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Frauke Petry lügt am häufigsten

Studie zu Talkshows Frauke Petry lügt am häufigsten

Halten sich Politiker in Talkshows an die Fakten? Die Antwort soll eine crossmediale Studie der Kölner Journalistenschule liefern. Die Studenten untersuchten die Talkshow-Aussagen von Prominenten auf ihren Wahrheitsgehalt. Das ernüchternde Fazit: Jede siebte Behauptung entspricht nicht den Fakten.

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Fast ein Drittel ihrer Aussagen stimmt nicht: Frauke Petry.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Köln. Spitzenreiterin bei der kreativen Neuinterpretation der Wahrheit ist die AfD-Spitzenfrau Frauke Petry. Nahezu ein Drittel (28,9 Prozent) ihrer Aussagen wurden von den Studenten beanstandet. Auch der CSU-Pöbelkönig Markus Söder hat zu 21,9 Prozent die Unwahrheit gesagt. Am besten kommen der CDU-Politiker Armin Laschet (6,5 Prozent) und sein SPD-Kollege Thomas Oppermann (9,1 Prozent) weg.

Im Mittelfeld landen Katrin Göring-Eckardt von den Grünen und Katja Kipping von der Linken (beide 15,9 Prozent) sowie Christian Lindner von der FDP (12,5 Prozent).
Mehr als vier Monate dauerte das Projekt Faktenzoom (www.faktenzoom.de).

Grundlage waren die Talkshows "Anne Will", "Hart aber fair", "Maybrit Illner" und "Menschen bei Maischberger" im Zeitraum vom 1. Dezember 2015 bis 20. März 2016. Insgesamt wurden 701 Aussagen untersucht. Nicht berücksichtigt wurden solche, die dem Allgemeinwissen zuzurechnen sind. Von den Parteien bekamen die Studenten überwiegend positives Feedback. Die SPD schrieb: "Der Faktencheck versachlicht die Debatte und trägt zur Wahrhaftigkeit bei." Von der AfD hieß es, dass es der "Zeit- und Terminplan von Frau Dr. Petry im Moment nicht zulässt, umfassend Stellung zu nehmen".

Von Nina May

Hier finden Sie einige Aussagen aus der Studie

Frauke Petry (28,9*):

"Der Großteil der Menschen, die nach Europa kommen, sind Migranten [und keine Flüchtlinge, Anm. d. Red.]." (Maybrit Illner, 13. März 2016)

Diese Aussage ist nach Angaben der Autoren  falsch . Etwa eine Million Flüchtlinge von außerhalb Europas kamen 2015 laut UN-Flüchtlingswerk UNHCR auf den Kontinent. Die Hälfte waren Syrer, die zumeist als Flüchtlinge mit Aufenthaltsanspruch gelten. 20 Prozent waren außerdem Afghanen, die auch meist hohe Chancen auf Asyl haben. 

Auf Nachfrage der Autoren ließ Petry mitteilen, dass auch 50 Prozent Migranten "ein großer Teil" seien. Dabei hat sie die Afghanen offensichtlich außer Acht gelassen.

"Die SPD fordert eine Obergrenze für Flüchtlinge" Maischberger, 27. Januar 2016

Falsch: Die SPD lehnt Obergrenzen für die Aufnahme von Asylbewerbern ab. So sagte SPD-Parteivize Ralf Stegner laut Zeit Online: "Europas Wirtschaft hängt von offenen Grenzen ab." Auch Thomas Oppermann bezeichnete die Einführung einer Obergrenze in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung als "Augenwischerei". 

Frauke Petry erklärte auf Nachfrage der Autoren, sie habe mit ihrer Behauptung lediglich deutlich machen wollen, dass mittlerweile keine Partei mehr der Meinung ist, Deutschland könne unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen.

Markus Söder (21,9*)

 "Wenn in Österreich die Obergrenze erreicht ist, werden die Flüchtlinge weitergeschickt." (Maybrit Illner, 21. Januar 2016)

Diese Aussage ist nach Angaben der Autoren  falsch . Was mit den Flüchtlingen passiert, die in Österreich ankommen, nachdem die Obergrenze erreicht ist, stand – so schreiben es die Studienverfasser – noch nicht in dem Beschluss des österreichischen Asylgipfels vom 20. Januar 2016. In einem Dokument soll es geheißen haben, man wolle mögliche Maßnahmen zunächst rechtlich prüfen. Söder konnte zu diesem Zeitpunkt also nicht wissen, wie Österreich die Obergrenze praktisch umsetzen wird.

Eine Sprecherin Söders erklärte dazu, die Aussage bringe die konkrete Befürchtung des "Weiterwinkens" durch Österreich zum Ausdruck. Diese Befürchtung sei damals begründet gewesen.

( * Anteil der geprüften falschen und überwiegend falschen Aussagen)

RND/abr

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