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Skinheads und Neandertaler

Kritik an „Sportschau“-Werbung Skinheads und Neandertaler

Die „Sportschau“ irritiert zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga mit einem merkwürdigen Plakatmotiv. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Werbekampagne für die ARD-Sendung auf Unverständnis stößt.

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Typisch englisch? Mit Skinhead, Rocker und Muskelprotz bewirbt die „Sportschau“ die „stärkste Liga aller Zeiten“.

Quelle: ARD

Hannover. Ein „aufmerksamkeitsstarkes Motiv“ hätten sie für die „Sportschau“ gefunden, da sind sich die ARD-Verantwortlichen einig. Das ist nicht untertrieben. Für Diskussionen sorgen die neuen „Sportschau“-Plakate und der neue Werbespot in der Tat – allerdings kreisen die oft um die Frage, warum die ARD ihr Premiumprodukt ausgerechnet mit einem grimmig dreinblickenden Skinhead bewirbt.

Das Motiv, entwickelt von der Agentur thjnk, zeigt einen „Sportschau“-Fan in zweifelhafter Gesellschaft: Auf seiner Schulter liegt die Pranke eines Zweieinhalb-Zentner-Hünen, der den Schriftzug „HATE“, also „Hass“, auf seine Finger tätowiert hat. Eingerahmt wird der schmächtige Deutsche außerdem von einem Muskelpaket, dessen zerbeulte Nase vermuten lässt, dass er Ärger nicht eben aus dem Weg geht. Und dem Skinhead. Mit ordentlich gebügeltem Polohemd und „God save the Queen“-Tattoo.

„Respekt muss man sich verdienen“ lautet das Motto der Kampagne. Es ist eine Anspielung auf das deutsch-deutsche Champions-League-Finale im Fußball-Mutterland Großbritannien. Allein: Die Botschaft erschließt sich nicht jedem auf den ersten Blick. „Auch nicht auf den zweiten“, meint etwa Melissa Schiefer. Sie ist Sprecherin der Faninitiative „F_in – Frauen im Fußball“. „Fest steht nur, dass Fußball als reine Männerdomäne verkauft und mit Assoziationen wie ,stark‘, ,Respekt verdienen‘ und sogar mit Gewalt beziehungsweise zumindest Gewaltbereitschaft verbunden wird“, kritisiert Melissa Schiefer angesichts der  grimmigen Hooligans. „Aus dieser Richtung wünscht sich die ARD also Anerkennung und Respekt.“

Dass auch viele Frauen längst ebenfalls begeisterte „Sportschau“-Gucker und Dauerkarteninhaber sind, ignoriere das Machoplakat, meint auch Fanforscherin Almut Sülzle vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin. Ironie könne sie dort nicht erkennen.

Die Kritik überrascht ARD-Marketingchef Dietmar Pretzsch. „Natürlich ist das Motiv komplett überspitzt“, räumt er im HAZ-Interview ein. „Aber beim ersten Blick auf das Plakat wird klar, dass wir in England sind.“ Ein deutscher Fan werde in einem Pub respektvoll von britischen Fußballfans aufgenommen. Weder er noch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky oder „Sportschau“-Chef Steffen Simon hätten damit ein Problem: „Alle fanden das sehr gelungen“, sagt Pretzsch.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine „Sportschau“-Kampagne für Empörung sorgt. Wegen Sexismus wurde vor einem Jahr die ARD-Kampagne mit einer  Neantertaler-Hausfrau aus Knetmasse kritisiert: Erst als sie einen BH aus Fußbällen entblößte, blickte ihr tumber Partner vom Fernseher auf, der die „Sportschau“ zeigte. „Männer waren schon immer so“, tönte es aus dem Off. „Zumindest samstags.“

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