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TV-Kritik zu „Die Staatsaffäre“ Weiblich, ledig, jung, sucht ...

Veronica Ferres spielt in „Die Staatsaffäre“ eine hormongesteuerte Kanzlerin – das kann nur schiefgehen.

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Immer hübsch weiter lächeln: Veronica Ferres als Bundeskanzlerin versucht, „Die Staatsaffäre“ mit ihrem französischen Kollegen (Philippe Caroit) zu verheimlichen.

Quelle: SAT.1

Berlin. Manche Dinge möchte man gar nicht so genau wissen. Zum Beispiel was passiert, wenn der französische Staatspräsident nachts in der Hotelküche auf die deutsche Kanzlerin trifft. Beide, schlaflos vor dem großen Energiegipfel, teilen sich ein Rührei. Total romantisch. Doch die Frau Bundeskanzlerin hat natürlich nichts Besseres zu tun, als in Nachtwäsche über die anstehenden Konsultationen zu sprechen. So wird das nie was, könnte man meinen. Und doch entwickelt sich aus der Szene eine ziemlich deftige „Staatsaffäre“, die den Zuschauer am Ende allerdings peinlich berührt auf dem Sofa zurücklässt. Denn nicht die komisch geniale Katharina Thalbach („Der Minister“) spielt hier die Kanzlerin, sondern Superweib Veronica Ferres. Das hat Angela Merkel nicht verdient, wobei Ferres im Vorfeld natürlich betonte, ihre Kanzlerin sei rein fiktional.

Man hätte meinen können, SAT.1 habe nach der Guttenberg-Satire und der Aufarbeitung der Affäre Wulff gelernt, wie man Politstücke interessant fürs Fernsehen darbietet. Doch die krude Geschichte, die das Autorenduo Don Bohlinger und James Dutcher für den SAT.1-Film „Die Staatsaffäre“ ersonnen haben, ist nicht nur an Absurdität kaum zu überbieten. Die Story um die verzweifelte Single-Kanzlerin Anna Bremer treibt jeder auch nur halbwegs emanzipierten Frau die Tränen in die Augen und die Schamesröte ins Gesicht.

„Das bin ich, Anna Bremer. Mein Beruf ist vielleicht etwas ungewöhnlich, denn ich bin Bundeskanzlerin“, menschelt es gleich zu Beginn aus dem Off. Dann berichtet die blondlockige Ferres-Kanzlerin, dass Work-Life-Balance für sie ein Fremdwort ist. Später erfährt der Zuschauer, dass die Begegnung mit dem französischen Präsidenten am Herd auch nicht die erste war. Guy Dupont (Philippe Caroit) war nämlich jener Kerl, der Anna in der Nacht des Mauerfalls auf einer Kreuzberger Dachterrasse verführte. Im Radio lief ein U2-Song, und es war natürlich wieder mal alles total romantisch. Am nächsten Morgen war Guy dann weg – Franzose eben! – und Anna konzentrierte sich fortan auf die Karriere.

Theoretisch könnte die Geschichte damit auch schon beendet sein und Anna Bremer sich brav in ihren Akten über Atomausstieg und Arbeitslosenquote vergraben. Doch das wäre zu einfach. Stattdessen kommt fast 25 Jahre nach dem Techtelmechtel über den Dächern Berlins Dupont in Frankreich an die Macht. Dass selbst die Kategorie Komödie bei diesem Film nicht mehr greift, zeigt die Tatsache, dass Duponts Vorgänger abtreten musste, weil er vor laufenden Kameras nackt randalierte. Beim Gipfeltreffen lässt der italienische Premier vor der Kanzlerin die Hosen runter, und der Franzose fällt ihr ins Dekolleté. Das ist weder Slapstick noch Satire, sondern grober Unfug.

Natürlich erinnern sich – nach reichlich sepiafarbenen Rückblenden – die beiden Staatsoberhäupter irgendwann an ihre erste Begegnung, und die „Staatsaffäre“ kommt so richtig ins Rollen. Es folgt eine erste gemeinsame Nacht, schon bald eine zweite, und der Zuschauer wird Zeuge, wie die Bundeskanzlerin mit den Pumps in der Hand und zerzauster Frisur barfuß und bis über beide Ohren verliebt zurück ins Büro huscht.

Und wie das so ist, bei frisch Verliebten will auch die Kanzlerin zunächst einfach nicht einsehen, dass es irgendwie seltsam daherkommt, dem Wähler zu erklären, mit wem sie da künftig zwischen Tisch und Bett die Energiewende debattieren will. Da hilft auch kein Schmollmund. Bei dieser Aussicht kündigt selbst ihr Berater Bernhard (Martin Brambach) – einer der wenigen klug gezeichneten Charaktere die dem Zuschauer während des Films begegnen.

Auf die Frage, welche Eigenschaften eine Kanzlerin ihrer Meinung nach mitbringen muss, sagte Ferres in einem Interview kürzlich: „Ruhe und Ausdauer.“ Eins ist sicher: Wer diese 90 Minuten bis zum Ende ausgehalten hat, ist in jedem Fall qualifiziert.

von Nora Lysk

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