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So gut ist der "Tatort" am Sonntag

TV-Krimi "Die Kunst des Krieges" So gut ist der "Tatort" am Sonntag

Ein grausamer Mord mit brutaler Botschaft, professionelle Mörder und ausgebeutete Flüchtlinge: Der "Tatort" aus Wien, "Die Kunst des Krieges" ist nicht bloß ausgesprochen düster, sondern thematisiert auch die aktuelle Politik. Ob sich das Einschalten am Sonntagabend lohnt, lesen Sie hier.

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Die Mörder, die er jagt, sind Profis des Todes: Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer) muss ein Milieuverbrechen lösen.

Quelle: ARP

Blut tropft aus den Hemdsärmeln eines toten Mannes, der ungelenk aus einem Schrank heraushängt. Sein Kopf steckt in der Schublade. Ihm sind bei lebendigem Leib die Zunge herausgeschnitten und die Hände abgesägt worden. Neue Szene: Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sitzt bei Buch und Tee am Tisch allein in seiner aufgeräumten Wohnung, das Telefon klingelt, der Dienst ruft. Dann Wohnung Nummer drei: zwei nackte Damen, teure Technik, ein tätowierter Kerl. Ganz klar: Milieu. Und das sind nur die ersten zwei Minuten Film des düsteren Wiener „Tatort“-Krimis „Die Kunst des Krieges“.

Die Ermittler sind sich einig: Verantwortlich für das Gemetzel „müssen Vollprofis gewesen sein“, sagt der Gerichtsmediziner. Solche Täter haben kein Interesse daran, falsche Fährten zu legen. Ihre grausamen Morde sind klare Botschaften. Die Tatortwohnung am Rande Wiens ist offenbar illegal als Bordell betrieben worden, das nur aufflog, weil der Hund des toten Herrchens dann doch einmal die Nachbarn nervte mit seinem stundenlangen Bellen. Bibi Fellner (Adele Neuhauser) macht er schwach, sie nimmt den Vierbeiner zu sich und schiebt ihn langsam Partner Eisner zu. Auch den lässt das Tier auf Dauer nicht kalt.

Die Spürnase des Kommissars schlägt diesmal an bei hochhackigen Damenschuhen. Eine Art Aschenputtel-Szene führt ihn zur Hauptzeugin, die erst nach Österreich verschleppt und dann jahrelang zur Prostitution gezwungen wurde. Statt in der Flüchtlingsunterkunft landet die junge Ukrainerin über Nacht auf Fellners Couch. Ohne Bleibeperspektive. „Was sollen wir denn machen? Wir können ja nicht alle behalten“, lässt Drehbuchautor und Regisseur Thomas Roth, seit 1999 „Tatort“-Wiederholungstäter, Daniela Vopelka (Kristina Sprenger) von der Landespolizeidirektion sagen. Und macht mit Sätzen wie diesen die „Tatort“-Folge „Die Kunst des Krieges“ auch zu einem Film über die aktuelle Flüchtlingspolitik und jene, die sie unterwandern.

Die Toleranzdebatte wird dabei nicht ausgespart. „Mein Freund isst kein Schweinefleisch“, erklärt Eisners Tochter, woraufhin der Vater erwägt, dem türkischen Schwiegersohn in spe einfach welches unterzujubeln: „Das merkt der doch gar nicht.“ Sagt ausgerechnet Eisner, an dessen Figur die Fragen durchgespielt werden: Wie nehmen wir die auf, die Obdach brauchen, und wie nehmen wir sie wahr?

Das Wagnis, das große Themenfeld um Flüchtlinge als Kriminalgeschichte umzusetzen, gingen vor Thomas Roth schon andere „Tatort“-Macher ein, etwa Anfang des Jahres in Stuttgart. Der Fall um auf einem Lkw erstickte Flüchtlinge war eindringlicher umgesetzt. Roths Szenen spielen oft im Dunklen, in karg beleuchteten Büros. Den meisten Raum bekommen Gespräche und Verhöre. Selten sind mehr als drei Darsteller im Bild. Zu ihnen gehört der hauptverdächtige Wiener Schurke Mittermeier (Michael Fuith). Der Zuhälter mit dem Fellmantel hat eine katzenhafte Beschützerin im Lara-Croft-Look, die an einer Stelle völlig unpassend mit einem Kick durch die Luft entsprechend inszeniert wird.

Der Film schwankt zwischen dieser Überzeichnung und einer Zurückhaltung, die einerseits angenehm ist, etwa wenn Eisner ruhig und höflich mit Zeugen redet oder sich mit seiner Kollegin neckt. Sie bremst aber andererseits die Tiefe der Geschichte aus, die so auch eine von fehlender Nähe ist. Durch die knapp 90 Filmminuten tragen schließlich leichte Tempowechsel und feiner Humor, der Eisner-Fellner-Freunden Freude machen wird.

Von Michaela Grimm

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