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"Tatort" heute: Lohnt sich das Einschalten?

"Totenstille" in Saarbrücken "Tatort" heute: Lohnt sich das Einschalten?

Während in einem Hotel gerade ein Leichenschmaus stattfindet, kommt ein Stockwerk höher eine Frau beim Sex ums Leben. Der "Tatort: Totenstille" aus Saarbrücken ist zwar keine Offenbarung in der deutschen Filmlandschaft – aber immerhin ein recht kurzweiliger Krimi.

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Authentizität ist ihm wichtig: Devid Striesow alias Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink lernt am PC Gebärdensprache.

Quelle: Manuela Meyer/SR/dpa

Saarbrücken. Es geht also doch: Nach vier arg misslungenen "Tatort"-Fällen aus Saarbrücken, mit denen offenbar klammheimlich mit unglaublich schlechten Witzen und noch schlechteren Laienspieldarbietungen die Schmerzgrenze der Zuschauer getestet werden sollte, ist Devid Striesows fünfter Film in dieser Reihe durchaus sehenswert.

Zwar ist "Totenstille" keine Krimi-­Offenbarung, aber immerhin ein grundsolider Fall. Neben der üblichen TV-Ermittlungsarbeit, die auch hier ein wenig zu routiniert und zu klischeehaft bemüht wird, bietet er vor allem interessante und gut inszenierte Einblicke in die Welt der Gehörlosen.

"Tatort: Totenstille"
ARD|
Krimi aus Saarbrücken

Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung: 3 von 5 Sterne

Dabei werden die Rollen der Gehörlosen allesamt von gehörlosen Schauspielern gespielt, auch die des Hauptverdächtigen Ben (Benjamin Piwko). Der Zuschauer wird beispielsweise mit Szenen überrascht, in denen erst noch gesprochen wird und dann plötzlich nur noch die Lippen bewegt werden. Das wird manchen anfangs vielleicht so irritieren, dass er an der Fernbedienung überprüfen wird, ob er nicht versehentlich die Stummtaste gedrückt hat. Das macht aber nichts, weil diese Szenen letztlich bestens funktionieren. Und wem das überhaupt nicht gefällt, kann ja immer noch die Untertitel einschalten.

Auch Striesow selbst, der ja schon oft bewiesen hat, dass er ein wunderbarer Schauspieler ist, überzeugt endlich in seiner Rolle als Kommissar Jens Stellbrink. Zwar ist er immer noch ein schrulliger Typ, der als komischer Easy Rider mit seiner Vespa und Reggae-Musik im Ohr durch Saarbrücken rollt und ab und an die Leute in seiner Umgebung hübsch ironisch veräppelt.

Aber das nervige Overacting, also der übertriebene Witzzwang, ist zum Glück völlig verschwunden. Auch, dass er bei seinen Auftritten oft wie der kleine Bruder von Hape Kerkeling agiert, verzeiht man ihm gern. Vielleicht liegt diese Ähnlichkeit auch daran, dass er den Hape derzeit im Kinofilm "Ich bin dann mal weg" erstaunlich echt verkörpert.

Der Fall erscheint anfangs ziemlich kompliziert: Während in einem Hotel gerade ein Leichenschmaus für den bekannten Leiter einer Gehörloseneinrichtung stattfindet, kommt ein Stockwerk höher eine Frau beim Sex ums Leben. Der vermeintliche Täter (Martin Geuer) ruft kurz danach vor dem Hotel in seinem Auto einen Freund an, der für ihn die Leiche entsorgen soll. Er fühlt sich dabei unbeobachtet, doch Ben, ein gehörloser Gast der Totenfeier, liest ihm zufällig den Telefondialog von den Lippen ab und versucht anschließend, ihn zu erpressen.

Dann wird die Leiche der Frau gefunden, es wird ermittelt, auch unter den Gästen des Leichenschmauses. Doch eine Verbindung zu diesem mutmaßlichen Mordfall lässt sich nicht herstellen, bis wenig später die gehörlose Freundin von Ben erdrosselt aufgefunden wird. Das alles ist durchaus spannend, obwohl geübte Krimi-Freunde den Täter vermutlich recht schnell erraten werden.

Kurzum: Alles in allem ein recht kurzweiliger Fall aus Saarbrücken, bei dem das Team um Regisseur Zoltan Spirandelli und Drehbuchautor Peter Probst fachkundig beraten wurde von der Lippenleserin und Bloggerin Julia Probst, die schon bei der WM 2014 getwittert hat, was sie von den Lippen der deutschen Kicker und ihrem Trainer ablesen konnte. Ihr verdanken wir auch die zahlreichen Szenen, in denen mehr mit den Händen geredet wird als sonst in Krimis. Was ganz schön angenehm sein kann.

Von Ernst Corinth

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