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So gut ist der neue "Tatort" aus Münster

ARD-Krimi So gut ist der neue "Tatort" aus Münster

Der „Tatort: Ein Fuß kommt selten allein“ aus Münster badet selbstzufrieden im eigenen Witz und schwappt ins Tanzmilieu – mit viel Ehrgeiz bei allen Beteiligten. Eine TV-Kritik von Lars Grote.

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Hat er den Durchblick?  Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers).

Quelle: ARD

Münster. Die Herren Thiel und Boerne treten auf wie Tom und Jerry. Sie sind fixiert darauf, dem anderen eine Bananenschale in den Weg zu legen. Ihre Charaktere halten sich an die Gesetze eines Zeichentricks, nur unverbindlich lassen sie sich auf die Gattung „Kriminalfilm“ ein. Sie moderieren den „Tatort“ aus Münster – nein, „ermitteln“ kann man das nicht nennen, denn ihr Handwerk ist sehr luftig, beiläufig und recht betulich. Der Mediziner und der Kommissar folgen den Mördern mit einer Flapsigkeit, als feilschten sie um einen Riegel Bounty. Ein verlorenes Leben zählt nicht viel, für einen Lacher aber tun sie alles.

Nun tanzen sie sogar. Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) zeichnet sich durch körperliche und mentale Steifheit aus, er kokettiert mit seiner Onkelhaftigkeit, darum passt es so gut zu dieser immer etwas überhöhten Temperatur des Filmes, wenn Boerne sich auf dem Parkett zum Affen macht. Die vamphaft angehauchte Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) mit der rauen Stimme und den roten Haaren nimmt ihn als Ersatztanzpartner, denn der angestammte geht an Krücken. Als Lohn stellt sie ihm die Empfehlung für einen beruflichen Verdienstorden in Aussicht. Für einen Orden tut Boerne alles. Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) lacht sich ins Fäustchen, nicht ein-, zweimal, sondern abendfüllend, permanent, und fast hat man vergessen, wie stark der Prahl mal in den Filmen von Andreas Dresen kleinen Leuten eine ungemein präzise, meist etwas rundliche Kontur gegeben hat. Diese Fähigkeit verwäscht im „Tatort“ vollends.

Krimis aus Muff und Machismo

Boerne und Thiel müssen den Tod einer Tänzerin aufklären, deren Knochen im Wald gefunden werden. Bald gibt es einen zweiten Toten, auch er liegt in den Pilzen. Die Spur führt ins Milieu eines ambitionierten Tanzvereines, der in die erste Liga will. Man lächelt dort um jeden Preis, die Kampfrichter sollen bei Laune bleiben. Auch diese Folge „Ein Fuß kommt selten allein“ von Regisseur Thomas Jauch (Buch: Stefan Cantz und Jan Hinter) sucht so bemüht den Witz, dass man, wenn man es gut meint, an die alten, stilvoll überzogenen Krimiverfilmungen von Edgar Wallace denkt. Boerne jedenfalls probt die bornierte, süß-saure Miene von Eddi Arent. Leider fehlt in Münster ein Klaus Kinski. Ein kleiner Teufel, der den Laden mal zusammenbrüllt, wenn es sich das Ensemble in den Witzchen zu gemütlich macht.

Man muss kein Moralist sein, um zu bedauern, wie sehr der Mord verjuxt wird in den Münster-Stücken. Man muss auch nicht im Elfenbeinturm leben, um zu beklagen, wie breitgetreten der Klamauk in Münster wirkt. Boerne und Thiel, das erinnert auf den ersten Blick an Dick und Doof, doch die beiden alten Meister wussten, dass du, wenn du lustig bist, nie eitel sein darfst.

Von diesem Grundsatz haben Thiel und Boerne nie gehört, sie werden selbstverliebt gespielt von Prahl und Liefers, befeuert von den höchsten Einschaltquoten, die ein „Tatort“-Team in diesen Jahren einfährt. Die Story dieses Filmes respektiert die Eitelkeit ihrer Ermittler, sie mischt sich nicht groß ein und fällt nicht auf mit überraschenden Pointen.

Das Tanzmilieu wird hier als Schlangengrube ausgeschmückt, in dem man grinst, mit einem Dolch hinter dem Rücken. Ein biederer Film, der an die Abendunterhaltung in den Sechzigern erinnert, als man die Krimis noch aus Muff und Machismo zusammenschraubte. Wenn Krimikomödie, dann bitte Agatha Christie.

Von Lars Grote

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