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Reporter testet LSD und Ecstasy für Fernsehshow

„Das Jenke-Experiment“ Reporter testet LSD und Ecstasy für Fernsehshow

Der Reporter Jenke von Wilmsdorff hat für seine RTL-Sendung die Wirkung von LSD, Ritalin und Ecstasy ausprobiert. Er bestreitet, dass es ihm dabei um Effekthascherei gegangen sei. Dass er seine Zuschauer motivieren könnte, harte Drogen zu nehmen, ist ihm aber bewusst.

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„Ich würde nichts machen, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es eine gesellschaftliche Relevanz hat“, sagt Reporter Jenke von Wilmsdorff.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Köln. Jenke von Wilmsdorff ist RTL-Reporter. Seine Doku-Reihe „Das Jenke-Experiment“ ist bekannt für ungewöhnliche Selbstversuche. „Ich würde nichts machen, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es eine gesellschaftliche Relevanz hat“, sagte von Wilmsdorff im Interview. „Ich würde nichts machen, einfach nur um zu provozieren oder aufzufallen.“

Herr Jenke, welches Experiment war für Sie das anstrengendste?
Die sind alle irrsinnig anstrengend und alle irrsinnig intensiv. Die wechseln sich immer ab. Das eine ist irrsinnig anstrengend für meine Psyche wie zwei Wochen Einzelhaft mit einer Stunde Hofgang. Hingegen vier Wochen nichts essen, um sich dem Thema Essstörungen zu nähern, ist körperlich und psychisch eine Extremsituation. Demenz ist auch psychisch sehr belastend. Alle sind sehr intensiv, deswegen mache ich nur vier pro Staffel, der Sender möchte schon gerne mehr.

Zur Person

Jenke von Wilmsdorff kam 1965 in Bonn zur Welt. In Düsseldorf absolvierte er nach dem Abitur eine Schauspielausbildung. Er arbeitete bei verschiedenen Theatern und spielte auch Fernsehrollen. Für die RTL-Sendung „Extra – Das RTL-Magazin“ arbeitete er als Reporter, bevor er mit der Doku-Reihe „Das Jenke-Experiment“ seine eigene Sendung bekam.

Welches der neuen Experimente war in Ihrem Team das umstrittenste?
Na ja, umstritten nicht wegen des Themas, aber wegen der Umsetzbarkeit definitiv das Experiment zur Demenz. Weil man natürlich überlegen muss, wie bekommt man mich in einen Zustand, der dem der Demenz sehr ähnlich ist? Da haben wir mit sehr vielen Medizinern und Psychologen gesprochen, inwieweit das überhaupt möglich ist. Da gab es Überlegungen, mit einem hoch dosierten Medikament so einen Zustand zu erreichen. Wir haben uns dann dagegen entschieden und für eine Tiefenhypnose, bei der man alle 90 Minuten nachhypnotisiert wird, weil man sich aus diesem Zustand irgendwann dann doch löst. Aber wie gesagt, das lag an der Umsetzbarkeit, nicht an dem Thema.

Wie umstritten war das Drogenthema?
Bei dem Thema Drogen war uns natürlich schon klar, das wird jetzt unter Umständen wieder eine Welle geben, weil man sich dann fragt, jetzt hat er das Alkohol-Experiment gemacht, jetzt hat er das Cannabis-Experiment gemacht, warum muss er jetzt diese anderen Drogen auch noch ausprobieren? Geht es nur um Effekthascherei, darum, immer noch einen draufzulegen? Aber wenn man sich mal die Berichte anguckt der Drogenbeauftragen der Bundesregierung, dann hat die Zahl der Drogentoten in den vergangenen Jahren zugenommen.

Wo sind für Sie die Grenzen, was würden Sie nicht im Experiment ausprobieren wollen?
Ich glaube, dass meine Grenzen etwas später auftauchen als bei so manchem anderen. Ich bin nicht der tollkühne, angstfreie Gefahrensucher. Aber ich habe meine Grenze dann doch ein paar Meter weiter hinten liegen. Ich würde nichts machen, von dem ich nicht überzeugt bin, dass es eine gesellschaftliche Relevanz hat. Ich würde nichts machen, einfach nur um zu provozieren oder aufzufallen.

Können Experimente wie 48 Stunden auf Ecstasy nicht manchen Zuschauer dazu motivieren, das auch mal probieren zu wollen?
Das Risiko gibt es natürlich immer, wenn man im Fernsehen was zeigt. Ich habe mich jetzt gerade bei dem 48-Stunden-auf-Speed-und-Ecstasy-Wochenende an einer Gruppe junger Menschen orientiert, die mich mitgenommen haben zu einem ganz klassischen, für sie ganz normalen Partywochenende. Da ist das einfach so gewesen, dass die alle drei, vier Stunden eine Pille nachschmeißen, um die jeweils gewünschte Wirkung zu erreichen. Natürlich gibt es eine Phase, wo man denkt, wow, was passiert denn jetzt mit dem Körper? Und wenn man wie ich Erstanwender von Amphetaminen ist, dann überwältigt das einen natürlich, weil es Reaktionen und Empfindungen zeigt, die man in dieser Intensität vorher nicht hatte. Das kippt aber relativ schnell. Mir war auch trotz meines benebelten Kopfes relativ schnell bewusst, dass das ein Zustand ist, der gefährlich ist, weil er am Anfang schön ist. Genau da liegt ja die Gefahr.

Welches Experiment hat nach Ihrer Einschätzung das größte Aufregerpotenzial?
Die Drogen werden das sein, davon gehe ich aus, dass es die Drogen sein werden. Da gibt es einen Reporter, der Speed nimmt, Ecstasy, der Ritalin nimmt, der Opfer von KO-Tropfen wird. Das wird schon die größte Aufmerksamkeit bekommen.

Sind eigentlich aus allen Experimenten auch Beiträge geworden, die nun gezeigt werden?
Es ist wirklich jedes Experiment, das wir angegangen sind, umgesetzt worden. Was auch daran liegt, dass wir uns nicht so spontan für ein Thema entscheiden, sondern prüfen, welche Experten können wir bekommen, wie sieht das Experiment aus, ist es umsetzbar? Was aber immer wieder vorkommt, ist, dass Szenen, die wir gedreht haben, keinen Platz in der Sendung finden.

Hintergrund

"Das Jenke-Experiment"

Jenke von Wilmsdorff hat schon vieles ausprobiert. Er hat versucht, systematisch Kilo für Kilo abzuspecken, fünf Tage lang im Rollstuhl zu sitzen, fünf Tage durchzukiffen oder einen Monat lang jeden Tag Alkohol in sich hineinzukippen. Seine Selbstversuche gehen an Grenzen und sind gewissermaßen sein Markenzeichen. RTL hat sie unter dem Titel „Das Jenke-Experiment“ im Programm. Drei Staffeln liefen bereits. Vier neue Folgen stehen nach rund eineinhalb Jahren Pause an, der Auftakt ist am Montag (5. September) um 20.15 Uhr.

In der ersten Folge testet Jenke von Wilmsdorff Drogen wie LSD und Ecstasy. Aber der Selbstversuch ist nur das Eine. Der RTL-Reporter ordnet seine Erfahrungen immer ein, spricht beispielsweise mit Experten wie dem Toxikologen Prof. Volker Auwärter vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg, die einschätzen, wie gefährlich solche Drogen sind. Und er besucht unter anderem eine Suchtfachklinik, in der er sich mit einem Mädchen unterhält, deren Mutter drogenabhängig ist und mit einer Frau, die 20 Jahre lang Heroin gespritzt hat und nicht davon loskommen konnte. Dass Drogenkonsum oft brutale Folgen hat, wird dabei schnell klar.

dpa/RND

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