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Peter Lustig - von wegen Kinderhasser

Nur ein Gerücht Peter Lustig - von wegen Kinderhasser

Es war ein Gerücht, das sich hartnäcktig bis zu seinem Tod hielt - auch wenn es völlig absurd klang angesichts seiner den kleinen Zuschauern liebevoll zugewandten Art, hieß es immer wieder: Peter Lustig könne Kinder nicht ausstehen. "Alles falsch", gesteht nun der Journalist Kai Biermann. Er hatte das Gerücht einst - versehentlich - in die Welt gesetzt.

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Löwenzahn-Moderator Peter Lustig war, entgegen des Gerüchts, alles andere als ein Kinderhasser.

Quelle: Wolfgang Langenstrassen

Husum. Für Stirnrunzeln hatte das Gerücht, Peter Lustig könne Kinder gar nicht leiden, ja schon immer gesorgt. Und dennoch ploppte es auch nach dem Tod des beliebten Fernsehmoderators, der Millionen von Kindern von seinem blauen Bauwagen aus die Welt erklärte, immer wieder auf.

Doch damit soll nun Schluss sein und dafür will Kai Biermann sorgen, Redakteur bei "Zeit-Online". Er hatte das Gerücht einst, genauer gesagt 2002, selbst in die Welt gesetzt - unwissend, wie er heute, nach dem Tod Lustigs, in einem Artikel auf "Zeit Online" schreibt. Ihm tue das furchtbar leid. Doch wie war es überhaupt dazu gekommen? Damals sei er noch in Diensten der Stuttgarter Zeitung unterwegs gewesen und habe Lustig für das Magazin des Blatts porträtieren sollen, schreibt Biermann. In Berlin sei es dann zu einem mehrstündigen Treffen gekommen: "Es war angenehm, ihm zuzuhören, weil er einen so entspannten Blick auf das Leben und auf sich selbst hatte. Er war selbstironisch, selbstkritisch, voller Neugier und Lebensfreude", noch heute denke er gerne an das Gespräch zurück, so der Journalist.

Missverständliche Ausführungen

Aus dem geplanten Porträt wurde schließlich ein Gesprächsprotokoll, da er nach dem Treffen nicht mehr in der Lage gewesen sei, objektiv über den Löwenzahn-Moderator zu schreiben, gesteht Biermann. Er sei ihm einfach zu sympathisch gewesen: "Nach unserem Gespräch habe ich nur noch gute Seiten an Peter Lustig gesehen. Ich mochte ihn und hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr objektiv genug war, um ihn zu beschreiben. Ich war befangen."

Stattdessen habe er Lustig zeigen wollen, wie er wirklich war - mit einem Gesprächsprotoll, dass eben auch jenen folgenschweren Satz enthielt, der dem Moderator jahrelang anhaftete: "Ich kann gut mit Kindern umgehen. Vielleicht weil ich ihnen sage: Ich nehme dich so, wie du bist, du mich aber bitte auch, und so kommen wir gut klar. Sicher, Kinder stören und sind klebrig, na und? Das wissen die doch selbst." Auch zu seiner Zusammenarbeit mit Kindern vor der Kamera hatte Lustig sich im Gespräch mit Biermann geäußert: Er habe es nicht gemocht, mit Kindern zu drehen, "weil er fand, die Zwänge einer Filmproduktion, das ewige Warten, das dauernde Wiederholen der immer gleichen Sätze für die Kamera seien nichts für Kinder", schreibt Biermann heute in seinem Artikel.

Wie Lustig zum Kinderhasser mutierte

Im Protokoll von einst las es sich allerdings so: "Nur in der Sendung möchte ich sie nicht, mit Kindern zu drehen ist anstrengend, und sie gehören einfach nicht vor die Kamera. Das ist Quälerei, immer." Für viele Leser damals wohl ein eindeutiger Beweis dafür, dass Lustig Kinder eigentlich gar nicht ausstehen könne - auch wenn Biermann dies mit der Veröffentlichung der Passage nicht beabsichtigt hatte. "Ich musste lernen, dass geschriebene Ironie nicht funktioniert", gesteht Biermann heute ein.

Nachdem mehrere Medien die Aussagen aufgegriffen hatten und Lustig mehr und mehr zum Kinderhasser mutierte, habe er ihm einen Brief geschrieben und sich für den missverständlichen Artikel entschuldigt. Lustig habe Verständnis für ihn gehabt. Wirklich entlastet habe ihn das aber nicht, schreibt Biermann weiter. Vielleicht gelingt es ihm ja nun, nach dem Tod des Moderators, endgültig mit dem Gerücht aufzuräumen.

caro

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