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So wird der Kölner "Tatort"

Ein mutiges Flüchtlingsdrama So wird der Kölner "Tatort"

Flüchtlingsdrama: Der „Tatort: Narben“ greift ein schwieriges Thema mutig auf. Er ersäuft nicht in der sonst üblichen politischen Korrektheit, die Flüchtlinge stets und grundsätzlich als arme Opfer schlimmster Verhältnisse plakativ vorführt, sondern zeigt auch und vor allem die Schattenseiten der massenhaften Immigration.

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Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, Mitte) mit dem Leiter der Flüchtlingsunterkunft (Volker Muthmann).

Quelle: ARD

Das geschieht hier am Beispiel von Schutzsuchenden, die den Krieg in ihrer Heimat nach Deutschland importiert haben – als Leidtragende, aber eben auch als grausame und noch immer aktive Täter. Dass also Mörder und Traumatisierte, Folterer und Gefolterte nebeneinander bei uns leben, mag zwar nicht gerade auf die Zuschauer dieses Krimis beruhigend wirken. Aber wer Probleme wie die Mehrzahl thematisch ähnlicher Fernsehfilme ängstlich verschweigt, macht sie letztlich nur noch größer.

Im Mittelpunkt dieses „Tatorts“ stehen vier aus dem Kongo geflüchtete Menschen, die in dem Krimi „Narben“ schicksalhaft aufeinandertreffen. Zwei von ihnen sterben früh, die anderen beiden stehen sich am Ende bedrohlich gegenüber. Los geht es jedoch mit der obligatorischen „Tatort“-Leiche: In der Nähe eines Kölner Krankenhauses wird der dort arbeitende afrikanische Arzt Patrick Wangila (gespielt vom früheren nigerianischen Flüchtling und Boxer Jerry Elliott) aufgefunden.

Er wurde in der Nacht auf seinem Nachhauseweg erstochen. Als Erstes durchleuchten die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) das Umfeld des Toten, der mit einer Deutschen (Anne Ratte-Polle) verheiratet gewesen ist. Sie weiß allerdings erstaunlich wenig von ihrem Mann, und ihre Aussagen widersprechen sich mit denen der Krankenschwester Angelika (Laura Tonke). Dann ist da noch Wangilas Kollegin Sabine Schmuck (sehr stark: Julia Jäger), die in der Flüchtlingshilfe aktiv ist und dem Arzt die Stelle am Krankenhaus besorgt hat. Warum sie ihn spät in der Nacht kurz vor seinem Tod in seinem Büro anrief, scheint seltsam.

Als der Gerichtsmediziner feststellt, dass der ermordete Arzt kurz vor seinem Tod Geschlechtsverkehr gehabt hat, deutet vieles auf eine Beziehungstat hin. Doch bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare auf einen wenige Tage zurückliegenden tragischen Vorfall. Bei einer Razzia in einem Flüchtlingsheim starb offenbar durch einen Unfall eine Kongolesin, während ihre durch den Krieg in ihrer Heimat schwer traumatisierte Begleiterin (Thelma Buabeng) panisch flüchtete. Und vor Ort war als Notfallarzt – welch merkwürdiger Zufall – Doktor Wangila. Dessen Bruder Theo (Jerry Kwarteng) wiederum will um jeden Preis den Täter finden. Und sein Körper ist wie der der tödlich verunfallten Frau übersät mit schrecklichen Folternarben.

Drama statt Frotzeleien

Dieses auch für die Kommissare lange Zeit recht undurchsichtige Krimidrama (Drehbuch: Rainer Butt), bei dem der Zuschauer zudem gleich mehrfach auf falsche Fährten gelockt wird, besticht vor allem durch seine beängstigende Atmosphäre. Selbst die sonst üblichen Frotzeleien zwischen Ballauf und Schenk treten diesmal in den Hintergrund, auch ihre privaten Probleme und Befindlichkeiten spielen keine Rolle. Das tut der erzählten Geschichte und dem behandelten unbequemen Themen richtig gut.

Zudem gelingen dem erfahrenen Krimiregisseur Torsten C. Fischer äußerst starke und differenzierte Frauenfiguren, die diesen Film weitgehend tragen. Hervorzuheben ist da besonders die Ärztin Schmuck, die wegen ihrer großen seelischen Belastung bei der Arbeit mit traumatisierten Frauen zur Flasche greift.

Von Ernst Corinth

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