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Neue Serien, alte Rollenbilder

"Mila" und "Frauenherzen" auf Sat.1 Neue Serien, alte Rollenbilder

Modern und jung wollen sie sein – die neuen Sat.1-Serien "Mila" und "Frauenherzen". Doch das gelingt nicht immer. Während bei "Mila" zudem die Charaktere konsequent reduziert werden, zeigt sich Frauenherzen auf anderem Niveau. Eines eint beide: ein altmodisches Frauenbild dominiert.

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„Frauenherzen“: Frieda (Julia Hartmann) ist nur auf flüchtige Abenteuer aus. Dann begegnet sie Mark (Tobias Oertel).

Quelle: Sat.1

Für viele Frauen sind eine gute Ausbildung und ein Beruf, der sie ausfüllt, genauso wichtig wie eine Partnerschaft. Im Fernsehen ist das anders. Es mutet seltsam an, wenn sich Filme oder Serien einen modernen Anstrich geben und dann doch bloß von Frauen handeln, die auf der Suche nach dem Mann fürs Leben sind. Die beiden neuen Sat.1-Serien „Mila“ (montags bis freitags um 19 Uhr) und „Frauenherzen“ (ab heute dienstags 20.15 Uhr) sind da exemplarisch.

Konsequent reduziert

In „Mila“ wirkt das Ganze besonders unglaubwürdig: Angeblich ist die Titelfigur – Anfang dreißig und freiberufliche Mitarbeiterin eines Onlinemagazins – glücklicher Single. Aber als ihre jüngere Schwester ihre Verlobung bekannt gibt, stellt sie fest, dass ihr Dasein ohne Kerl öd ist. Ihre Mutter fürchtet gar, sie könne als alte Jungfer enden. Also nimmt sie sich vor, bis zur Hochzeit ihrer Schwester den Mann fürs Leben zu finden.

Konsequent reduziert das Autorenteam Mila fortan auf diese Suche nach der Liebe. Für Produzent Guido Reinhardt steht dieses Merkmal sogar für die Realitätsnähe der Serie: „Es gibt eine Vielzahl von Singlehaushalten in Deutschland. Diese Singles haben sich in ihrem Dasein eingerichtet, aber wenn man mal nachhakt, sind sie trotzdem Suchende.“

Weil die Heldin (gespielt von Susan Sideropoulos) ähnlich im Zentrum steht wie sonst nur die Protagonistinnen von Telenovelas, fällt ihre Facettenarmut besonders auf: Sie plant ein Buch, ist jedoch über den ersten Satz nicht hinausgekommen.

Was sie sonst so getrieben hat, bevor die Liebesleere alles andere dominierte, bleibt offen. Ihre Freizeit scheint im Wesentlichen daraus zu bestehen, sich mit ihrer Mitbewohnerin über die jüngsten Erlebnisse bei der Männersuche auszutauschen.

Eine ganz andere Atmosphäre

„Frauenherzen“ ist ganz ähnlich konzipiert wie „Mila“, wenn auch auf anderem Niveau. Der gleichnamige Film war im vergangenen Jahr ein zwar nicht herausragendes, aber sehenswertes romantisches Drama über die Einsamkeit von Großstädterinnen. Nun gehen die Geschichten in Serie.

Das verantwortliche Personal hinter der Kamera ist weitgehend dasselbe, was daher auch für Tonfall und Machart gilt. Optisch ist „Frauenherzen“ gewissermaßen das Gegenstück zu „Mila“: Während die Vorabendserie durch ihre knallbunte Anmutung mit jedem Bild Wohlfühlfernsehen signalisiert, sorgen die etwas gedeckteren Farbtöne in der Hauptabendserie für eine ganz andere Atmosphäre.

Sendezeiten

  • "Mila" (Sat.1, montags bis freitags um 19 Uhr)
  • „Frauenherzen“ (Sat.1, ab heute dienstags 20.15 Uhr)

Die vier Protagonistinnen stehen für unterschiedliche Stimmungen, aber selbst der eher komische Handlungsstrang mit der molligen Friseurin Mandy (Christina Petersen) birgt dramatisches Potenzial: Sie hat keine Ahnung, dass es sich bei dem Chatpartner, den sie als Seelenverwandten betrachtet, um ihren neuen Chef (Florian Panzner) handelt, den sie nicht ausstehen kann.

Auch die anderen Geschichten sind nicht lustig: Britta (Muriel Baumeister) schlägt sich mit zwei Kindern durchs Leben. Fe (Nadeshda Brennicke), im Film eine karrierefixierte Modelagentin, ist schwanger und hin- und hergerissen zwischen dem Kinderwunsch und der Überzeugung, dass sich ein Baby mit ihrer Arbeit nicht vereinbaren lässt.

Am interessantesten ist die Erzählebene mit Cafébesitzerin Frieda (Julia Hartmann), deren Einsamkeit durch die wechselnden Männerbekanntschaften im Film noch betont wird. In der Serie bekommt sie Besuch von ihrer krebskranken Mutter (Sabine Vitua), die sich aber gegen jede Form von Mitgefühl wehrt. Frustriert schnappt sie sich im Krankenhaus den nächstbesten Arzt (Tobias Oertel).

Schwierige Identifikation

Mit Ausnahme von Britta, die einfach nur einen Job braucht, gehen die Frauen immerhin Berufen nach, die sie auch ausfüllen. Trotzdem wird Mandy ähnlich wie Mila auf die Suche nach der großen Liebe reduziert, womit die Autoren dem Filmklischee gehorchen, dass korpulente Frauen besonders romantisch veranlagt sind. Auch Frieda scheint mit ihrem Café keineswegs ausgelastet zu sein. Fe hat immerhin Karriere gemacht, aber sie ist dank ihrer dominanten Natur keine Figur, die zur Identifikation einlädt.

Auch das passt ins Bild: Frauen, die beruflichen Erfolg haben, sind im Fernsehen selten Sympathieträgerinnen. Milas Chefredakteurin ist in dieser Hinsicht durchaus repräsentativ: ein herber, unsympathischer Typ, extrem schlank, ehrgeizig und ohne jede soziale Kompetenz. Unterm Strich entsprechen daher beide Serien den traditionellen Rollenmodellen, die in Fernsehfilmen und Serien vorherrschen: Männer haben Arbeit, Frauen dagegen suchen die Liebe. Singles mögen in der Realität ein erfülltes Leben führen – im Fernsehen bleibt es ihnen verwehrt.

Von Tilmann P. Gangloff

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