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19:55 03.04.2016
Von Christiane Eickmann
Weiß sie etwas über den Prostituiertenmord? Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, rechts) gibt einer Zeugin (Sophie Rogall) seine Visitenkarte, während sein Kollege Ivo Batic (Miroslav Nemec) sich im Hintergrund hält.Foto: BR Quelle: BR
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Die Szene passt zum düsteren Krimi mit dem sprechenden Titel „Mia san jetz da wo’s weh tut“ und seinen routinierten Ermittlern. Ihr Ehrentag ist ihnen nämlich ziemlich egal. Lediglich wenn Batic „Das hab’ ich in 25 Jahren nicht erlebt“ seufzt und das ergraute Haupt schüttelt, wird die Zahl thematisiert.

In den Münchner „Tatorten“ ist es nie darum gegangen, das Wohlfühl-Prosit-der-Gemütlichkeit-Bayern zu inszenieren. Der aktuelle ist besonders böse. Schon die Einstiegsszene zeigt unter anderem eines der ärmsten Viertel Europas, Ferentari in Bukarest. Von dort aus machen sich viele jungen Frauen nach Westeuropa, also auch nach München, auf, um ihr Geld als Prostituierte zu verdienen. Im „Tatort“ wurde eine von ihnen, die 19-jährige Aurelia Rubin, misshandelt und erwürgt. Ihr Cousin gesteht die Tat und wird rasch verurteilt.

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Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) vom LKA Niedersachsen in Hannover ist seit 2002 im Dienst.

Für Leitmayr ist der Fall damit erledigt, doch Batic kommen plötzlich Zweifel. Haben beide vor fünf Monaten vielleicht nicht gründlich genug ermittelt? Der Verdacht stellt sich als richtig heraus, bei der Polizeiarbeit wurden Fehler gemacht, viele Fragen sind noch offen, der Fall wird neu aufgerollt. Drehbuchautorin Catharina Schuchmann und Regisseur Max Färberböck hätten es sich einfach machen können: Gerechtigkeit für die tote Prostituierte, Batic und Leitmayr Helden, wahre Hintermänner im Gefängnis.

Doch das Gegenteil tritt ein: Die Münchner Kommissare machen eigentlich alles richtig und lösen doch eine tragische Kettenreaktion aus, bei der viele weitere Menschen ihr Leben lassen. Sie gewinnen dabei Einblicke in ein brutales Milieu, in dem Prostituierte als „freie Unternehmerinnen“ nie länger als drei Wochen in einer Stadt bleiben, bevor sie weitergeschickt werden, um in einem anderen Bordell ausgebeutet zu werden.

Klischeehafte Verstrickungen der Reichen und Schönen

Dieser „Tatort“, der dem Zuschauer jede Katharsis rigoros verwehrt, ist ein würdiger Geburtstagskrimi. Großartig besetzt mit einem wienerisch-schnöseligen Robert Palfrader („Braunschlag“) als Bordellbetreiber Harry Schneider und Max von der Groeben, der als sensibler Beschützer der Prostituierten Mia Petrescu (Mercedes Müller) zeigen kann, dass er mehr sein kann als der Dummkopf aus „Fack ju Göhte“ und „Bibi und Tina“. Lediglich die Verweise auf die Verstrickungen der Reichen und Schönen à la „Derrick“ sind arg klischeehaft geraten.

Nemec und Wachtveitl geben glaubhaft, aber nie gelangweilt ein Duo, das in den 25 Jahren zusammengewachsen ist wie ein altes Ehepaar. Man versteht sich wortlos, spielt sich die Bälle zu, ist aber auch mal voneinander genervt. Die Lust, gemeinsam zu feiern, ist schon lang nicht mehr da.

Kinoreife Bilder

Intelligent zusammenmontiert wird die Geschichte aus Sicht der Ermittler, des Bordellbesitzers, der fliehenden Zeugin Mia sowie ihres Beschützers Benny erzählt. Dazu passend hat Kameramann Alexander Fischerkoesen mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten kinoreife Bilder geschaffen.

Nemec und Wachtveitl haben schon signalisiert, auch nach 25 Jahren mit dem „Tatort“ erst einmal weiterzumachen. Mit solchen Drehbüchern gerne. Altes Ehepaar hin oder her.

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