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Die persönliche Seite der Macht

Talkmaster Dali Tambo Die persönliche Seite der Macht

Gute Journalisten erfahren von ihren Gesprächspartnern die ungeschminkte Wahrheit. Dem Fernsehmoderator Dali Tambo gelangen jüngst erstaunliche Einblicke in das Privatleben des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma.

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Seine Interviews gelten als „sensibel, aber doch bohrend“: Dali Tambo, Sohn des südafrikanischen Freiheitshelden Oliver Tambo, befragt vor allem Politiker.

Quelle: dpa

Bei einem gemütlichen Abendessen im Präsidentenpalast in Pretoria erzählte eine Tochter Zumas lachend, dass ihr Vater erst habe lernen müssen, seinen Kindern zu sagen: „Ich liebe dich“. Wer weiß, dass der bekennende Polygamist Zuma mindestens 21 Kinder von mehreren Frauen sein eigen nennt, machte sich darauf seinen Eigenen Reim.  Aber zu einem richtigen Skandal weitete sich das Gespräch in geselliger Runde erst aus, als Zuma sich entschieden gegen das Leben von Frauen als Single wandte: Es sei einfach „nicht richtig“ für Frauen, alleine zu bleiben. Kinder seien eine gute „Zusatzausbildung für Frauen“. Südafrikas Frauenorganisationen reagierten mit einem Aufschrei der Empörung.

Es war keineswegs das erste Mal, dass die wöchentliche Fernsehsendung „People of the South“ (übersetzt: Menschen des Südens) die Öffentlichkeit am Kap aufwühlte. Denn Tambo, Sohn des legendären Anti-Apartheid-Kämpfers Oliver Tambo, hat dank seines Vaters nicht nur glänzende Beziehungen zu vielen Prominenten. Der am Neujahrstag 1959 nahe Durban geborene Politologe, Filmemacher und Journalist gilt auch als charmant und schlagfertig, glänzt mit guten Manieren und Weltgewandtheit.

Manches davon hat er sich sicher während seines 30 Jahre langen Exils in Paris und London erworben. Er habe in jenen Jahren „Kultur und viel Weltoffenheit mitgenommen“, verriet er einmal in einem Interview. „Aber ich betrachte das Exil immer noch als eine Art Wunde, als ob jemand ein Stück von mir genommen hätte. Als ich zurückkam, war ich 31 Jahre alt und hatte die Kultur meines Volks verloren.“

Tambo hatte sich, dem Vorbild seines Vaters folgend, schon jung gegen das rassistische Apartheidsystem engagiert. 1986 gründete er die Organisation „Künstler gegen die Apartheid“. Erst als Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela 1990 nach 27 Jahren Gefängnis freigelassen wurde, kehrten auch die Tambos zurück ans Kap. Oliver Tambo wurde Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), erlebte aber nicht mehr die ersten demokratischen Wahlen 1994, die den ANC und Mandela an die Macht brachten.

Dali Tambo startete im selben Jahr seine Fernsehsendung, die zu einem der Glanzpunkte des südafrikanischen Staatsfernsehens SABC und auch ein Symbol des neuen, freien Südafrikas werden sollte. „Seine Sendungen stärken die nationale Identität“, schrieb die Fernsehzeitschrift „ScreenAfrica“ damals. Tambos Interviews seien „sensibel, aber doch bohrend“.

Zu Tambos Interviewpartnern in meist privatem Umfeld zählten neben vielen anderen auch Nelson Mandela, der frühere PLO-Präsident Jassir Arafat, der Milliardär Richard Branson sowie die US-Schauspieler Will Smith und Arnold Schwarzenegger. „Wir sind wie die CIA. Wir haben einen Raum voll von spionageähnlichen Akten über die Leute“, erzählt der sportliche Fernsehmann. Dali Tambo hat auch privat die politische Botschaft Mandelas nach Versöhnung und einer Identität unabhängig von der Hautfarbe befolgt. Seit 1998 ist der umtriebige Moderator und Unternehmer mit der weißen Schmuckdesignerin Rachel verheiratet. Sie haben vier Kinder.

2002 wandte sich Tambo vom Fernsehen ab, trieb seine unterschiedlichen Firmen voran – unter anderem will er einen öffentlich sehr umstrittenen Themenpark in Pretoria verwirklichen, wo 400 Bronzestatuen von Freiheitskämpfern präsentiert werden sollen. 2012 allerdings nahm Tambo seine Sendung mit großem Erfolg wieder auf. Vergangenes Jahr konnte er sogar den berüchtigten, interviewscheuen Autokraten Simbabwes, Präsident Robert Mugabe, in Harare besuchen. Aber die besondere Chance, beim Mittagessen im Hause Mugabe den gefürchteten Präsidenten im Greisenalter mit den Schrecklichkeiten seiner 33-jährigen Herrschaft zu konfrontieren, wurde zu einem der seltenen Eigentore Tambos – auch weil er den international geächteten Mugabe als „warm, charismatisch und sehr humorvoll“ beschrieb.

„Mugabe ist keine neutrale Figur. Der Versuch, seine ,weiche Seite’ zu zeigen, war zum Scheitern verurteilt“, schrieb die renommierte südafrikanische Wochenzeitschrift „Mail & Guardian“. Mugabe zu bitten, „seiner Frau in die Augen zu schauen und seine Liebe zu beschreiben ... ist eine Handlung von fast komischem Horror und eine Missachtung von Millionen Leidenden“, kritisierte das Blatt. Südafrikas Fernsehzuschauer honorieren Tambos Sendungen über die sehr persönliche Seite der Mächtigen aber meist mit hohen Einschaltquoten. Tambo verteidigte sein Mugabe-Interview mit dem Hinweis, er mache kein Politikmagazin: „Wir beschäftigen uns mit den Menschen.“ 

Von Laszlo Trankovits

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