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Amazon lässt Nazis New York erobern

Neue Streaming-Serie Amazon lässt Nazis New York erobern

Wie sähe die Welt aus, wenn Hitlerdeutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte? Vielleicht wie in "The Man in the High Castle": In der Amazon-Serie steht New York unterm Hakenkreuz.

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Amerikanischer Nazi-Fiesling John Smith (Rufus Sewell).

Quelle: Amazon/dpa

Hannover. Was singt die Stimme da? "Hitlerreich, Hitlerreich"? Eine akustische Täuschung, es ist nur die Verehrung einer unschuldigen, pummeligen Bergblume: "Edelweiss, Edelweiss". Die Schwedin Jeanette Olsson aber haucht die alte Rodgers-und-Hammerstein-Weise aus dem Kultfilm "The Sound of Music" so vorsichtig, als zerbrächen ihr gleich die Worte wie Baiser.

Hitlerreich hat expandiert

Dazu sieht man Fallschirmspringer vor den Gesichtern der Steinpräsidenten des Mount Rushmore schweben, und ein silbriger Concorde-artiger Jet trägt das Hakenkreuz auf der Heckflosse. Es geht eben doch ums Hitlerreich, das in dieser Fiktion offenbar expandiert hat.

"The Man in the High Castle"
Amazon Instant Prime
Science-Fiction-Serie
zehn Folgen ab Freitag online
Bewertung: 4 von Sterne

Und zwar in Übersee. Der Osten der USA gehört in der Amazon-Serie "The Man in the High Castle" zum "Greater Nazi Reich" (GNR), hinter einer ärmlichen, neutralen Zone beginnen die "Japanese Pacific States". Der Krieg ist – so erzählt es diese Serie – anders ausgegangen damals, die Achsenmächte haben Amerika unter sich aufgeteilt.

Ein Volk in Angst

Ein greiser Hitler lässt in Berlin seine Standarten glänzen, das vieltausendstimmige Singen "Die Fahne hoch" wird im GNR im Fernsehen übertragen. Und gemäß ihrer "Heute gehört uns ..."-Tradition planen führende Nazis für 1962 die Eroberung des japanisierten Westens.

Das im Grunde unsinnige "Was wäre, wenn" wird zu einer hochspannenden Geschichte über Diktatur, Spionage, Widerstand und den Alltag eines Domestikenvolkes in Angst.

Frank plant ein Attentat

Der New Yorker Nazi-Agent Joe (Luke Kleintank) und die bislang unpolitische Juliana Crain (Alexa Davolos) aus San Francisco sollen jeder für sich eine Filmrolle zu dem mysteriösen "Mann im hohen Schlosse" bringen. Beide sind zu neugierig, das Zelluloid zeigt ihnen Jalta, die Invasion der Normandie, Sprengungen steinerner Hakenkreuze in Berlin.

Es ist, als sei in den Bildern eine glücklichere Historienalternative gefangen. Die Geheimpolizei jagt Juliana, die Familie ihres Freundes Frank (Rupert Evans) wird ermordet. Und der plant als Rache ein Attentat auf das japanische Thronfolgerpaar.

Schöne, böse Welt

Philipp K. Dick, der Science-Fiction-Magier, der unter anderem Androiden das Träumen von elektrischen Schafen unterstellte, schrieb 1962 den Roman "Das Orakel vom Berge", auf dem die von Ridley Scott ("Alien") produzierte Serie lose basiert.

Zehn Einstünder alternativer Geschichte, faszinierend in ihrem Flair einer schönen, bösen Welt, damit sichert sich Amazon Instant Prime den Anschluss an die großen Serienmacher Netflix, HBO, Fox. Ein weiteres Mal bleiben die Berge majestätisch, die Sonnenuntergänge atemberaubend.

Der Kern des Geheimnisses

Das Obszöne an Diktaturen ist, dass die Welt sich nicht schwarz färbt von ihrem Terror und Menschenhass. Uhren ticken, Vorhänge zerreißen, Leben enden. Bis der Zuschauer ins Hohe Schloss gelangt, an den Kern des Geheimnisses. Wie das alles gut ausgehen soll? Parallelwirklichkeiten sind erstaunlich. In Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" fand Hitler früher als im wahren Leben sein Ende – nicht von ungefähr in einem Pariser Kino.

Von Matthias Halbig

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