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Stilles Krimidrama statt Schweiger-Geballer

"Tatort: Rebbeca" Stilles Krimidrama statt Schweiger-Geballer

Der "Tatort" aus Konstanz ist im Vergleich zu den Schweiger-Krimis ein ruhiger Film. In "Rebecca" geht es um die Entführung eines Mädchens. Es ist der vorletzte Fall für Eva Mattes und Sebastian Bezzel.

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Ihr vorletzter Fall: Eva Mattes als Klara Blum und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann.

Quelle: ARD

Konstanz. Es ist „Tatort“ und es wird nicht geballert? Nach den Nick-Tschiller-Festwochen und jeder Menge Mündungsfeuer, Leichen und Verfolgungsjagden durch Hamburg wartet an diesem Sonntag ein stilles Krimidrama aus Konstanz auf den Zuschauer. „Rebecca“ ist der vorletzte Fall von Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) – und pendelt zwischen psychologischer Studie und Kriminalfall.

„Ein gutes Mädchen wird jeden Morgen mit der Sonne aufstehen und zu ihrem Erzieher beten.“ Die junge Frau, die neben der verbrannten Leiche von Olaf Reuter kniet, wurde mit zwei Jahren entführt. Ihre Welt endete im Garten des Architekten, dicke Mauern schirmten sie vom Leben ab. Ihr „Erzieher“ gab ihr einen neuen Namen, eine eigene Zeitrechnung, ein neues Weltbild – er formte sie nach seinen Regeln, seinen Fantasien. Das Mädchen Rebecca existiert nach 15 Jahren in Gefangenschaft nicht mehr, nur eine willenlose Seele. „Ein Mädchen kann nicht ohne Erzieher sein.“

"Tatort: Rebbeca"
ARD | Krimi aus Konstanz
Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung:
3 von 5 Sternen

Drehbuchautor Marco Wiersch, studierter Psychologe, trug die Idee zu diesem Krimi zehn Jahre lang mit sich herum. Natascha Kampusch, Josef Fritzl – damals „gab es viele Krimis, die sich an den sensationalistischen Aspekten der Fälle weideten. Ich hatte wenig Lust, mich da einzureihen“, sagt er. Mit dem nötigen Abstand hat er die Vorlage zu einem Krimi geliefert, der sich der Hauptperson Rebecca behutsam nähert. Ein Krimi wird erst daraus, als im Haus von Reuter Hinweise gefunden werden, dass noch ein weiteres Kind dort in Gefangenschaft gelebt hat.

Die einzige Zeugin ist Rebecca. Doch wie befragt man einen Menschen, der eine ganz andere Form der Kommunikation gelernt hat? Dem ein Leben lang eingetrichtert wurde, nur auf den „Erzieher“ zu hören?
Im Herbst 2016 ist Schluss mit dem oftmals behäbig wirkenden Bodensee-

„Tatort“, in Freiburg übernimmt das Team rund um Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner und ARD-Edel-Einkauf Harald Schmidt. Kurz vor der Ziellinie schlägt die große Stunde des ewigen Konstanz-Assistenten Perlmann: Er ist der Einzige, den Rebecca als neue Autorität akzeptiert. Perlmann ist mit der Verantwortung überfordert. Er muss Druck auf das Mädchen ausüben, um Informationen zu bekommen. Gleichzeitig sitzt ihm eine Psychologin (Imogen Kogge) im Nacken, die das Opfer schützen will. „Auf so etwas wird man nicht vorbereitet auf der Polizeischule“, klagt er. Gro Swantje Kohlhof spielt die Rebecca mit zarter Zerbrechlichkeit: Ein Kind im Körper einer jungen Frau, das lernen muss, eigene Entscheidungen zu treffen. Und zu akzeptieren, dass die makellose Schrift ihres Peinigers Reuter (der sein strenges Regelwerk am Computer verfasst und ausgedruckt hat) kein Gottesbeweis ist. Interessante Parallele: Im Bremer „Tatort: Die Wiederkehr“ spielte sie 2015 eine junge Streunerin, die sich in eineFamilie einschleicht – indem sie vorgibt, die als Kind entführte Tochter zu sein.

Von Andrea Tratner

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