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So geht es ohne Stefan Raab weiter

Bei Pro7 So geht es ohne Stefan Raab weiter

Im Dezember verabschiedete sich Entertainer Stefan Raab von den TV-Bildschirmen. Immer noch sucht Pro7 nach einem würdigen Nachfolger. Am Samstag wagt sich der Sender an die erste große Sport-Eventshow: die "Große Pro7 Völkerball-Meisterschaft".

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Im Dezember verabschiedete sich Entertainer Stefan Raab von den TV-Bildschirmen.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Wenn Könige sterben, dann sterben auch eherne Gesetze. König Lustig ist tot. Seit 117 Tagen. Und siehe da: Plötzlich geht auch bei Pro7 hochauflösendes Livefernsehen. Jahrelang zerriss sich die Branche das Maul über Stefan Raabs HD-Aversion. Mit geradezu putziger Starrköpfigkeit verweigerte sich der nicht zu Kompromissen neigende Entertainer dem allgemeinen Trend zur Bildschärfe, während sein Studiomobiliar sich – quasi als Spiegelbild der zerbröselnden Motivation des Gastgebers selbst – in Sperrmüll verwandelte. Am vergangenen Sonnabend nun, nach 15 Jahren „Showpraktikum“, führte sein Ziehkind Elton durch seine erste echte Live-Samstagabendshow „Schlag den Star“ – in knackscharfem HD-Fernsehen. Produziert von der Raab TV-Produktion GmbH. Geht doch.

Nun macht Bildschärfe allein noch kein gutes Entertainment. Aber der 45-jährige Elton alias Alexander Duszat führte durch das Duell zwischen Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner (33) und Schauspieler Henning Baum (43, „Der letzte Bulle“), als hätte es peinliche Flops wie die „Millionärswahl“ nie gegeben. 2,21 Millionen Zuschauer sahen zu. Der Marktanteil in der jungen Zielgruppe lag über dem Senderschnitt. Aufatmen in Unterföhring: Vielleicht ist Elton ohne Raab doch nicht bloß die Abrissbirne der Pro7-Unterhaltung. Und vielleicht gibt es doch ein Leben nach dem Raab.

"Die haben ein massives Problem"

Lange konnte man sich da nicht sicher sein. „Die haben ein massives Problem“, sagt einer, der sich mit TV-Entertainment auskennt. Das massive Problem war für jeden sichtbar: Pro7 ohne Raab – das war totes Land. Eine witzlose Wüste. „Big Bang Theory“ in Dauerschleife. Es gab Tage, da liefen acht Folgen der Sitcom am Stück. Große Hoffnungen setzt man auf Joko und Klaas, die am 30. April in „Die beste Show der Welt“ die Zauberformel für das perfekte Showformat suchen. Pro7 spricht von „acht Shows in einer“, was die hektische Konzeptsuche ziemlich präzise widerspiegelt. Bereits am Sonnabend wagt sich der Sender nun an die erste große Sport-Eventshow ohne Raab: die „Große Pro7 Völkerball-Meisterschaft“. Geboren aus dem raabschen Geist, wonach eine simple Idee meist die beste ist, soll der alte Schulsport die Zuschauer vier Stunden lang bei Laune halten, ehrgeizzerfressene Halbstarke und kreischend weglaufende Mädchen inklusive.

Mit dabei: allerhand Halbprominenz aus der gut gefüllten „Ex“-Kartei – von den Ex-RTL-Dschungelkandidaten Menderes Bagci, Thorsten Legat, Micaela Schäfer und Melanie Müller bis zu den Ex-Sportprofis Uschi Disl, Heike Drechsler und Mario Basler, von Ex-Bloodhound-Gang-Mitglied Evil Jared bis zum Ex-„Bachelor“ Paul Janke. Moderatoren sind Thore Schölermann, Esther Sedlaczek (Sky) und als Kommentator NFL-Experte Icke Dommisch. Das klingt nach einem Mix aus Bundesjugendspielen und B-Promi-Bootcamp. Rund 18 Sportarten verhalf Raab zu Showehren. Völkerball war nicht dabei. Die große Frage ist, ob sich der verspielte Charme der raabschen Sportevents auch ohne dessen ironisch-ernstes Kampfschwein-Ethos auf das Publikum überträgt.

Enissa Amani kann nicht überzeugen

Denn dass Stefan Raabs nicht auf den Bäumen wachsen, erlebt der Sender gerade mit Enissa Amani (30). Mit der deutsch-iranischen Komikern glaubte man, eine taugliche Gastgeberin für den historischen „TV total“-Sendeplatz am Montagabend gefunden zu haben. Ihr von Endemol Shine produziertes „Studio Amani“ – ein Mix aus Talk, Comedy und Clips – erweist sich jedoch als blutleeres, steriles Trauerspiel, das in seiner konfusen Unlockerheit an „Gottschalk live“ erinnert. Rund 800 000 Elendstouristen sahen zuletzt noch zu. Eher kommt Raab zurück, als dass „Studio Amani“ das Jahr 2016 überlebt. Doch Raab bleibt wohl Rentner. Dabei hätte es so fein sein können, wenn Elton in „Schlag den Star“ sein Spiel „Blamieren oder Kassieren“ anmoderiert hätte – und aus den Kulissen wäre Raab gekommen. Im roten Anzug. Für ein Minicomeback im alten Königreich.

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