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Kommissar Faber und die tödlichen Bonbons

"Tatort" aus Dortmund Kommissar Faber und die tödlichen Bonbons

Im siebten "Tatort" aus Dortmund steht Kommissar Faber wieder einmal am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und genauso wie in den bisherigen sechs Krimis aus der Stadt im Ruhrgebiet überzeugen Drehbuch und Schauspieler auch in "Kollaps".

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Hat Roland (Sönke Möhring, r.) Dreck am Stecken? Nora Dalay (Aylin Tezel, l.) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) wollen's wissen.

Quelle: ARD

Dortmund. Wenn sich ein "Tatort" fast nahtlos in die Nachrichten über Flüchtlinge, Wutbürger und überforderte Kommunen einfügt, die man zuvor in der "Tagesschau" gesehen hat, dann verursacht das Gänsehaut. "Kollaps" heißt der siebte Krimi des Dortmund-Teams um Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). Ein Titel, der sich nicht nur auf den Tod eines sechsjährigen Mädchens bezieht.

Emma liegt im Sandkasten, rührt sich nicht. Die Sechsjährige hatte ein Tütchen mit bunten Kapseln ausgebuddelt – bei einer Razzia am Vorabend hatten die Geschwister Naira und Jamal (Warsama Guled) ihren Kokainvorrat einfach in den Sand geworfen.

Die Nerven liegen blank

Weil Dealer den Spielplatz in Dortmunds Problemviertel Nordstadt in der Hand haben, hat das Mädchen keine Chance. Die Koks-"Bonbons" sind mit Medikamenten gestreckt, Emma stirbt an Herzversagen – Kollaps. Auch Notfallsanitäter Oliver Lahnstein (Axel Schreiber) versagen beim Einsatz die Nerven: Sein Vater Dieter (Werner Wölbern) ist mit Emmas Eltern befreundet.

Die Nerven liegen blank in diesem "Tatort". Kommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) beobachtet den Rettungsversuch auf dem Spielplatz vom Fenster ihres Anwalts aus. Der hat ihr gerade verkündet, dass ihr Ehemann das Sorgerecht für die Söhne beantragt.

Den Frust trägt die Ermittlerin, die im Hotel lebt und sich mit Männerbekanntschaften ablenkt, mit in den Fall. Genau wie Kollege Daniel Kossik (Stefan Konarske), der über die Trennung von Nora Dalay (Aylin Tezel) und die Abtreibung des gemeinsamen Babys nicht hinwegkommt und bei jeder Gelegenheit über den neuen Freund herzieht.

Ein alter Bekannter

Und Faber? Der Kommissar mit der gebrochenen Psyche wirkt in diesem Team am Rande des Nervenzusammenbruchs wie immer. Am Tatort Sandkasten kreisen alle Ermittler um die Leiche, nur er gräbt frenetisch mit bloßen Händen im Sand. "Was macht er da?", fragt ein Kollege. "Er fabert rum", sagt die Gerichtsmedizinerin resigniert.

Doch die Faber-Methode zieht: Der Kommissar gräbt weitere Beutel aus, die Spur führt zu einem alten Bekannten aus Fabers Dortmunder Anfangstagen: Den türkischen Gangster Tarim Abakay (Adrian Can) kennt man aus der zweiten Dortmund-Episode. Jetzt versucht er, sein Revier in der Nordstadt zurückzuerobern. Faber, bekannt für Methoden am Rande der Legalität, setzt Abakay unter Druck, für ihn die Dealer auf der Flucht aufzutreiben.

Deren Schicksal passt zur Nachrichtenlage: Die Geschwister Naira und Jamal stammen aus dem Senegal. Vergewaltigung, Folter, gefährliche Flucht über das Mittelmeer, Einreise über Lampedusa, Endstation Drogengeschäft. "Das ist ein gesellschaftlicher Tsunami, der auf uns zurollt", wettert Dieter Lahnstein, der Emmas Vater Roland Siebert (Söhnke Möhring) in seinem Schmerz unterstützt.

Irgendwie verlieren alle

"8000 Bulgaren leben in der Nordstadt", zählt Lahnstein auf. Dazu Schwarzafrikaner, Afghanen, Iraker. Sie seien schuld, dass das Viertel vor die Hunde gehe. Ein Mann auf Rachefeldzug? Kurz darauf wird die 18-jährige Naira mit eingeschlagenem Schädel gefunden, am Tag danach stirbt ein weiterer Dealer.

Der Dortmund-"Tatort" bleibt seiner Linie konsequent treu: Ein gutes Drehbuch am Puls der Zeit, exzellente Schauspieler, Charaktere, die sich weiterentwickeln. Denn Faber dackelt wie ein Schutzhund auf der Fährte seiner Kollegin Bönisch: "Amokläufe sind eigentlich mein Ding", warnt er sie.

Am Ende dieses Krimis sind irgendwie alle Verlierer. "Er ist eine arme Sau", sagt Faber über den jungen Dealer Jamal. Und man könnte meinen, er redet auch ein bisschen über sein eigenes Schicksal.

Von Andrea Tratner

Tatort: Kollaps
ARD, Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung: vier von fünf Sternen
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