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent verdreifachte Böhmermanns Sendung ihren Marktanteil annähernd. Nach dem Wirbel um das umstrittene "Schmähgedicht" auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte das "Neo Magazin Royale" vier Wochen lang pausiert. Böhmermann hatte das Gedicht in der Sendung vom 31. März verlesen. Erdogan verlangte daraufhin unter anderem eine Strafverfolgung nach Paragraf 103, der die Bestrafung bei einer Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter regelt. Die Bundesregierung erteilte die notwendige Ermächtigung für Ermittlungen gegen Böhmermann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte gleichzeitig die Abschaffung der Regelung an.

Erst am Donnerstagvormittag, nur wenige Stunden vor der Ausstrahlung des "Neo Magazin Royale", sorgte der CDU-Abgeordnete Detel Seif im Bundestag für Aufsehen. Er zitierte bei einer Diskussion um den Paragrafen 103 das gesamte Böhmermann-Gedicht.

"Schwiegertochter gesucht": Team wird ausgetauscht

Der Privatsender RTL zieht nach Jan Böhmermanns "Verafake" Konsequenzen. "Bei der Produktion einer Folge von "Schwiegertochter gesucht" sind Fehler im Bereich der redaktionellen Sorgfaltspflicht gemacht worden", sagte Unterhaltungschef Tom Sänger in einer Mitteilung. "Dazu stehen wir gemeinsam mit der Produktionsfirma Warner. Die Produktion der aktuellen Staffel wird daher von einem neuen Team realisiert. Gemeinsam mit dem Produzenten sorgen wir dafür, dass sich die Fehler nicht wiederholen."

"Respekt an Herr Böhmermann", sagte René Jamm von der Produktionsfirma Warner Bros. ITVP Deutschland GmbH. "Wir sind ihm komplett auf den Leim gegangen, denn er hat uns einen sympathischen Schwiegersohn präsentiert. Wir haben uns in ihn "verliebt" und in diesem Fall gleichzeitig unsere redaktionelle Aufsichtspflicht missachtet. Wir werden dafür die Verantwortung übernehmen und inhaltlich sowie personell umstrukturieren."

bep/dpa/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Fernsehen
HAZ-Volontäre gewinnen Medienpreis der Architektenkammer

Mit ihrer multimedialen Berichterstattung über die Wasserstadt Limmer haben die Volontäre der HAZ beim Medienpreis der Bundesarchitektenkammer den ersten Platz belegt.

Datenschutz im Netz: Diese Begriffe sollten Sie kennen