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So gut ist die Tatort-Folge "Durchgedreht"

Sonntagskrimi So gut ist die Tatort-Folge "Durchgedreht"

Geschafft! Die schier endlos lang erscheinende „Tatort“-Sommerpause ist vorüber. Den Start in die neue Saison bestreitet das Kölner Ermittlerteam Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), das bereits seit 1997 im Dienst ist. Was man den beiden Schauspielern mittlerweile anmerkt.

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"Durchgedreht" heißt die WDR-Tatort-Folge, die zum Auftakt nach der Sommerpause gesendet wird.

Quelle: WDR

So zerknittert sahen die zwei jedenfalls noch nie aus. Und das beliebte Krimispielchen „Good Cop – Bad Cop“ beherrschen sie inzwischen aus dem Effeff, genau wie den kurzen Erholungsplausch an ihrer geliebten Currywurstbude.

Zeit dafür ist diesmal genug. Nicht nur für ein Päuschen mit Wurst. Denn Spektakuläres wird in dem „Tatort – Durchgedreht“ nicht geboten. Ganz im Gegenteil: Der Film, den Regisseurin Dagmar Seume inszeniert hat, kommt äußerst gemächlich daher und nimmt erst gegen Ende ein wenig Fahrt auf.

Doch trotz des fehlenden Tempos ist die Geschichte spannend, weil sehr lange offenbleibt, wer der Täter ist. Und weil Drehbuchroutinier Norbert Ehry zudem gekonnt zahlreiche falsche Fährten legt.

Erzählt wird dabei von einer deprimierenden Familientragödie mit mörderischem Ausgang. Und mit einem Einstieg, der richtig gruselig ist: Ein kleines Mädchen wird nachts wach, steht auf und schaut im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses nach seinem süßen Kaninchen.

Plötzlich hört es Geräusche an der Haustür, sieht einen Schatten und einen Vermummten, der ins Haus eindringt. Und der anschließend die Treppe zu den Schlafzimmern hinaufgeht, um dort die Mutter des Mädchens und seinen kleinen Bruder zu ermorden. Die Tat selbst wird im Film nur angedeutet, was der Fantasie des Zuschauers viel Raum lässt.

Dann folgt ein harter Schnitt. Anschließend sieht man, wie eine Frau die blutigen Leichname findet. Eine beachtlich gut inszenierte Szene, die fast schon Horrorfilm-Qualität hat und die allerdings mehr verspricht, als sie hält.

Danach beginnt keineswegs ein nervenaufreibender Thriller, sondern die gewohnte Sonntagabend-Krimiroutine, die diesen Film bestimmt. Ballauf und Schenk, die auftreten wie siamesische Zwillinge, übernehmen die Ermittlungen, befragen Verdächtige mit den üblichen Floskeln: „Wo waren Sie zur Tatzeit? Kann das jemand bezeugen? Und in welcher Beziehung standen Sie zu den Toten?“ So richtig bringt dieses Frage-Einerlei die beiden Ermittler freilich nicht weiter.

Befragt wird auch der Lebensgefährte der Toten, der Steuerfahnder Sven Habdank (Alexander Beyer), der während der Tatzeit aus beruflichen Gründen in Frankfurt gewesen ist, sich aber irgendwie merkwürdig benimmt. Zudem stellt sich bald heraus, dass er beruflich ein scharfer Hund ist und krankhaft eifersüchtig über seine Frau wachte. Kommentar Ballauf: „In der Familie stimmt etwas nicht.“ Dann ist da sein attraktiverer Bruder (Christian Erdmann), der womöglich eine Affäre mit der Schwägerin gehabt hat. Auch die Schwester (Nicola Schössler) der Toten samt Ehemann (Stephan Szász) zählen zum engeren Kreis der Verdächtigen. Oder ist der Mörder ein „Kunde“ von Habdank, der die Tat aus Rache begangen hat? Beispielsweise der windige Journalist Ole Winthir (Peter Benedict) oder der Bauunternehmer Pit Benteler (Max Herbrechter).

Es darf also bis fast zum Schluss gerätselt werden. Und das macht diesen langatmig erzählten Film dann doch recht unterhaltsam – trotz seiner bleiernen depressiven Stimmung und den zahllosen Klischees.

Von Ernst Corinth

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