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So gut ist der neue "Tatort"

ARD-Krimi am Sonntag So gut ist der neue "Tatort"

Im neuen Hauptstadt-"Tatort" dreht sich alles um eine traurige Troika von Smartphone-Mädchen. Eine Frau wird von einem Geländewagen in einem Parkhaus überrollt – und die jungen Frauen am Ort des Verbrechens gesehen. Lesen Sie hier, ob es sich lohnt beim ARD-Krimi am Sonntag einzuschalten.

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Wehret der Dunkelheit: Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) wollen Licht in den Parkhausmord bringen.

Quelle: ARD/RBB

Berlin. Der dunkle Blick in die Berliner Seele landet oft bei jungen Frauen, die keinen Draht zu ihren Eltern haben und ihre Hände gierig nach den Drogen strecken. Damals bei Christiane F. war diese Droge das mörderische Heroin, heute ist sie das immerhin nicht tödliche Handy. Allein, was auf dem Display passiert, gilt. Gefühle schrumpfen zu Emojis. Ein Smiley für „Gut-drauf-Sein“. Das ist nicht neu und klingt wie ein Gefahrentrailer von der „Arbeitsgemeinschaft besorgter Gymnasiallehrer“. Junge Frauen wie Louisa, Paula und Charlotte sind für solche Art von Pädagogik längst verloren, sie streifen derangiert und dennoch gut geschminkt durch den Berliner „Tatort“, das Smartphone am Leib. Dass sie des Mordes verdächtigt werden ist okay, solange sie darüber konferieren können.

Weil die Handysucht allein aber niemanden mehr „schockt“, wie Charlotte, Paula und Louisa sagen würden, müssen in dieser atmosphärisch starken Folge „Wir – Ihr – Sie“ (Regie: Torsten C. Fischer, Drehbuch: Dagmar Gabler) nicht nur die Seelen, sondern auch die Tage dunkel bis schwarz gehalten werden. Und irgendwo steht immer dieser Fernsehturm im Bild, mächtig und erhaben. So, als könne man sich an ihm festhalten, wenn schon um fünf die Sonne untergeht im chronisch schlecht gelaunten Winter von Berlin. Am Ende müssen aber doch die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) ran, um den Rechtsstaat zu retten und die Dunkelheit zu besiegen.

Mit guter Laune können sie nicht dienen, was sie auch gar nicht nötig haben. Becker und Waschke sind wunderbare Schauspieler, Meret Becker kann die sprichwörtliche Berliner Göre auf die große Bühne heben, ohne sie zur Zerrgestalt zu degradieren, Mark Waschke spielt den Borderliner, der aus der Rolle fallen kann, so herrlich und vulgär, dass er selbst im Berliner Winter als Sonderling auffällt.

Eine Frau wird von einem Geländewagen in einem Parkhaus überrollt. Ein Jeep taugt im oft mittellosen Berlin eben noch immer als Symbol für Arroganz und böse Geldgier, wohingegen man in München über solche Feindbilder schon lange lacht. Wer hat ein Motiv für diese Tat und für den Tod der unbescholtenen Frau? Die Halterin des Autos (Valerie Koch) ist eine vormalige Freundin der Toten, sie dealt, sie ging fremd mit dem Ehemann des Opfers, und sie beteuert ihre Unschuld. Die Kameraaufzeichnung im Parkhaus lässt den Fahrer des Tatfahrzeuges nicht erkennen, weil die Scheiben getönt waren. Doch die eingangs erwähnten drei Mädchen streifen durch die Gänge, diese traurige Troika aus Louisa (Cosima Henman), Paula (Emma Drogunova) und Charlotte (Valeria Eisenbart). Sie werden von der Kamera gefilmt, gehen alle in die Klasse von Ben (Béla Gabor Lenz), dem Sohn des Opfers.

Die Mädchen sind herrlich kotzig gespielt, dem Klischee folgend, dass in Berlin die Gleichmut Trumpf ist. Es gibt Sätze, die diesen traurigen, handwerklich sehr soliden Film erden, Meret Becker muss als Ermittlerin dann sagen: „So wird ditt nüscht“ oder „Euch geht der Arsch auf Grundeis“. Selbst diese Drehbuchkiller spricht sie mit Würde aus. Zwischendurch knallt sie der angeklagten Paula bei der Vernehmung eine. Doch selbst eine Backpfeife gilt in Berlin, wie übrigens auch ein Kuss, nur als unverbindliche Laune. Man sollte nicht zu lange über diese Dinge nachdenken. Letzte Worte des Ermittlers Karow zur Kollegin: „Wir sollten uns duzen. Ich bin Robert.“ Ist das schon Liebe in Berlin?

Von Lars Grote

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