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"Als netter Schwiegersohn kam ich nie infrage"

Numan Acar spielt den Topterroristen in "Homeland" "Als netter Schwiegersohn kam ich nie infrage"

Am Freitag kehrt CIA-Agentin Carrie Mathison ist zurück im deutschen Fernsehen: Auf Kabeleins läuft die vierte Staffel der US-Erfolgsserie an. Mit dabei: der in Berlin lebende Numan Acar in der Rolle des Topterroristen Haissam Haqqani. Der nächste Schauspieler auf dem Weg von Berlin nach Hollywood.

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Kann ein Topterrorist auch menschlich sein? Numan Acar spielt eine Hauptrolle in der Serie "Homeland".

Quelle: dpa

In der vierten Staffel der US-Erfolgsserie „Homeland“ spielen Sie einen Taliban und Top-Terroristen. Ist „Homeland“ vor der Kamera ähnlich  spannend wie vor dem Fernseher?

Ja, definitiv. „Homeland“ ist eine sehr innovative Serie mit kontroversen, intelligent entworfenen Figuren. Da arbeiten Profis am Set, Vollblutschauspieler, und dennoch ist die Atmosphäre sehr freundschaftlich, beinah familiär.

Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle?

Tja, die Frage habe ich mir auch oft gestellt. Denn schon aufgrund der Altersvoraussetzung für die Rolle – 35 bis 50 Jahre – kamen sehr, sehr viele Kollegen für die Figur des Haissam Haqqani infrage. Im Casting-Video für  das Team in Los Angeles habe ich die Figur mit großem Selbstbewusstsein angelegt, mir war aber auch wichtig, dass sie menschliche Wärme ausstrahlt. Das gab wohl den Ausschlag. Später sagten mir die Produzenten, dass sie meine Darstellung besonders authentisch fanden.

Ein mitfühlender Terrorist – authentisch?

Es sind eben die allzu menschlichen Widersprüche der Figuren, aus denen die Serie ihren großen Reiz bezieht. Haqqani stammt aus Afghanistan – einem Land, dessen Geschichte eine von Krieg und Widerstand ist; gegen Briten, Russen, Amerikaner. Haqqani ist ein Unterdrückter, er will sich den Eindringlingen widersetzen und verdient sich im bewaffneten Kampf durchaus seine Sporen. Aber er weiß, dass Kampf und Härte allein nicht ausreichen. Er ist auf die Unterstützung, auch auf die Liebe der Menschen um ihn herum angewiesen.

Numan Acar

ist 40, gelernter Maurer, studierter Bauingenieur - und gefragter Schauspieler, ohne je eine Schauspielausbildung absolviert zu haben. Seine Kindheit verbrachte er in der Türkei, mit acht Jahren kam er nach Wiesbaden, ein Wanderer zwischen der deutschen und der türkischen Kultur ist er bis heute geblieben. In großen deutschen Produktionen wie der Ethno-Komödie "Kebab Connection" und Til Schweigers "Kokowääh" spielte Acar eher kleine Rollen, oftmals Variationen vom Typus anatolischer Kleinkrimineller. In der Türkei machte er sich derweil nicht bloß als Schauspieler einen Namen, sondern auch als Drehbuchschreiber und Filmproduzent. Deutsch-türkische Produktionen sind inzwischen sein Spezialgebiet, mal heiter wie mit "Weihnachten unterm Halbmond", mal ernst und künsterisch wie mit "Vergrabene Stimmen". 

Sie sind gebürtiger Türke und Muslim – hatten Sie nicht Sorge, mit dieser Rolle Klischees und Vorurteile zu bedienen?

In erster Linie bin ich ein Schauspieler, der seinen Beruf ernst nimmt. Plakative, naive Rollen lehne ich ab. Ich mag subtile, intelligente Charaktere. Und die vierte „Homeland“-Staffel eignet sich besonders gut dafür, all jene eines Besseren zu belehren, die der Serie Islamfeindlichkeit vorwerfen. Aber es ist wohl so, dass mein Aussehen mich in Deutschland auf bestimmte Rollen festlegt – jedenfalls kam ich bisher nicht als Lehrer oder als netter Schwiegersohn für deutsche Produktionen infrage.

Sind deutsche Filmemacher besonders stereotyp bei der Rollenvergabe?

Na ja, mir ist jedenfalls irgendwann aufgefallen, dass ich im Ausland in großen Produktionen mitspiele – in der Türkei, in Zypern, Südkorea, Frankreich, England, aktuell stehe ich für den grandiosen Regisseur Zhang Yimou in China vor der Kamera, neben Willem Dafoe und Matt Damon. Da frage ich mich doch: Was mache ich in Deutschland verkehrt? Was läuft da anders?

Und?

Ich denke, es mangelt den Produktionsfirmen an der Bereitschaft, neue Gesichter einzufangen, neue Leute entdecken zu wollen. Das ist im Ausland anders. Da ist man offener, mutiger.

Sie nehmen jetzt also den Umweg über Hollywood, um im deutschen Filmgeschäft durchzustarten?

Ich halte nichts von der Vorstellung, dass es im Filmgeschäft nationale Grenzen gibt. Die Branche ist heute so international, Castings werden online abgehalten. Schauspieler, die sich auf nur einen nationalen Filmmarkt konzentrieren, begehen meiner Meinung nach einen Fehler. Sie können theoretisch jeden Markt bedienen. Ich habe Filmagenten in mehreren Ländern und lege Wert auf Kontakte weltweit.

Haben Sie noch Kontakt zu den „Homeland“-Darstellern?

Ja, Mandy Patinkin, der Darsteller von Saul Berentzen, ist inzwischen ein guter Freund. Wir standen vor Kurzem auch wieder gemeinsam vor der Kamera, für die Verfilmung der Liebesgeschichte „Ali und Nino“.

Und, in welches ferne Land verschlug Sie dieser Dreh?

Nach Aserbaidschan, ans Kaspische Meer.

Interview: Marina Kormbaki

Homeland - 4. Staffel ab Freitag im Fernsehen

Überwachung und Paranoia sind die großen Themen in "Homeland". Im Mittelpunkt steht CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes), die Topterroristen jagt. Die Zuschauer müssen allerdings auf ein "Homeland" ohne einen der früheren Hauptprotagonisten einstellen: US-Marine Nicholas Brody (Damian Lewis), zuerst gefeierter Held nach einer jahrelangen Gefangenschaft im Irak und dann als Terrorist gejagt, stirbt am Ende von Staffel drei den Serientod. Da ist CIA-Agentin Carrie gerade von ihm schwanger. Hier beginnt die vierte Staffel

Mehrfach wurde "Homeland" mit Emmys und Golden Globe Awards ausgezeichnet. US-Präsident Barack Obama gehört zu den Fans. In Deutschland hat die Serie eine treue Fangemeinde, aber kein riesiges Publikum gefunden. Bei der ersten Staffel schalteten nach Senderangaben im Schnitt 1,76 Millionen Zuschauer ein. In den folgenden Staffeln waren es 1,22 Millionen und 980 000. Die Quote in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sank von durchschnittlich 14,5 Prozent auf 8,8 beziehungsweise 8,7 Prozent.

Erste Folge der vierten Staffel: Freitag, 10. Juli, um 20.15 Uhr auf Kabeleins.

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