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Fernsehen Wenn der Wald die Kinder verschluckt
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09:19 11.05.2016
Moa Gammel gibt in "Jordskott" die labile Kommissarin Eva Thörnblad. Quelle: arte
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Hannover

Dunkle Wälder und idyllische Seen bildeten schon häufig die Kulisse für schwedische Fernsehserien. Meistens findet irgendein übellauniger, unrasierter und dem Alkohol zugeneigter Kommissar dort Leichen unschuldiger Kinder oder übel zugerichteter Frauen. Auch in "Jordskott – Die Rache des Waldes" (von Donnerstag an auf Arte) sind Kinder die Opfer, sonst allerdings ist alles anders als in den üblichen Produktionen des sogenannten Nordic-Noir-Genres.

Die labile Kommisarin Eva Thörnblad (Moa Gammel) ist vom Schicksal arg gebeutelt. Ihr Vater, ein Sägewerksbesitzer, zu dem sie offenkundig nicht das beste Verhältnis hatte, ist gestorben. Sie kehrt darum aus Stockholm an ihren verschlafenen Heimatort Silverhöjd zurück. Dort verschwand vor sieben Jahren unter mysteriösen Umständen Thörnblads Tochter Josefin. Eine Leiche wurde nie gefunden. Und nun ist der achtjährige Anton unauffindbar.

Anfangs müssen die Zuschauer etwas Geduld mitbringen, um in die Geschichte des Zehnteilers hineinzufinden. Doch dann läuft Eva bei einer nächtlichen Fahrt durch den Wald ein verwahrlostes, seltsam kränkliches Mädchen vors Auto. Die Ermittlerin glaubt darin Josefin zu erkennen – und  die verrätselte Erzählung beginnt zu fesseln. Jordskott war in Schweden ein regelrechter Straßenfeger. Dies lag nicht zuletzt an den zahlreichen Zitaten aus Mythen und Volkssagen des Landes, die Serienschöpfer Henrik Björn, in "Jordskott" aufgreift. Bei der ein oder anderen Figur der Serie ist zunächst nicht klar, ob sie menschlicher Natur oder doch direkt aus einem Märchenbuch entfleucht ist.

Hierzulande dürften vor allem Twin-Peaks-Fans auf ihre Kosten kommen. Ein Sägewerk, ein Wald, ein mutmaßliches Opfer, das verwirrt aufgefunden wird  –  Parallelen zur David Lynchs Msytery-Meisterwerk sind da. Und selbst zur Holzscheit tragenden "Log Lady" gibt es eine Entsprechung: Die mysteriöse Ylva (toll: Vanja Blomkvist), die mit einem Einkaufswagen voller Schrott durch den Ort zuckelt und versucht, Eva Hinweise zu geben.

"Jordskott" schwedische Mystery-Serie mit Moa Gammel,

immer donnerstags um 20.15 Uhr auf Arte

Die Natur im Fokus

Auch die skandinavische Serienkultur wird zitiert: Josefin und Eva liegen zwischenzeitlich in einem Krankenhaus, das einen ähnlich hohen Gruselfaktor aufweist wie Lars von Triers "Hospital der Geister". Im diesem Krankenhaus wird unter anderem festgestellt, dass das junge Mädchen an einer seltsamen Krankheit leidet: Ihr Blut scheint von Wurzeln durchsetzt zu sein. Bald findet Eva heraus, dass auch ihr Vater an dieser Krankheit gelitten haben muss.

Während  "Twin Peaks" vor allem um die Abgründe seiner schrägen Charaktere kreist, spielt in Jordskott die Natur eine ganz eigene Rolle. Die Kameramänner Kjell Lagerroos und Pelle Hallert haben wunderschöne und auch bedrohliche Bilder des Waldes und einer nebligen Seenlandschaft geschaffen. Gedreht wurde im Sommer 2014 in den Orten Sala und Ragunda.

Der Wald schlägt zurück

Überraschende Wendungen im Drehbuch, ein gutes Schauspieler- Ensemble, großartige Landschaftsaufnahmen – Mystery und Schwedenkrimi-Fans werden Jordskott mögen.

Schade ist nur, dass die Serie eine so unglaublich banale und platte Botschaft transportiert: Wenn die Menschheit den Wald rücksichtslos ausbeutet, dann wehrt er sich eines Tages ebenso brutal. Ein bisschen mehr unerklärter Zauber hätte ruhig bleiben dürfen.

Ideen für eine zweite Staffel  soll es schon geben. Dann bitte mit weniger Holzhammer-Aussage und gern auch mal mit einem Kind, das lacht. Die ulkigen, unheimlichen und mystischen Wesen aber dürfen bleiben.

Von Christiane Eickmann

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