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Das Gestern stirbt nie

"Tatort" aus München Das Gestern stirbt nie

Kann man einen Strich unter die Vergangenheit ziehen? Kann ein Mann, der seine Familie ausgelöscht hat, ein neues Leben beginnen? "Einmal wirklich sterben" heißt der "Tatort" aus München, der am Sonntag eine doppelte Tragödie erzählt.

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Wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Tierpflegerin Emma (Anna Drexler) hat in der Kindheit Fürchterliches erlebt.

Quelle: Bernd Schuller

München. Abschied nehmen ist schwer. Kommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) schleppt den widerstrebenden Kollegen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) zur Mutter eines Kollegen, der vor drei Jahren im Dienst starb. Die Frau kann nicht loslassen, blättert am dritten Todestag in Fotoalben, klammert sich an Erinnerungen – und hört Polizeifunk.

Über den läuft auch die Meldung von Schüssen in einem Nachbarhaus. Die Kommissare finden die Leiche von Manuela Danzer, ihr Verlobter Daniel Ruppert (Harald Windisch) überlebt schwer verletzt, Danzers sechsjähriger Sohn Quirin ist verschwunden.

"Tatort "
"Einmal wirklich sterben"
Krimi mit Miroslav Nemec
und Udo Wachtveitl
ARD | Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung:
3 von 5 Sterne

Kurz darauf taucht das verstörte Kind in einer Klinik auf – "dissoziative Amnesie" diagnostiziert eine Kinderpsychologin. Nicht das einzige Trauma in diesem Fall. Denn Ruppert hat eine alte Schussverletzung: Vor 15 Jahren hat er versucht, sich umzubringen.

Zuvor hatte der Mann, der in Augsburg Firma und Haus verloren hatte, seine Frau und seinen Sohn erschossen – erweiterter Suizid wird das genannt. Nur die siebenjährige Ella, sein "Schneeflöckchen", hatte er damals verschont. Die Spur des heute 22 Jahre alten Mädchens hat sich nach einer Odyssee durch Pflegeheime in den vergangenen Jahren verloren. Hat sich Ella gerächt?

Oder ist Quirins Vater Bernhard Helmbrecht (Simon Schwarz) der Täter? Er ist als Querulant bekannt, der um das Sorgerecht stritt, mit dem Luftgewehr auf Tauben schießt und Nachbarn auch mal den Grill auspinkelt ("ausbrunst", wie die Handfesteren unter den Bayern zu sagen pflegen).

In vielen Rückblenden konzentriert sich der Schweizer Regisseur Markus Imboden vor allem auf die Geschehnisse vor 15 Jahren. "Das hört nie auf. Das Sterben geht immer weiter", grummelt der Augsburger Kollege Xaver Busch (Klaus Pohl), den Batic und Leitmayr um Hilfe bitten. Busch kann nach 15 Jahren immer noch Rupperts Abschiedsbrief auswendig, schafft den Alltag nur mit Flachmann – auch er hat es nicht geschafft, mit diesem Fall abzuschließen.

Genauso wenig wie Ella, die sich jetzt Emma Meyer (Anna Drexler) nennt. Doch die Last des Schicksals lässt sich nicht wie ein Name abstreifen. Die junge Frau arbeitet als Tierpflegerin im Elefantengehege des Tierparks Hellabrunn, dort läuft ihr ihr Vater mit Quirin über den Weg – und erkennt sein "Schneeflöckchen".

Der "Tatort" arbeitet mit kraftvollen Bildern aus den Tiergehegen. Mächtige Elefantenfüße wirbeln Staub auf, unruhige Zebras traben zwischen Mauern und Zäunen. Auch Emma ist ein gejagtes Tier. "Sie kann sich nicht wehren. Sie friert immer ein", sagt Trainerin Lissy (Andrea Wenzel), die Emma in Selbstverteidigung unterrichtet. Und sie per Videobotschaft anfeuert: "Du schaffst das. Du kannst das. Wir sind im Jahr 2015. Die Vergangenheit ist vorbei." Ist sie aber doch nicht.

Emma entführt Quirin aus der Klinik. Doch ohne ihre Tabletten schleicht sich die Angst in ihren Kopf, Panik umklammert ihr Herz – sie gleitet zurück in ihr altes Trauma. Und wird zur Gefahr für den Jungen, dem sie eigentlich den Schutz geben will, der ihr verwehrt geblieben ist.

"Einmal wirklich sterben" heißt diese Krimi-Folge, dabei hat Ella/Emma nie wirklich gelebt. Das doppelte Familiendrama ist düster, beklemmend. Ein Krimi, der eher wie ein Drama anmutet. Keine leichte Kost am Nikolausabend.

Von Andrea Tratner

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