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00:16 16.09.2015
Von Christiane Eickmann
Ermittlungen im Mafiamilieu: Anna Janneke (Margarita Broich), Paul Brix (Wolfram Koch) befragen Ilja Yusov (Victor Kraslavskiy) und Elena Yusow. Quelle: Anja Schneider (ARD)
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Hannover

Die Vergangenheit eines Ermittlers kann manchmal ebenso spannend sein wie der aktuelle Mordfall. Oder spannender. Im Rostocker „Polizeiruf“ und im Dortmunder „Tatort“ hat sich der Typ des Ermittlers mit bewegter Vergangenheit bereits erfolgreich etabliert. Nun rückt im neuen Fernsehkrimi aus Frankfurt Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) in den Mittelpunkt. Dessen Vita wird mithilfe von kurzen Rückblenden und einem Fall mit zahlreichen Anknüpfungen an Brix’ Vergangenheit unterhaltsam erzählt.

Die Anfangsszene ruft noch mal den vergangenen Fall in Erinnerung, in dem Brix die Hauptverdächtige erschossen hatte. Nun muss er sich Fragen der internen Ermittlung stellen. Rätselhaft ist vor allem, womit Brix geschossen hat – seine Dienstwaffe war es jedenfalls nicht. Dennoch geht der Kommissar aus der Befragung relativ unbeschadet hervor, kehrt zurück an seinen Arbeitsplatz und muss erst einmal Innendienst schieben. Kollegin Anna Janneke (Margarita Broich) ist dennoch ins Grübeln gekommen.

Janneke fühlt sich bald in ihren Zweifeln am neuen Partner bestätigt. Eigentlich müsste sie im Fall eines Lobbyisten aus dem Baugewerbe ermitteln, der erhängt aufgefunden wurde. Doch dann taucht Brix’ ehemaliger Kollege Simon Finger (mit Lederjacke und fiesem Bart: Dominique Horwitz) auf dem Kommissariat auf und bittet um Schutz vor der Russenmafia. Bald darauf  ist Finger verschwunden, und Janneke beginnt sich über Brix zu informieren.

Erol Yesilkaya (Buch) und Sebastian Marka (Regie) waren bereits am beeindruckenden „Tatort“-Finale von Brix’ Vorgänger, Joachim Król als Frank Steier („Das Haus am Ende der Straße“), beteiligt. Im aktuellen „Tatort“ präsentieren sie beinahe karikierend ein Frankfurt im gelblichen Instagram-Filter, in dem die Polizisten korrupt sind und das Rotlicht- und Kneipenmilieu von Rockern und Russenmafia kontrolliert wird.  
Dieser „Tatort“ lebt von seiner Liebe zum Detail, die sich in humorvollen kleinen Szenen zeigt. Zum Beispiel wenn die Tochter einer wichtigen Figur der Russenmafia ihrem Vater auf Deutsch gestellte Fragen in einen komplett anderen russischen Text übersetzt. Oder wenn ein gut gekleideter Mann im Bankenviertel einen vom Himmel fallenden 50-Euro-Schein einsteckt und kurz danach eine Leiche aus dem Fenster segelt. Margarita Broich gibt eine Janneke, die manchmal an den scheinbar naiven Kommissar Columbo erinnert. Sie stolpert durch den Fall und seine diversen Handlungsstränge. Sympathisch unkoordiniert, häufig vom Bauchgefühl getrieben. Mehr Raum gibt das Drehbuch Wolfram Koch als einsamen Kommissar auf der Suche nach dem Neuanfang. In einer Szene steht er betrunken in einem Unterhemd vor seinem Spiegel, zu hören ist Elton Johns „Rocket Man“ – was unweigerlich wie ein ironischer Kommentar wirkt.

Bei aller Liebe zu Atmosphäre, Kulisse und Kommissaren ist den Machern des hessischen „Tatorts“ allerdings leider ein wenig die eigentliche Krimihandlung und leider auch die Logik
abhandengekommen. Gleich zwei Kommissare ermitteln im Alleingang – das müsste doch irgendeinem Vorgesetzten mal sauer aufstoßen. Auch werden die Verwicklungen von korrupten Polizisten in die Strukturen der Mafia häufig nur angedeutet und nicht wirklich erklärt. Stören dürfte das aber nur „Tatort“-Puristen.

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