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Fernsehen Darum lohnt sich der "Tatort" mit Til Schweiger
Nachrichten Medien Fernsehen Darum lohnt sich der "Tatort" mit Til Schweiger
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21:17 01.01.2016
Von Imre Grimm
Szene aus "Tatort – Der große Schmerz" mit Til Schweiger. Quelle: NDR/Gordon Timpen
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Hamburg

Es ist manchmal schon merkwürdig mit der ARD: Wenn sich Matthias Brandt im "Polizeiruf" in dunklen Tunneln herumtreibt, kriegt der Sender kalte Füße. Jugendschutz! Nicht vor 22 Uhr! Aber gegen eine angedrohte Spontanamputation essentieller Körperteile per Kreissäge zur Hauptsendezeit ist nichts weiter einzuwenden. Ist halt ein Til-Schweiger-"Tatort". Da gehört ein bisschen Schwund zur Folklore. Arme, Beine, Logik – kommt halt immer mal was weg. Und das geht nun mal nicht ohne Kleckern.

"Tatort: Der große Schmerz"
ARD | Mit Til Schweiger
und Helene 
Fischer
Freitag, 1. Januar
(Neujahr), 20.15 Uhr
Bewertung:
4 von 5 Sterne

"Tatort: Fegefeuer"
ARD | Mit Til Schweiger
Sonntag, 3. Januar,
20.15 Uhr

Nick Tschiller jedenfalls ist mal wieder in Bombenstimmung zum Auftakt von Teil drei seines explosiven "Tatort"-Mehrteilers aus Hamburg: Gangsterboss Firat Astan (Erdal Yildiz) sitzt seit Folge zwei ("Kopfgeld") zwar im Knast, kassiert im Kiez aber weiter ab. Der neue Innensenator Revenbrook (wundervoll windig: Arnd Klawitter) hat die Faxen dicke und will Astan von Fuhlsbüttel nach Bayern verlegen.

In seinem dritten Einsatz als "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller hantiert Til Schweiger wieder mit einem ganzen Waffenarsenal. Denn jetzt kommt es für den Hamburger Ermittler ganz dicke.

Der wittert seine Chance – und lässt Tschillers Ex-Frau Isabella (Stefanie Stappenbeck) und die 16-jährige Tochter Lenny (Luna Schweiger) entführen. Wenn Tschiller ihm nicht beim Ausbruch hilft, werden sie sterben. Tschiller startet einen verzweifelten Alleingang, um seine Familie zu retten – ohne seinen Partner Yalcin Gümer (wieder in grandioser Spiellaune: Fahri Yardim).

Dabei heftet sich die ukrainische Auftragskillerin Leyla an seine Fersen. Und man muss schon mehrfach hinsehen, um unter der dunklen Perücke und hinter den außerordentlich grünen Kontaktlinsen Helene Fischer zu erahnen. Noch mehr Kajal und schwarzer Lidschatten, und sie kriegt die Augen gar nicht mehr auf.

Den giftigen Satansbraten aber spielt sie so überzeugend diabolisch, als habe sie nie in einem Hängegeschirr unterm Stadiondach baumelnd "der größte Schatz, das ist Liebe pur / mein Gefühl braucht eine Flammenspur" gesungen. Ihre Leyla ist ein teuflisch böser Mix aus Catwoman, Xenia Onatopp und Andrea Berg. Eiskalt, präzise, undurchsichtig. Atemlos jagt sie ihre Opfer durch die Nacht. Das kann sie also auch noch, die Fischer.

Helene Fischer erweist sich als Glücksfall

Sich so konsequent entgegen dem Sauberfrau-Image besetzen zu lassen erfordert Mut. Ein echter Scoop, der nicht nur die mediale Erregung im Vorfeld dieses "Tatort"-Doppelschlags erhöht hat, sondern sich auch schauspielerisch als Glücksfall erweist. Sogar ihre Krasnojarsker Wurzeln spielt sie voll aus, mit russischem Akzent und slawisch umwölkten Blicken voller Todesverachtung ("Ich binn chart und grrausam; musst du ssein für Übberlebben"). Und dann haut sie auch noch eine Frau und sagt böse Wörter wie "ficken", die Helene!

Til Schweigers "Tatort"-Doppelfolge eröffnet das "Tatort"-Jahr 2016 – mit so viel Action und Testosteron, dass selbst Helene Fischer kaum wiederzuerkennen ist.

Und Schweiger? Gibt weiter glaubhaft den harten Hund, der sich am Ende gar eine Panzerfaust besorgt, um die Sache auf Männerart zu erledigen – als Bazooka Joe von der Waterkant. Bis hin zum maritimen Showdown auf einem rostigen Containerschiff.

Nick Tschillers Rachefeldzug am Sonntag

Wieder liefern Regisseur Christian Alvart und Drehbuchautor Christoph Darnstädt einen perfekt ausbalancierten, hochspannenden Popcorn-Thriller ab, der von deutscher Krimibetulichkeit so weit entfernt ist wie Schweiger vom Iffland-Ring. Was im Weg herumsteht, wird erschossen. Aber platt ist "Der große Schmerz", der nach den Pariser Anschlägen im November verschoben worden war, an keiner Stelle.

Im vierten Teil am Sonntag ("Fegefeuer") – der vorab nicht gezeigt wurde – begibt sich Tschiller dann auf einen persönlichen (Rache-)Feldzug, der erst am 4. Februar 2016 endet, wenn in den deutschen Kinos der fünfte und letzte Teil der Reihe anläuft. Der Kinotitel "Off Duty" deutet’s schon mal an: Tschiller schwankt zwischen Polizistenpflicht und persönlichen Motiven. Dann wird auch enthüllt, was es mit dem vielfach erwähnten "Masterplan" des Astan-Clans in Hamburg auf sich hat.

Weitere "Tatort"-Folgen mit Til Schweiger geplant

Der Bulle am Limit – das ist sicher keine brüllend originelle Krimivariante. Die vier Hamburger "Tatorte" und der Kinofilm aber werden dereinst zum Thrillerkanon des deutschen Fernsehens gehören. Für vier weitere Folgen hat Schweiger bereits unterschrieben. Auch sie werden wieder eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Drehstart ist nicht vor 2017. Das muss man erst mal schaffen: über 450 Minuten pausenlos die Spannung zu halten, ohne dass das Publikum den Hauch einer Ahnung hat, worum es eigentlich wirklich geht.

Tschillers Partner Gümer geht’s da nicht anders. Auch er rätselt über die Motive seines taumelnden Kumpels. "Wir sind hier nicht in Texas", herrscht er Tschiller an – "du kannt nicht alles kaputtmachen!" – "Es ist schon alles kaputt", sagt der. "Ist es nicht", sagt Gümer. "Wir sind die Guten!" – "Ich nicht mehr", sagt Tschiller. Stahlblick. Grummelbass. Dunkle Wolken. Solche Männer lesen nicht "Beef". Solche Männer essen Kühe roh.

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