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RTL setzt in der neuen TV-Saison voll auf „Gefühl“

Mehr Emokratie wagen RTL setzt in der neuen TV-Saison voll auf „Gefühl“

Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, das gilt in der Wahlkabine genauso wie mit der Fernbedienung. Und „Emotionen“, ob echt oder gefälscht, sind der Rohstoff, aus dem das Privatfernsehen Quote macht. Bei keinem Sender gilt das Diktat des Gefühls so sehr wie beim Marktführer RTL.

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Hahn im Korb: TV-Sorgenkind Oliver Pocher hat bei RTL eine neue Fernsehheimat gefunden. Cindy aus Marzahn (l.) und die Moderatoren Sylvie van der Vaart (2. v. r.) und Nazan Eckes (r.) zeigen ihr schönstes Promotionlächeln.

Quelle: dpa

Es dröhnt und donnert aus allen Rohren bei der Programmpräsentation 2011/2012 im neuen Kölner RTL-Hauptquartier am Picassoplatz direkt am Rhein. „Gerechtigkeit hat ein Gesicht!“, „Wir kämpfen für Sie!“ – große Geige, künstliche Tränen, klebriges Pathos, das können sie. Das RTL-Motto für 2012: Mehr Emokratie wagen.

Am Ende aber ist es doch wieder nur das alte Lied, das hier aus den Boxen dröhnt. Für den einen sind „Bauer sucht Frau“ und „Schwiegertochter gesucht“ „echte Emotionen“, für den anderen zynische Fremdschämformate, die optisch, charakterlich oder sozial durchs Raster fallende Unterschichtler routiniert bloßstellen – oder, wie Dieter Nuhr mal sagte: „Asis spielen Asis für Asis.“ Geschäftsführerin Anke Schäferkordt referiert stolz, dass aus der Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ bislang 17 Beziehungen, fünf Ehen und sieben Kinder hervorgegangen sind (gerade kam das Kind von Kandidatin Narumol und Bauer Josef zur Welt).

Programmexperimente jedenfalls sind nicht geplant für die neue TV-Saison – warum auch? RTL steht blendend da, ist mit 18,9 Prozent Marktführer. Der „Tatort“ und „Anne Will“ am Sonntag sind die einzigen Sendeplätze, auf denen RTL im Wochenschema „nur“ Zweitbester ist.

Es ist heiß in Köln. Und nur Cindy aus Marzahn hat einen Fächer. Alle gucken neidisch. Das passiert nicht oft, dass Cindy aus Marzahn Begehrlichkeiten weckt. Frauke Ludowig will „schnell noch was posten“ und fotografiert Kollegen mit dem iPhone. Steffen Hallaschka (1,98 Meter), der Neue bei „stern tv“, überragt sie alle. Sein Vorgänger Günther Jauch ist nicht da. Dafür Oliver Pocher. Er bietet der spindeldürren Sylvie van der Vaart ein Stück Kuchen an. „Olli, mach’ mal große Geste!“, rufen die Fotografen. Pocher geht artig in Ta-Dah!-Haltung.

Pocher? Was macht der denn hier? Der 33-Jährige ist eine der wenigen Überraschungen im RTL-Programm:

Show
Er hat es in der ARD versucht („Schmidt & Pocher“). Er hat es bei PRO7 versucht („Rent a Pocher“). Er hat es bei SAT.1 versucht („Die Oliver Pocher Show“). Und nun versucht er’s eben bei RTL. Mit „Alle gegen den Kleinen“ bekommt TV-Sorgenkind Oliver Pocher seine erste eigene Show beim Marktführer. Die Idee: Der große Austeiler Pocher („Boris Becker ist eine Lachnummer“) soll mal zeigen, dass er auch einstecken kann. Klingt doch ziemlich nach „Schlag den Raab“. Sendeplatz und -start sind noch offen. Im Januar dann plant RTL eine Neuauflage seiner Dschungelshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Und in der Jury für „Das Supertalent“ sitzen erstmals mehr Frauen als Männer: Weil Bruce Darnell eine „TV-Auszeit“ nimmt, ist neben Dieter Bohlen und Sylvie van der Vaart künftig die Südafrikanerin Motsi Mabuse mit im Boot, zuletzt in der „Let’s Dance!“-Jury aktiv.

Serien
Bei den „fiktionalen Stoffen“ sieht Schäferkordt ein Ende der US-Übermacht gekommen. Die US-Ware beschäftige sich stark mit „amerikanischen Themen: Terror, Krieg, Mystery“. Das funktioniere in Deutschland „nur bedingt“. RTL plant drei neue, eigene Serien: „Die Draufgänger“ mit Dominic Boeer und Jörg Schüttauf als rumpelige Buddy-Cops – sozusagen „Lethal Weapon“ in Sachsen –, die Actionserie „Transporter“ mit Chris Vance („Prison Break“) – produziert im Verein mit HBO und dem französischen Sender M6 – sowie die Sitcom „Sekretärinnen“ über das putzige Büro-Rehlein Katja Neumann (Ellenie Salvo Gonzàles) und ihren cholerischen Chef. Einzige neue US-Serie im RTL-Portfolio: „White Collar“ über einen Meisterdieb und einen FBI-Agenten auf Bösewichtsuche. „White-Collar-Crime“, also „Weißer-Kragen-Verbrechen“, nennt man in den USA Kriminalität in den höheren Schichten.

Film
In Sachen selbst produzierte „Eventmovies“ hat RTL seit der „Hindenburg“ wieder etwas Hoffnung. Quote soll der Katastrophenfilm „Bermuda-Dreieck Nordsee“ bringen. Die Geschichte: Der Energieriese Global Synergy verklappt Kohlendioxid in der Nordsee, vor Hallig Nordersand verschwinden gurgelnd Schiffe in Strudeln. Wer kann helfen? Natürlich Hannes Jaenicke und Bettina Zimmermann! Letztere geht dann auch gleich auf die „Jagd nach dem Bernsteinzimmer“ – nachdem der Schatz der Nibelungen und die Heilige Lanze schon ausführlich gejagt worden sind. Hollywoodhits im Herbst sind etwa „Avatar“ (in 2-D) und Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“.

Comedy
Nachdem Mario Barth – kennstekennstekennste? – zuletzt die Quoten wegbrachen, hat sich RTL mit Michael Mittermaier einen weiteren Comedystar eingekauft („Achtung Baby“). Und auch Daniel Hartwich bekommt mit „H wie Hartwich“ eine eigene Show.

„Real Life“
Kein Mangel herrscht auch 2012 an halb- bis gar nicht authentischen Dokuformaten: RTL setzt „Undercover Boss“ (Chefs tauchen in die Belegschaft ihrer Firmen ein) und „Rachs Restaurantschule fort. Und verhilft dem „Bachelor“ zu einem Comeback: Ein „begehrter Junggeselle“ darf aus 20 „attraktiven, humorvollen und intelligenten Frauen“ (RTL) wählen. Ganz wie im richtigen Leben halt.

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