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00:18 19.07.2014
Von Imre Grimm
„Abgedrehtheit schließt Vernunft nicht aus“: Palina Rojinski war lange die Pubertantenfantasie – nun zeigt sie langsam, dass sie mehr kann. Quelle: Henning Kaiser
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Hannover

RO. JINS. KI. Wie Lowinski. Hinten wie Kinski. Nicht Rodschinski. Nicht Rochinski. Es war nicht ganz einfach, den Namen im kollektiven Fernsehbewusstsein zu verankern, aber es ist ihr dann doch irgendwie gelungen. „Das Reden fällt mir leicht“, sagt Palina Rojinski, und das ist ja schon mal nicht schlecht, wenn man was mit Medien machen will.

2009 war das, als die damals 24-Jährige - nach einem Casting - plötzlich an der Seite von Joachim „Joko“ Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in „MTV Home“ auftauchte, damals eher rothaariges Sehnsuchtsobjekt für die jungmännliche Stammkundschaft als gleichrangige Kreativpartnerin. „Zieh dich ruhig sexier an“, musste sie sich anhören. Aber sie ließ sich nicht abschütteln. Sie folgte beiden zu ZDFneo und zu Pro7 und „Circus Halligalli“. Und wurde langsam von der dekorativen Pubertantenfantasie zur eigenständigen Fernsehfigur mit Sprechtext, TV-prototypisch angesiedelt irgendwo zwischen Katrin Bauerfeind und der jungen Barbara Schöneberger. Morgen starten SAT.1 und Pro7 eine Art Palina-Rojinski-Festspiele - mit gleich drei neuen und alten Shows. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die 29-Jährige nach diesem Sommer nicht fest etabliert wäre im TV-Zirkus.

„99 Dinge, die ein Mann getan haben muss“ hieß ihre kleine Rubrik damals bei „MTV Home“. Es war ein saudämliches, aber lustiges Mutprobenformat: vom Zehnmeterturm springen, mit der Dampfwalze fahren, Fürze anzünden - so was halt. Unvergessen, wie sie einst auf dem Alexanderplatz bei einem Orgasmus-Flashmob öffentlich herumstöhnte. Das war so ein kleiner Nerdtraum, dass eine hübsche Frau aus St. Petersburg so einen schmerzfreien Jungsquatsch mitmacht.

Sechs Jahre alt war Rojinski, als sie im März 1991 mit ihren russisch-jüdischen Eltern und der neun Jahre jüngeren Schwester aus Russland nach Berlin zog. Mit zehn war sie zweimal deutsche Juniorenmeisterin in rhythmischer Sportgymnastik. Aber das Knie schmerzte. Und sechs Stunden Training täglich? „Montags habe ich mich auf die Waage gestellt, da hieß es: Bis Donnerstag zwei Kilo runter“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. Mit 14 gab sie den Sport auf. Und von da an wuchs ihr Körper „obenrum viel schneller als mein Frausein“. In „MTV Home“ waren ihre Brüste praktisch Dauerthema. Das ist natürlich so mitteltoll: Die häufigsten vorgeschlagenen Google-Suchwörter beim Stichwort „Palina Rojinski“ sind „Größe“, „BH“ und „Tanga“. Bloß was soll man machen? „Meine Brüste sind ja Realität“, sagt sie. Aber „Playboy“? Niemals.

Dass sie mehr drauf hat als den adretten TV-Sidekick mit Kumpelcharme, hat sie bewiesen; als Luxuscallgirl in der arte-Echtzeitserie „Zeit der Helden“ etwa, im Kinofilm „Hotel Desire“ oder als Provinzschönheit im ersten Weimaraner „Tatort: Die fette Hoppe“ mit Nora Tschirner und Christian Ulmen. Sie studierte Geschichte und Literatur, liebt Heine, Goethe, Tucholsky, nahm Sprach- und Schauspielunterricht. Sie ist als DJane in Clubs unterwegs, sie wirbt für Klamotten und Schuhe, sie balanciert zwischen dem multioptional vermarktbaren It-Girl und der Entertainerin mit ganz leicht punkiger Street Credibility. „Abgedrehtheit schließt Vernunft nicht aus“, sagt sie. Es ist das Leitmotiv ihrer Karriere.

Und nun? In der zweiten Staffel der Tanzshow „Got to Dance“ sitzt Rojinski ab heute Abend wieder in der Jury. In „Offline - Palina World Wide Weg“ wird sie in einer Metropole dieser Welt ausgesetzt, ähnlich wie Pro7-Kollege Olli Schulz in „Schulz in the Box“, nur ohne Geld und Smartphone. Und in „Jetzt wird’s schräg“, moderiert von SAT.1-Neuzugang Jochen Schropp (35), muss sie mit anderen prominenten „Wackelkandidaten“ wie Oliver Wnuk („Stromberg“) oder Susan Sideropoulos (Ex-„GZSZ“) allerlei Improvisationsspielchen auf einer um 22,5 Grad geneigten Ebene absolvieren. Klingt schon wieder nach unter ihrem Niveau. Aber sie ist halt schmerzfrei.

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