Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Fernsehen So wird der "Tatort" am Sonntag
Nachrichten Medien Fernsehen So wird der "Tatort" am Sonntag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:22 31.01.2016
Dortmunder Kreidekreise: Die „Tatort“-Kommissare zweifeln an sich selbst. Quelle: ARD/dpa
Anzeige

Die Vergangenheit hat lange Greifarme und oft auch einen langen Atem. Zwischen Bierdosen und Doppelkorn sitzt Kommissar Peter Faber betrunken im dunklen auf dem Boden seines Büros, stiert auf Fotos in seiner Hand und murmelt: „Ich habe mein Kind verloren.“ Er wiederholt es. Dreimal, viermal, noch mal. Faber versucht, sich in Eva Dehlens hineinzuversetzen, deren kleiner Sohn Tommi 14 Jahre zuvor spurlos verschwand und deren Mann Max nun erschossen wurde.

Den Satz spricht Faber aber auch für sich selbst. Bemüht, es endlich zu fühlen. Im Prinzip spricht er ihn für alle Kommissare des Dortmunder Ermittlerquartetts: Martina Bönisch, die im damaligen Vermisstenfall befangen war, weil sie um ihren eigenen Sohn bangte, der inzwischen beim Vater lebt; Nora Dalay und Daniel Kossik durch Dalays Abtreibung des gemeinsamen Kindes. Und Faber, dessen Frau und Kind bei einem Autounfall umkamen und den die Frage, warum er Polizist geworden ist, plötzlich völlig irremacht.

„Was soll ich tun? Gibt es irgendeine Vorschrift, an die ich mich halten kann?“, fragt Eva Dehlens im Leichenschauhaus und gesteht gegenüber Faber, ein paar Beruhigungspillen zu viel genommen zu haben. Pillen, Psychologen, Polizei – wer kann einem schon wirklich helfen, wenn das Kind verloren geht? Um diese Frage kreist der Film, der mindestens so sehr Psychodrama wie Krimi sein will.

Da ist zunächst der Mord an Geschäftsführer Max Dehlens im Dortmunder Hafen. Ein Zeuge will Supermarktkassiererin Judith Stiehler als Täterin erkannt haben. Dalay und Kossik spielen sehr amüsant das mögliche Todesszenario nach: Die frustrierte Judith erschießt Max Dehlens, weil der im Hafenbecken auf ihre Träume uriniert. Die Kommissare merken schnell: Das ist eher unwahrscheinlich. Aber was wollten die zwei nachts am Hafen voneinander? Und wofür waren die am Tatort sichergestellten 100.000 Euro bestimmt? Womöglich war eine dritte Person zugegen und hat geschossen. Hinzu kommt die obligatorische Affäre zwischen dickem männlichem Chef (Max Dehlens) und junger hübscher Sekretärin (natürlich schwanger von ihm).

Dann behauptet Eva Dehlens, Judith Stiehlers Sohn Jonas sei in Wahrheit ihr vermisster Tommi. Doch nicht zum ersten Mal glaubt die Frau, ihr Kind wiedergefunden zu haben. All die Jahre, sagt sie im Verhör, sei sie eine Art Forscher in der Arktis gewesen, habe Signale gesendet, gewartet, gehofft. Nun könnte die Geschichte ein gutes Ende bekommen. Jonas allerdings sperrt sich gegen einen DNA-Test. Und noch etwas ist merkwürdig: Der 17-Jährige hat erstaunlich viel Geld, er besitzt teure Accessoires. Faber (wieder herrlich überspannt gespielt von Jörg Hartmann) zieht Bertold Brecht zurate, genauer gesagt hilft ihm das Gleichnis zweier Mütter im Gerangel um ein Kind aus Brechts Stück „Der kaukasische Kreidekreis“ beim Lösen des Falls. Faber und seine Kollegen dabei am Bildschirm zu verfolgen macht Spaß.

Etwa wegen schöner Schnittfolgen beim Verhör, gut gemachter zeitlicher Rückblenden und starker Schauspieler bis in die Nebenrollen wie die des Paul Stiehlers (Dirk Borchardt). Komische Dialoge und Szenen tun ihr Übriges, zum Beispiel wenn Bönisch die Romantik zwischen sich und Faber im Auto einfach wegrülpst oder Kossik ein Lachgesicht aus Bierstöpseln formt und lallt: „Du lachst mich aus.“ Der „Tatort“ mit dem Titel „Hundstage“ ist ein eher leiser, in dem niemand blutet,ballert oder brüllt. Bedrückend ist hier nicht nur die Dortmunder Sommerhitze, es sind vor allem die Selbstzweifel, die emotionale Durststrecke, die die Protagonisten einschüchtern. An einer Stelle spricht Bönisch von bescheuertem Glück, das man erst im Nachhinein wahrnimmt. Bescheuertes Glück, sagt sie, das sind „plötzliche Erinnerungen oder ein Foto von früher, eine Musik, ein Geruch, und plötzlich weiß man, da, in dem Moment, war ich glücklich. Damals hat man es nicht gemerkt.“ Sonst wäre vielleicht einiges besser gelaufen.

Von Michaela Grimm

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Halbfinale ödet sich Helena endgültig aus der Show, aber davor liefert sie noch eine unsportliche Dschungelprüfung inklusive Zickentheater auf dem SUP mit Sophia ab. Thorsten verabschiedet seinen Kumpel Jürgen und freut sich über das Aus für seine Erzfeindin.

30.01.2016

"Ich glaube, sein Eheleben wird super, wenn er mit ner Krönung rauskommt", scherzte der am Donnerstag aus dem Dschungelcamp ausgeschiedene Jürgen Milski. Der 52-Jährige wünscht sich Menderes als Dschungelkönig.

29.01.2016
Fernsehen Tag 14 im Dschungelcamp - Auf dem Highway ist die Hölle los

Die alte Affen-Weisheit "Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen" bekommt auch den drei im Camp verbliebenen Männern nicht. Und so stehen ein Thorsten Legat, Jürgen und Menderes am Ende einer brüllkomischen Dschungelprüfung mit Auto ohne Stern da. Die Frauen kommen derweil nicht auf einen Nenner.

Christiane Eickmann 29.01.2016
Anzeige