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12:55 21.11.2017
Der Philosoph Richard David Precht. Quelle: dpa
Sylt

Der Philosoph Richard David Precht („Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“) schreibt an einem Manifest für das digitale Zeitalter. Beim Langen Literaturwochenende auf Sylt stellte er jetzt vorab die zentrale These vor. Demnach wird die Digitalisierung das Ende für unsere altbekannte Leistungs- und Arbeitsgesellschaft sein. „Standardisierte Aufgaben werden künftig von Maschinen erledigt werden. Der Mensch programmiert nur noch den Algorithmus“, sagte der 52-Jährige. Das werde dramatische Auswirkungen haben, warnt der Philosoph.

Er schlug zwei Lösungen vor: Zum einen müsse ein bedingungsloses Grundeinkommen von rund 1500 Euro den Lebenserhalt gewährleisten. Über eine Steuer von einem Prozent auf jede Transaktion werde die fehlende Lohnsteuer kompensiert. Zum anderen sollte sich das Bildungssystem von dem Leistungsgedanken verabschieden. Es gelte zu verhindern, dass plötzlich eine Großzahl von Menschen ohne Arbeit frustriert dastehe, das könnte schnell in Aggression münden. Precht zog den Vergleich zur Antike: „Damals haben die Menschen ihr Selbstwertgefühl auch nicht aus ihrem Broterwerb gezogen. Denn es schufteten ohnehin nur Frauen und Sklaven, während die Männer Demokratie machten.“ Precht zeigte sich angetan vom selbstfahrenden Auto. Er geht davon aus, dass es in absehbarer Zeit flächendeckend eingeführt und der Verbrennungsmotor sein Ende finden wird. Precht ist bekannt dafür, philosophische Themen auf populärwissenschaftliche Weise zu vermitteln.

Der Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin verriet im Gespräch mit Elke Heidenreich, dass er der Literaturkritikerin seinen Erfolg zu verdanken habe. Ihre Empfehlung in der Literatursendung „Lesen“ habe er damals nur ohne Bild verfolgen können, weil er sich bis dahin nicht einmal einen funktionierenden Fernseher habe leisten können.

Heidenreich lud zum vierten Mal zum Literaturfestival auf der Insel Sylt. Neben Precht waren unter anderem auch Sebastian Fitzek, Benjamin Lebert, Eva Menasse und Giovanni di Lorenzo zu Gast. Die Moderatorin hat auch die Bibliothek im Hotel Budersand, einem der Veranstalter des Festivals, mit mehr als 1200 Werken zusammengestellt.

Infos zum Langen Literaturwochenende 2018 gibt es im Laufe des Jahres hier

Von Nina May/RND

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