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So gut ist der neue "Tatort"

"Die Geschichte vom bösen Friedrich" So gut ist der neue "Tatort"

Wenn Sabin Tambrea in einem Film auftaucht, tut er in der Regel schon bald etwas abgrundtief Böses. Im neuen Hessen-"Tatort" nimmt er eine Auszeit von der Rolle des Bösewichts und wird zum Sympathieträger.

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Wer ist hier der wahre Teufel? Roland Burmeister (Sabin Tambrea, links) und Alexander Nolte (Nicholas Ofczarek).

Quelle: ARD/dpa

Frankfurt. Erwartungshaltungen muss man sich als Schauspieler hart erarbeiten. Im Frankfurter „Tatort“ zum Beispiel betritt nach etwa 18 Minuten ein Dentallaborbetreiber namens Roland Burmeister die Bühne. Und wer dessen Darsteller namens Sabin Tambrea in einem seiner vorigen Filme gesehen hat, hegt keinen Zweifel, dass er auch in dieser Rolle bald etwas abgrundtief Böses tun wird. Wenngleich mit feinem Lächeln, wie so oft.

Als SS-Kommandant im KZ-Melodram „Nackt unter Wölfen“ hat er voriges Jahr unfassliche Gräuel an den Häftlingen von Buchenwald verübt. Ende März vergewaltigte er als windiger Unternehmersohn zu Beginn des ZDF-Dreiteilers „Ku’damm 56“ die Heldin Sonja. Sechs Tage darauf spielte er der Titelfigur des ARD-Mittelalterschinkens „Geheimnis der Hebamme“ als grausamer Ritter Randolf schlimm mit. Wann immer Sabin Tambrea auftaucht, das lässt zumindest sein aktuelles Werk vermuten, wird es diabolisch.

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Kein Wunder, bei dieser Optik: Aus wächsernem, beinahe weißem Gesicht über dem feingliedrigen Körper fixieren zwei tiefdunkle, fast schwarze Augen unter der viel zu hohen Stirn ihr Gegenüber, als kröchen sie hinein. Der Sohn eines emigrierten Orchestermusikers stammt zu allem Überfluss auch noch aus dem rumänischen Târgu Mures nahe Transsylvanien, das einen weithin bekannten Vampir von eleganter Gestalt hervorgebracht hat. Auch dank dieser mephistophelischen Aura mausert sich Sabin Tambrea gerade vom Theaterberserker des Berliner Ensembles zum perfekten Bösewicht des deutschen Hauptabendprogramms – doppelbödig, sinister, schmerzhaft brillant.

Keine Frage also, was im zweiten Fall der neuen HR-Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) passieren wird, wenn Tambrea nach zwei voyeuristisch inszenierten Morden und ein paar ruppigen Sexszenen anderer Schauspieler im Bild auftaucht. Er sagt dann zwar bloß irgendetwas Belangloses übers Arbeitsklima und dass sich seine Angestellten jetzt bitte mal darauf konzentrieren sollten, tadellosen Zahnersatz zu fertigen. Aber wie er es sagt, mit dieser lächelnden Rätselhaftigkeit zur samtweichen Stimme, das verleitet den Zuschauer zu der Annahme, Tambreas Protagonist Burmeister habe irgendwas zu tun mit der „Geschichte vom bösen Friedrich“, wie der Film heißt. Wer der eigentliche Täter ist, wird hingegen schon in der ersten Szene deutlich. Es ist Nicholas Ofczarek, den Janneke wegen eines triebgesteuerten Mordes ins Gefängnis gebracht hatte, weshalb Alexander Nolte nach seiner vorzeitigen Haftentlassung nun Rache schwört, die er mit genialer Arglist betreibt. Es folgt ein sadomasochistisches Katz-und-Maus-Spiel, in dem Ofczarek alle Register der Scheinheiligkeit so versiert zieht, dass der Grimmepreis 2017 bereits vergeben sein könnte.

Wann immer dagegen Tambreas Figur durch die Kulissen huscht wie ein Schatten durchs Vampirschloss, entsteht eine seltsam unscharfe Atmosphäre, die keines Weichzeichners bedarf. Sein Talent hatte der klassisch geschulte Musiker von 31 Jahren, der schon mit sechs sein Konzertdebüt gab, erstmals 2011 als mystisch verklärter Märchenkönig Ludwig II. gezeigt. Im „Tatort“ hingegen spielt er nun einen Sympathieträger, der sich von Herzen um die Resozialisierung eines vermeintlich geläuterten Verbrechers müht. Dass die Erwartungshaltung an ihn zunächst eine andere ist, dürfte die Faszination nur noch verstärken.

Von Jan Freitag

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