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Böhmermann stellt RTL bloß

Neo Magazin Royale Böhmermann stellt RTL bloß

Am Donnerstagabend kehrte Jan Böhmermann mit einer aufsehenerregenden Ausgabe seines "Neo Magazin Royale" zurück: Nach der Staatsaffäre um das Erdogan-Schmähgedicht stellte der Moderator nun RTLs "Schwiegertochter gesucht" bloß. Eine Rückblende von Fabian Wenck.

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Schluss mit lustig. Böhmermann liest Witze anderer vor.

Quelle: Ben Knabe

Berlin. Die Erdogan-Affäre machte Satiriker Jan Böhmermann zu schaffen und tut es vermutlich heute noch. Ihm droht ein Strafverfahren wegen Beleidigung – der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan klagt als Privatperson. Das Böhmermann-Gedicht wurde zur Staatsaffäre. Angela Merkel ruderte vor und wieder zurück. Und Böhmermann? Der nutzt seine Pause um genau das zu tun, was ihn in der deutschen Fernsehlandschaft unvergleichbar macht. Er führt vor, stellt bloß. Dieses Mal weniger staatstragend, dafür aber gleichsam offenbarend, was in Deutschland alles möglich ist. Unter dem Hashtag der Woche #verafake nimmt sich Böhmermann mit seiner "royalen" Redaktion die RTL-Produktion "Schwiegertochter gesucht" vor. Die Schelte gegen Erdogan überlässt er seinem Gast Gregor Gysi.

Twitter feiert Böhmermann

Als Robin (21) wird Schauspieler Simon Steinhorst (30) in die Reality-Show eingeschleust. Der Redaktion des "Neo Magazin Royale", die sich in Anlehnung an RTLs Sendung "Wallraff deckt auf" kurzzeitig in "Team Royaleraff" umbenannt hat, ist keine Mühe zu groß. Eine nachgestellte Wohnung, ein gefakter, alkoholisierter, latent melancholischer Vater namens René alias Andreas Schneiders (55) und versteckte Kameras, um die RTL-Redakteure zu überführen. Die Twitter-Gemeinde überschlägt sich – einige "Schwiegertochter gesucht"-Zuschauer scheinen bereits zur Ausstrahlung der Sendung auf RTL ihre Zweifel an Robin gehabt zu haben.

 

In vier Schritten zum perfekten Schwiegersohn

In vier einfachen Schritten baut Böhmermann den "perfekten Schwiegersohn":

1. Schräges Hobby,
2. Asi-Wohnung,
3. Schräges Aussehen,
4. Signature Move - Robins charmantes Lächeln.

Während des "Schwiegertochter gesucht"-Einspielers wendet sich Böhmermann auch direkt an RTL und Moderatorin Vera Int-Veen: Man habe die Kandidaten absichtlich noch dümmer dastehen lassen, als es sich die Royale-Redaktion überlegt hatte. "Und das soll schon was heißen", so der Satiriker, der abschließend viele Serienproduzenten in Deutschland in Angst und Schrecken versetzt haben dürfte: "Wer weiß, in welche Sendungen wir noch Kandidaten eingeschleust haben. Lasst euch überraschen."

RTL reagiert auf "#verafake"

Der Kölner Fernsehsender reagierte ebenfalls unter dem Hashtag "'#verafake" auf Böhmermanns "Schwiegertochter gesucht"-Aktion: "Wir schauen uns #verafake an und sprechen mit dem Produzenten von #Schwiegertochtergesucht Update folgt!", hieß es noch am Donnerstagabend.

Geschickt: Während der gesamten Sendung ließ Böhmermann quasi ausschließlich andere für sich sprechen. Zu Beginn seiner Sendung gab es die gewohnt scharfen Sprüche und Witze über das Weltgeschehen und die Kleinigkeiten drumherum. Dieses Mal aber nicht etwa aus der Feder des Satirikers oder seiner Redaktion, sondern zitiert aus Zuschriften von Zuschauern, die mit nicht weniger spitzer Zunge als Böhmermann selbst über vergangene Ereignisse herfallen.    

Gysi mit klaren Worten

Gleiches gilt für seinen Gast Gregor Gysi, der eine Lanze für den Satiriker bricht. Zwar gefalle ihm der Ton nicht, den Böhmermann in seinem "Schmähgedicht" anschlägt, dass er damit jegliche Vorurteile bediene, allerdings gäbe es in Deutschland neben der Presse- und Meinungsfreiheit eben auch die Kunstfreiheit. "Und die gilt es alle zu verteidigen." Kanzlerin Angela Merkel bezeichnet der 68-Jährige als "inkonsequent".

Es sei merkwürdig, dass die Kanzlerin dem Strafverfolgungsantrag gegen Böhmermann stattgebe und nur kurze Zeit später ankündige, die Gesetzesgrundlage dafür künftig abschaffen zu wollen. "Was in Zukunft falsch ist, kann heute nicht richtig sein." Applaus aus dem Publikum. Laut Gysi kann Böhmermann so viele Leute auf seiner Seite wähnen, da Erdogan eine "scheiß Politik" mache. "Das, was sie mit Vera gemacht haben, finde ich übrigens gut", so der Ex-Linke-Chef.

Bereits am Donnerstagvormittag debattierte der Bundestag über den Satirefall – richtig laut wurde es, als der CDU-Abgeordnete Detlef Seif das umstrittene Gedicht vorlas. Besser konnte man auf die Comeback-Sendung nicht einstimmen.

RND/ Fabian Wenck

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