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Kölner „Tatort“ ist realer als die Polizei erlaubt

Fall Annika B. Kölner „Tatort“ ist realer als die Polizei erlaubt

Beim „Tatort“ haben hannoversche Zuschauer am Sonntag möglicherweise kurz gestutzt. In der Sendung ist ein echtes Phantombild aufgetaucht, das die Polizeidirektion Hannover im November 2011 im Mordfall Annika B. veröffentlicht hatte. Die Polizei war nicht informiert und zeigt sich irritiert.

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In der Folge „Wahre Liebe“ ist offenbar ein echtes Phantombild aufgetaucht.

Quelle: dpa/Montage: HAZ

Köln. Die Fernseh-Krimis um die beiden „Tatort“-Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk heben sich meist wohltuend von vielen anderen TV-Ermittlern ab. Das liegt vor allem daran, dass sich die Autoren darum bemühen, den Alltag der beiden beliebten Kölner Polizisten besonders realistisch darzustellen. Doch jetzt sind die Macher ein wenig über das Ziel hinaus geschossen. Am Sonntag in der Folge „Wahre Liebe“ verwendeten sie ein Phantombild, das vielen hannoverschen „Tatort“-Fans nur allzu bekannt vorkam. In einer Szene des Fernsehkrimis waren Ballauf und Schenk, die eigentlich den Mord an der Chefin einer Internet-Partnerschaftsvermittlung aufklären sollten, vor dem echten Phantombild des mutmaßlichen Mörders der Studentin Annika B. zu sehen. Die junge Frau wurde im November 2011 vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße auf äußerst brutale Weise mit einem Messer getötet. Zwei Jahre später schloss die Mordkommission die Ermittlungsakten des Falls vorläufig. Der Mörder der jungen Frau, die eine kleine Tochter hinterließ, ist bislang noch immer nicht gefasst.

Bei der Polizeidirektion Hannover, die mit der Suche nach dem Mörder von Annika B. betraut war, ist die Vorgehensweise der Fernsehmacher auf Unverständnis gestoßen. „Wir sind irritiert über die Verwendung eines Original-Phantombildes zu einem völlig anderen Sachverhalt“, teilt ein Behördensprecher mit. Die Polizeidirektion sei von der Produktionsfirma der „Tatort“-Folge nicht vorab  informiert worden, heißt es von der Polizei weiter. Beim Westdeutschen Rundfunk, der für die Kölner Ausgabe des „Tatort“ verantwortlich ist, ist man sich keiner Schuld bewusst und verweist auf die Produktionsfirma. Die Bavaria Fernsehproduktion habe mitgeteilt, das im Film gezeigte Foto sei eine Vorlage aus dem Internet. „Es war nicht bekannt, dass es sich um ein in einem realen Ermittlungsverfahren benutztes Bild handelt“, sagt WDR-Sprecherin Barbara Feiereis. Es ist nicht das erste Mal, dass dem Sender ein solcher Fauxpas unterläuft. Im Köln-„Tatort“, der im November 2001 ausgestrahlt wurde, war ein reales Fahndungsfoto des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos zu sehen.

Die Eltern von Annika B. haben die unverhoffte Ausstrahlung des Fahndungsfotos nicht unmittelbar mitbekommen. Nach Angaben ihres Rechtsanwalts Matthias Waldraff befinden sie sich gerade auf dem Weg nach Rumänien. „Wir freuen uns über jede Chance, das Thema in der Öffentlichkeit präsent zu halten“, sagt der Strafverteidiger der HAZ. Eine Sendung wie der „Tatort“ habe hohe Einschaltquoten. „Vielleicht kann ja einer der Zuschauer mit dem Phantombild etwas anfangen“, sagt Waldraff. Tatsächlich sahen am Sonntag 10,6 Millionen Menschen den Fernsehkrimi. Mit einem Marktanteil von 30,7 Prozent war der „Tatort“ am Sonntag die Sendung mit den meisten Zuschauern. Damit verfehlten die Kölner nur knapp den Rekord, der vor einer Woche von den Kollegen Jan Josef Liefers und Axel Prahl aus Münster aufgestellt wurde. Den Krimi „Mord ist die beste Medizin“ sahen 13,13 Millionen Zuschauer.

"Tatort" zumindest in Zahlen ein Erfolg

Der Kölner "Tatort" ließ die Konkurrenzprogramme am Sonntagabend weit hinter sich. 10,60 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 30,7 Prozent) schalteten um 20.15 Uhr den Kölner Krimi mit dem Titel "Wahre Liebe" und den Ermittlern Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ein. Vor einer Woche noch hatten Jan Josef Liefers und Axel Prahl mit ihrem Krimi "Mord ist die beste Medizin" aus Münster, den 13,13 Millionen Zuschauer sahen, die beste "Tatort"-Quote seit mehr als 20 Jahren geholt.

 

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