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So gut wird der Münchner "Tatort" in der ARD

"Die letzte Wiesn" So gut wird der Münchner "Tatort" in der ARD

Ein Jubiläum pünktlich zum Promillerausch: Im 70. "Tatort" aus München ermitteln die Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic auf dem Oktoberfest. Ein spannender Krimi, der ein bisschen anmutet wie eine Gesellschaftsstudie.

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Die Hauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, li.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) vor der Theresienwiese.

Quelle: BR/Bernd Schuller

München. Entweder man liebt sie. Oder man hasst sie. Die Wiesn ist das größte Volksfest der Welt. Ein Jahrmarkt der Exzesse, ein Wirtschaftsfaktor, ein tödlicher Rummel. Zumindest im Fernsehen. Denn nicht jeder, der im 70. "Tatort" aus München von der Bierbank im (fiktiven) "Amperbräu" fällt, ist nur betrunken. Jemand mischt GBH, sogenanntes Liquid Ecstasy, in die Oktoberfest-Krüge. "Die letzte Wiesn" hat tödliche Folgen.

Betrunkene Zecher, Festzelte, die unter dem "Atemlos"-Grölen der Besucher beben, Wildbiesler, überfüllte S-Bahnen, geschmacklose Dirndl. Grund genug für Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), das Weite zu suchen. Fluchtpunkt Toskana. Er verstaut persönliche Schätze wie seine Jimi-Hendrix-Platten in Kisten, vermietet seine Wohnung an zwei junge Schwedinnen und wünscht "Happy Beer Drinking" beim Oktoberfest. Weit kommt er nicht.

Moloch Oktoberfest

In einer U-Bahn-Station kümmert er sich um einen volltrunkenen Italiener (alte Wiesn-Weisheit: Italiener vertragen nichts!). Der wird später tot aufgefunden – mit GBH im Blut und Leitmayrs Fingerabdrücken auf der Geldbörse. Mit Stille und Ruhe in Italien ist es nach 24 Stunden schon wieder vorbei, der Kommissar wird zurückgerufen und vom Moloch Oktoberfest verschluckt.

"Guerilla-Dreh" nennt Wachtveitl die Arbeit auf der Wiesn im Jahr 2014, "es war streckenweise nicht so leicht". Sieht man diesen Sonntagskrimi, kann man das nachvollziehen. "Die letzte Wiesn" ist nah an der Realität. Eine Stadt im Ausnahmezustand, in den Zelten Zombies im Promillerausch, apokalyptische Schlachtfelder, wenn die letzten Lichter ausgegangen sind. Dazwischen Menschen, die einen Knochenjob leisten – auf der Wiesn-Wache, im Sanitätsbereich, in den Zelten.

Auf der Abschussliste

Mit seinem Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec), der drei kroatische Tanten als Wiesn-Gäste beherbergt, nimmt Leitmayr die "Amperbräu"-Wirtin Kirsten Moosrieder (herrlich zickig: Gisela Schneeberger) ins Visier. Die bricht mit Traditionen, entlässt älteres Personal, setzt auf Profit. "Des is a G‘schäft – des muas funktionieren." Ihr verstorbener Gatte Alois (Andreas Giebel grinst vom Erinnerungsfoto) wäre damit bestimmt nicht einverstanden.

Zelt-Leiter Korbinian Riedl (Leo Reisinger) versucht, die alte Linie zu halten – und steht auf der Abschussliste der Chefin. Soll der "Amperbräu" geschlossen werden, um Wiesn-Besucher zu schützen? Das ruft sogar das Innenministerium auf den Plan. "Sechs Millionen Besucher, eine Milliarde Euro Umsatz", doziert ein hoher Beamter. Das Risiko kann man nicht eingehen, lieber fahnden Polizisten nach dem Attentäter im Zelt. "Immer des G‘schiss mit der Scheiß-Wiesn", findet nicht nur Pathologe Steinbrecher (Robert Joseph Bartl).

Volltrunkene Schwedinnen

Ein spannender Krimi, der ein bisschen anmutet wie eine Gesellschaftsstudie. Die Kamera begleitet die junge Kellnerin Ina (Mavie Hörbiger) dabei, wie sie ein Dutzend (schlecht gefüllte) Maßkrüge stemmt, durch die Reihen des Mittelschiffes schleppt, charmant Trinkgeld einfordert, gute Miene zu Tatschereien macht. "Auf der Wiesn kann sich jeder benehmen wie die letzte Sau", klagt sie Leitmayr, der auf ihrem Sofa Unterschlupf findet.

Denn in seiner eigenen Wohnung liegen die zwei volltrunkenen Schwedinnen mit diversen Wiesn-Bekanntschaften auf dem Sofa, während auf der Videoleinwand gerade der "Tatort"-Vorspann läuft. Ein bisschen Ironie in einem Jubiläumsfall geht immer, die Münchner Kommissare sind immerhin 25 Jahre im Dienst.

Ob man nach diesem "Tatort" noch Lust hat auf den Rummel? Sechs Millionen Besucher werden sich wohl nicht abschrecken lassen.

Von Andrea Tratner

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