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00:16 19.12.2015
Lina Wendel als Anne Marie Fuchs, Regisseurin Samira Radsi und Karim Cherif als Youssef L Kilali: Für Lina Wendel könnte die Rolle als "Die Füchsin" der Beginn einer erfolgreichen Fernsehkarriere ein. Quelle: WDR/Martin Rottenkolber
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Düsseldorf

Womöglich stand am Anfang dieser Geschichte die Frage, was wohl die einstigen Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit heute so treiben. Viele mögen mittlerweile im Ruhestand sein, andere haben sich eine neue Existenz aufgebaut. Aber was ist mit denen, die nie etwas anderes gelernt haben, als zu spionieren? Jemand wie Anne Marie Fuchs zum Beispiel, eine Frau in den Fünfzigern, die zudem noch eine Rechnung mit dem alten System offen hat?

Ralf Kinder lässt in seinem Drehbuch offen, wie die "Füchsin" die letzten 25 Jahre verbracht hat, aber vermutlich war ihr Dasein ähnlich trostlos wie jetzt: Sie lebt in einer tristen kleinen Wohnung in einer Hochhaussiedlung am Rand von Düsseldorf. Wenn sie Gesprächsbedarf hat, redet sie mit ihrer Kaffeemaschine, und als die den Geist aufgibt, muss sie notgedrungen unter Menschen.

"Die Füchsin: Dunkle Fährte"
ARD | neue Krimiserie
heute, 20.15 Uhr
Bewertung: 4 von 5 Sternen

Das klingt nicht unbedingt fesselnd, und tatsächlich ist die Produktion in vielerlei Hinsicht nicht gefällig. Das beginnt schon mit der in sich gekehrten und äußerst beherrscht wirkenden Hauptfigur und ihrer zumindest dem TV-Publikum weitgehend unbekannten Darstellerin Lina Wendel.

Die Meriten von Serienregisseurin Samira Radsi sind ebenfalls überschaubar, und der Film scheint auch nicht um sein Publikum zu werben. Aber Wendel ist eine vorzügliche und verblüffend wandlungsfähige Bühnenschauspielerin, die für ihre Titelrolle in dem Kinodrama "Silvi" mehrfach ausgezeichnet worden ist, Radsi war immerhin an der RTL-Serie "Deutschland 83" beteiligt. Die Geschichte des Films beginnt einen ganz eigenen Reiz zu entwickeln, als Kinders Drehbuch den beruflichen Hintergrund seiner scheinbar unscheinbaren Hauptfigur offenbart.

"Dunkle Fährte" ist der Auftakt zu einer neuen Donnerstagskrimireihe. Geschickt verknüpft Kinder die Vergangenheit mit der Gegenwart: Als Simone (Jasmin Schwiers), die Besitzerin des Stammlokals von Frau Fuchs, ihren Bruder Sebastian vermisst, bietet die frühere Agentin ihre Hilfe an; schließlich war sie mal Expertin darin, Menschen aufzuspüren. Der junge Mann lebt in einem besetzten Haus, dessen Besitzer die ungebetenen Gäste offenbar mit einem perfiden Plan loswerden wollte.

Möglicherweise ist dabei etwas schiefgelaufen: Ein Freund und Mitbewohner Sebastians wird tot aus dem Rhein gefischt, er selbst ist wie vom Erdboden verschluckt. Mithilfe eines früheren Kollegen (Torsten Michaelis), der in Düsseldorf eine Sicherheitsfirma betreibt und sich an den Möglichkeiten der modernen Überwachungsmethoden erfreut, findet die Füchsin heraus, was wirklich mit Sebastian passiert ist.

Das eigentliche Verbrechen ist nicht weiter spektakulär, und die Kombination der älteren Ermittlerin mit einem jüngeren Helfer mit Migrationshintergrund erinnert an die Degeto-Krimireihe "Alles Verbrecher" mit Ulrike Krumbiegel. Youssef (Karim Chérif), der Gatte von Simone, dient der Füchsin im Wesentlichen als Fahrer und ist in der Serie für die heiteren Einlagen zuständig: Youssef setzt sich regelmäßig prophylaktisch gegen araberfeindliche Vorurteile zur Wehr, noch bevor die Menschen den Mund aufgemacht haben.

Filmisch ist es sehr reizvoll, wenn die Füchsin in den Rückblenden als ältere Frau die Position ihres jüngeren Alter Egos in den Achtzigerjahren einnimmt. Dabei kommt nach und nach ein Schicksalsschlag ans Licht, der noch heute ihr Leben verdüstert. Die Neugier auf die weiteren Filme mit der Füchsin ist erfolgreich geweckt. Und für Lina Wendel könnte die Reihe der Auftakt zu einer erfolgreichen Fernsehkarriere sein.

Von Tilmann P. Gangloff

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