Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen "Die Hebamme" jagt Wiener Hurenmörder
Nachrichten Medien Fernsehen "Die Hebamme" jagt Wiener Hurenmörder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:49 15.02.2016
Will sich in der Männerwelt der Mediziner durchsetzen: Hebamme Gesa (Josefine Preuß) hat ihre Lehrjahre hinter sich. Quelle: Sat.1
Anzeige
Berlin

Einen neuen Titel hat sich Sat.1 gar nicht erst überlegt. "Die Hebamme". Punkt. Die römische "II" im Titel signalisiert eine Fortsetzung, aber das ist glatt gelogen: Der zweite Film erzählt die Geschichte des ersten einfach noch mal. Einziger wesentlicher Unterschied ist der Schauplatz: Teil eins spielte in Marburg, den zweiten Teil siedelt das Drehbuch in Wien an. Ansonsten aber sind die Handlungsparallelen derart frappierend, dass die Produktion eigentlich "Hebamme reloaded" heißen müsste.

"Die Hebamme II"
Mit Josefine Preuß
Dienstag, 20.15 Uhr
Sat.1

Erneut treibt ein maskierter Unhold sein Unwesen. Seine Opfer sind ausschließlich sogenannte Lustdamen, und auch diesmal stammt der Mörder aus dem direkten Umfeld der Titelheldin. Hatte sich die junge Gesa (Josefine Preuß) im ersten Film (2014) noch zur Hebamme ausbilden lassen, so strebt sie diesmal nach Höherem: Als sie ihre an der Schwindsucht erkrankte Cousine Luise (Genija Rykova) nach Wien begleitet, damit sich die Frau dort von ihrem bekannten Vater behandeln lassen kann, ist sie umgehend fasziniert von den Heilkünsten des bekannten Medicus (Bernhard Schir).

Sie bittet ihn, bei ihm studieren zu dürfen – was er brüsk ablehnt. Die Handlung trägt sich schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu, Frauen waren in der Medizin nicht vorgesehen. Als der Arzt bei einem Notfall Gesas großes Talent erkennt, gewährt er ihr immerhin gnädig den Status einer Gasthörerin.

Auch wenn das Verhältnis von Talent und Eifer bei einigen Darstellern etwas unausgewogen ist und der freizügige Vorspann mit seinen nackten Tatsachen völlig falsche Erwartungen weckt: Das aufwendige und ohne Werbung fast zwei Stunden lange Sittengemälde hat viele Schauwerte zu bieten und ist durchaus fesselnd – erst recht, als in der zweiten Hälfte die Suche nach dem Serienmörder mehr und mehr in den Vordergrund rückt.

Blutig allerdings sind viele Bilder auch schon vorher. Wer nur ungern in klaffende Filmwunden schaut, sollte das Werk meiden. Dank einiger Anleihen beim Horrorfilm ist "Die Hebamme II" teilweise ohnehin recht spannend, vor allem in den dramatischen Szenen, wenn es um Leben und Tod geht.

Wie schon in Teil eins treffen Regisseur Hannu Salonen und Autor Thorsten Wettcke – dessen Drehbuch (an dem diesmal Silja Clemens mitwirkte) allenfalls noch auf Motiven des gleichnamigen Romans von Kerstin Cantz beruht – die frauenfeindliche Atmosphäre jener Jahre sehr gut.

Die Morde zum Beispiel werden von den Autoritäten mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis genommen, schließlich handele es sich nur um Prostituierte. Reizvoll ist auch die Figur des Medicus, selbst wenn Bernhard Schir die Rolle nicht ganz so facettenreich anlegt wie Axel Milberg sein Pendant im ersten Teil. Die Szenen, in denen der Arzt die aus heutiger Sicht prähistorisch anmutenden Errungenschaften der "modernen Medizin" vorführt und anpreist, erzeugen ein wohliges Gruseln.

Eher obskur sind dagegen die Methoden eines weiteren Professors (Marcus Mittermeier), der auf "animalischen Magnetismus" schwört und lieber mit Steinen als mit dem Skalpell arbeitet; der alternative Heiler, bei dem sich erstaunliche Erfolge mit krachenden Niederlagen abwechseln, ist eine verblüffend aktuelle Figur.

Ansonsten mag die Geschichte nicht sonderlich raffiniert sein, aber als Porträt einer Heldin, die ihrer Zeit weit voraus ist und sich in einer frauenfeindlichen Männerwelt durchsetzen will, ist auch der zweite Aufguss durchaus sehenswert.

Von Tilmann P. Gangloff

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Fernsehen "Unter anderen Umständen" im ZDF - Natalia Wörner jagt Mädchen-Mörder

Ein Mädchen liebt einen DJ. Für ihn haut sie immer wieder vom Internat ab. Aber dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Die ZDF-Krimireihe "Unter anderen Umständen" geht weiter – mit Natalia Wörner und dieses Mal auch mit Jimi Blue Ochsenknecht.

15.02.2016

Vom Dienst suspendiert und auf heißer Spur: Wie alle guten TV-Kommissare ließ sich auch Lena Odenthal im Ludwigshafen-"Tatort" durch nichts an der Arbeit hindern. "Du gehörst mir" hieß die Folge am Sonntag. Doch lohnte sich das Einschalten?

15.02.2016

Saskia aus Hannover wird in diesem Jahr nicht "Germany's next Topmodel": Heidi Klum schickte die junge Mutter bereits in der zweiten Folge der Castingshow wieder nach Hause.

12.02.2016
Anzeige