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So gut ist der neue Tatort aus Bremen

Der hundertste Affe So gut ist der neue Tatort aus Bremen

Krude Geschichte, temporeich erzählt: Im neuen Tatort "Der hundertste Affe" kommt der Terror nach Bremen. Lohnt sich der Film mit Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen, 2. v. r.)? Das lesen Sie in der Tatort-Vorabkritik. 

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Bremen wird von Öko-Terroristen bedroht, die Kommissare Lürsen (Sabine Postel, links stehend) und Stedefreund (Oliver Mommsen, r.) sind bei ihren Ermittlungen dem BKA unterstellt.

Quelle: Radio Bremen/ARD

Bremen/Hannover . So mancher „Tatort“ hat kein Happy End, und das ist auch gut so. Im aktuellen Fall aus Bremen „Der hundertste Affe“ aber ist von Anfang an klar: Hier ist etwas so richtig schiefgelaufen. Rettungswagen rasen durchs Bremer „Viertel“, Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) steht mit sorgenvoller Miene da und sagt: „Wir haben es verbockt“.
Wie es zu der Situation gekommen ist, wird dann nach und nach aufgerollt: Ökoaktivisten haben im Stil eines Terrorkommandos die Stadt Bremen in Geiselhaft genommen. Sie drohen das städtische Trinkwasser mit 30 000 Litern Pflanzenschutzmittel zu vergiften, wenn ihre Forderung nicht binnen 13 Stunden erfüllt wird. Und diese Forderung ist ungewöhnlich: Der Wissenschaftler Urs Renders (Manfred Zapatka) soll öffentlich zur Hauptsendezeit im Fernsehen erklären, dass er herausgefunden hat, wie Pflanzen ganz ohne Pestizide wachsen und dennoch reichlich Ertrag bringen. Doch Renders weigert sich zu sprechen. Denn sein ehemaliger Auftraggeber verdient Milliarden mit Pflanzenschutzmitteln und setzt den Biochemiker unter Druck.

Für die Polizei beginnt der berühmte Wettlauf gegen die Zeit, und der ist von Regisseur Florian Baxmeyer temporeich, ein wenig im Stil der US-amerikanischen Serie „24“ und durchaus spannend inszeniert. Die Schnitte sind schnell, die Sprünge überraschend, die Handlung dicht – und immer wieder wird warnend auf die Uhrzeit hingewiesen.
Doch was nützt es, wenn man über einen gut gemachten Thriller eine derart vermurkste Geschichte erzählt? Drehbuchautor Christian Jeltsch beruft sich bei seiner Idee auf Vorgänge, die sich in den Achtzigerjahren ereignet haben sollen. Damals hätten Forscher eines Pharmakonzerns Möglichkeiten entdeckt, wie der Hunger auf der Welt gestoppt werden könnte. Aus Profitgründen habe diese Firma die Informationen zurückgehalten. Vielleicht ist das sogar glaubhaft. Doch vieles, was dann mit dicker Tinte um dieses Thema herumgemalt wird, wirkt doch arg konstruiert.

Eine Ökoaktivistin, die über Leichen geht

Schon bei der ersten Warnung der Ökoaktivisten kommt eine Frau zu Tode, weil sie sich über rot gefärbtes Wasser in einer Freibaddusche so sehr erschrickt, dass sie einen Herzinfarkt erleidet. Die Umweltterroristen selbst sind eine erstaunlich kleine Bande für das, was sie anrichten. Vor allem Anführerin Luisa geht für ihre Ziele sprichwörtlich über Leichen, und Friederike Brecht spielt das sogar ganz eindrucksvoll. Warum aber muss sie mit ihrem deutlich ängstlicheren Helfer Sven denn auch noch eine Liebesbeziehung pflegen?
Und was ist überhaupt die Aussage dieses Fernsehkrimis? Wenn wir nicht bald wie der hundertste Affe im Versuch etwas dazulernen, richten wir diesen Planeten zugrunde? Eine Nummer kleiner hätte es auch getan.

Das größte Ärgernis aber ist die Figur der ruppigen BKA-Beamtin Linda Selb (Luise Wolfram), die Lürsen und Stedefreund (Oliver Mommsen) als neue Kollegin unterstützt. Unkommunikativ, nicht empathisch und ohne Scheu, vor den Augen Stedefreunds das T-Shirt zu wechseln. Das ist so überhaupt nicht originell. Denn diese Verhaltensmuster entsprechen denen der TV-Ermittlerin Saga Norén (Sofia Helin) aus der großartigen skandinavischen Serie „Die Brücke“.

Na klar, darf man sich von den Skandinaviern inspirieren lassen. Aber derart plump nacherzählen doch wohl eher nicht.

Von Christiane Eickmann

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