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So gut war der neue "Tatort" aus Kiel

Borowski-Fortsetzung So gut war der neue "Tatort" aus Kiel

Ausgerechnet Klaus Borowski (Axel Milberg), der Melancholiker aus Kiel, sorgte für eine ungewöhnliche "Tatort"-Premiere. Zum ersten Mal in der langen Geschichte der beliebten Krimireihe wird ein früherer Fall nach langer Pause wieder aufgegriffen und fortgeführt. Und was für einer - findet auch das Netz.

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Fast könnte man meinen, sie mögen sich: Verbrecher Kai Korthals (Lars Eidinger, l.) und sein Jäger Borowski (Axel Milberg).

Quelle: ARD/dpa

Kiel. Vor gut drei Jahren glänzte Lars Eidinger in "Borowski und der stille Gast" als grausamer Psychopath Kai Korthals, der tagsüber als freundlicher Postbote arbeitete, sich sogar um vereinsamte Frauen kümmerte, ihnen Geschenke machte, um sie dann schließlich brutal zu töten. Eine schillernde Figur, an die sich wohl viele noch erinnern werden, auch weil der Täter am Schluss Kommissar Borowski und seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) entwischte. Was ja selten genug im " Tatort" vorkommt und damals aufgeregt öffentlich diskutiert wurde.

Serienkiller ist wieder da

Und nun ist dieser Serienkiller in "Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" (Drehbuch erneut: Sascha Arango) plötzlich wieder da, hat sich aber verändert. Zwar neigt er immer noch zu plötzlichen Gewaltausbrüchen, aber aus dem eiskalten Psycho ist inzwischen ein von seiner seelischen Erkrankung Getriebener geworden. Ein äußerlich eher zurückgenommener Typ, der um Anerkennung bettelt und darauf beharrt: "Ich bin kein schlechter Mensch." Er ist Vater geworden, schneidet das Baby jedoch aus dem Bauch der geisteskranken Mutter, weil es – wie er sagt – einfach nicht zur Welt habe kommen wollen. Ein bizarrer Vorgang, der den späteren Tod der Frau zur Folge hat.

"Entsorgt" hat Korthals sie in einer Gefriertruhe am Strand, wo sie noch lebend gefunden wird. Als sie den ermittelnden Polizisten stammelnd erzählt "Er kommt überall rein, er kommt durch die Wand", erinnern diese Worte Sarah Brandt mit Schrecken an den vor Jahren verschwundenen Mörder, der sie damals in der Gewalt gehabt hat.

Borowski hat sich verändert

Sofort wendet sich Brandt an Borowski, dem allerdings überhaupt nicht der Sinn nach Mord und Totschlag steht. Er wandelt nämlich gerade auf Freiersfüßen, steht kurz davor, die Psychologin Frieda Jung (Maren Eggert) zu heiraten, die auch wieder in den Kieler-"Tatort" zurückgekehrt ist. Und auch äußerlich hat sich Borowski verändert. Er trägt jetzt ein fesches Oberlippenbärtchen, wirkt frischer und hat irgendwie gute Laune. 

Doch das soll sich bald ändern, was auch zu erwarten war: Einen einsamen Wolf wie Borowski mag man sich einfach nicht vorstellen als glücklichen Ehemann, der in einer adretten Altbauwohnung lebt und morgens als pflichtbewusster Beamter mit Butterbrot ins Amt fährt. Ein bisschen kaputt und verletzlich muss ein Held wie er nun einmal sein, das kennt man ja aus zahllosen Hollywood-Streifen. Und so wird auch das sich anbahnende Eheglück bedroht, natürlich von dem personifizierten Bösen: Kai Korthals.

Dieser musste sein erkranktes Baby kurz zuvor Ärzten überlassen. Nun will er es zurückhaben und nimmt Frieda Jung als Geisel, um Borowski zu erpressen. Das ist der Beginn eines von Claudia Garde furios inszenierten Psychoduells zwischen dem Bullen und dem Killer, bei dem sich beide sehr nahe kommen. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Jedenfalls mehr, als es Borowski lieb sein kann, der in diesem Zweikampf seine Kollegen belügt, verzweifelt zur Selbstjustiz greift, um sich dann am Schluss doch als ganz cooler Hund zu erweisen. Dazu entwirft die Regisseurin in diesem Ausnahme-"Tatort" eine Atmosphäre des Bedrohlichen. Sie überrascht den Zuschauer oft mit kleinen wunderbaren Einfällen und Wendungen. Die Bildsprache ist einfach fantastisch. Viel besser kann man einen Krimi jedenfalls nicht inszenieren. Kurzum: ein echtes Meisterstück aus Kiel.     

Von Ernst Corinth

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