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Fernsehen Nadja Uhl jagt wieder Pädokriminelle
Nachrichten Medien Fernsehen Nadja Uhl jagt wieder Pädokriminelle
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00:16 22.01.2016
Wie schon in "Operation Zucker" spielt Nadja Uhl wieder die LKA-Beamtin Karin Wegemann. Quelle: Ursula Düren/dpa
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Hannover

Das vor drei Jahren ausgestrahlte Drama "Operation Zucker" ist bis heute eines der schockierendsten Werke der jüngeren Fernsehgeschichte. Schonungslos prangerte der von Produzentin Gabriela Sperl initiierte Film die Praktiken des organisierten Kindesmissbrauchs in Deutschland an. Das Drehbuch von Philip Koch basierte auf Tatsachen. Rainer Kaufmanns Inszenierung verzichtete auf explizite Darstellungen; die Wirklichkeit, erklärte Sperl daher, sei "viel schlimmer, als wir sie darstellen".

Nun zeigt die ARD einen weiteren Film zum Thema. Der Titel lässt eine Fortsetzung vermuten, zumal LKA-Beamtin Karin Wegemann (Nadja Uhl) erneut die zentrale Figur ist. Das von Regisseurin Sherry Hormann bearbeitete Drehbuch stammt diesmal von Friedrich Ani und Ina Jung. Tatsächlich aber wirkt "Operation Zucker: Jagdgesellschaft" eher wie ein Remake, denn die Grundzüge der Handlung sind identisch: Auch diesmal ist die Berliner Kommissarin einem Netzwerk auf der Spur, das den Ermittlern jedoch stets einen Schritt voraus ist, weil die Mitglieder aus den höchsten Kreisen stammen.

Einige Ungereimtheiten

Auch wenn der Vergleich in diesem Zusammenhang fahrlässig verharmlosend klingt: Wegemann fühlt sich wie in der Fabel von Hase und Igel. Zu den Parallelen zwischen den Drehbüchern gehört auch das Stilmittel des wiederkehrenden Albtraums, den eins der Opfer hat.

Wo sich die Filme unterscheiden, wird es plakativ: Gleich zu Beginn verprügelt die noch unter den Eindrücken ihrer niederschmetternden Erlebnisse stehende Ermittlerin einen Mann, weil sie ihn für einen Päderasten hält – dabei handelt es sich um einen Vater, der sich liebevoll um seinen blinden Sohn kümmert. Es gibt noch weitere Ungereimtheiten; so werden wichtige Figuren nicht näher eingeführt. Im Unterschied zu Kaufmann gelingt es Hormann zudem nicht restlos überzeugend, die Authentizität der gezeigten Ungeheuerlichkeiten zu vermitteln. Die vorgetragenen Informationen über das Thema wiederum hören sich an wie Sätze aus einer Informationsbroschüre.

Dick aufgetragener Auftakt

Andererseits trägt der dick aufgetragene Auftakt dazu bei, die an Paranoia grenzende Haltung der Hauptfigur zu vermitteln: Aus Sicht der von Uhl mit einer energischen Körpersprache versehenen Kommissarin ist Deutschland eine Täterschutzgesellschaft, und weil Hormanns Inszenierung sämtliche männliche Figuren konsequent in der Schwebe hält, überträgt sich die misstrauische Perspektive der Kommissarin nahtlos.

Als Wegemann von einem Journalisten (André Szymanski) konkrete Hinweise bekommt, kehrt sie in den aktiven Dienst zurück, um gegen ein Netzwerk in Brandenburg zu ermitteln. Aber ganz gleich, auf wen sie dort trifft, alle Männer könnten Teil der "Jagdgesellschaft" sein: der Kollege in Potsdam (Mišel Maticevic), der offenkundig den Auftrag hat, sie zu überwachen, der Staatsanwalt (Rainer Bock), ein Staatssekretär (Robert Schupp); und selbst der Innenminister (Matthias Matschke).

Ausnahmslos gute Schauspieler

Keiner glaubt ihr, als sie die Überzeugung vertritt, hinter der Maske eines angesehenen Bauunternehmers (Sebastian Hülk) verberge sich ein Mann, der junge Mädchen wie ein Kurierfahrer einem namenlosen Grauen zuführt. Fast noch abgründiger ist seine von Jördis Triebel als freundliches Monster verkörperte Frau, die überzeugt ist, sie tue den Mädchen etwas Gutes. Und so ist "Operation Zucker: Jagdgesellschaft" trotzdem sehenswert: inhaltlich, weil die Botschaft erneut erschüttert; und handwerklich, weil die Schauspieler ausnahmslos gut sind, zumal Hormann gerade die Kinder ganz ausgezeichnet geführt hat.

Von Tilmann P. Gangloff

  • "Jagdgesellschaft“ | ARD
    Drama mit Nadja Uhl
    Mittwoch, 20.15 Uhr
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