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Nachrichten Medien Fernsehen Die Nomadin im ARD-Hauptstadtbüro
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00:17 27.08.2015
Zuletzt berichtete Tina Hassel aus Washington. Nun ist die 51-Jährige Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios. Quelle: Jürgen Welter/WDR/dpa
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Berlin

Tina Hassel empfindet sich selbst als Nomadin. Zu verharren ist nun einmal nicht ihr Ding. Die Journalistin will raus, sucht das Unerwartete, will selber spüren, wie sich etwas anfühlt. Routine ist ihr ein Gräuel. Das spiegelt sich in ihrem Werdegang. Von Köln zog es sie nach Paris, nach Brüssel, anschließend zurück nach Köln. Korrespondentin war sie, Auslandschefin, Moderatorin, immer aber blieb sie dem WDR, ihrem Haussender, treu. Zuletzt berichtete die 51-Jährige aus Washington. Sie saß gerade im Auto, als ihr Telefon klingelte. Tom Buhrow war dran. Sie werde Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin, sagte der Intendant. Hassel fuhr rechts ran. „Yeah“, rief sie laut.

Seit Juli ist die Mutter dreier Teenager mitsamt Mann und Hund Trooper zurück in Deutschland. In ihrer neuen Funktion hatte sie gleich zu Beginn eine der wohl routiniertesten Veranstaltungen zu absolvieren, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen kennt: die Sommerinterviews. Am Sonntag sollte Sigmar Gabriel den Reigen schließen, den Simone Peter von den Grünen eröffnet hat. Es folgten die Kanzlerin, Gysi, Seehofer. Man kann nicht behaupten, dass Tina Hassel aus der sommerlichen Routine ausgebrochen wäre. Politiker seien Profis, die veränderten sich nicht, bloß weil ihnen jemand anderes gegenübersitzt, sagt Hassel. Vor allem Gysi, der sei wirklich schwer zu bremsen, er habe so eine charmante Art, nicht zu antworten. Immerhin sei es ihr gelungen, die Gespräche lebendiger zu führen, findet sie. Das habe ihr auch ihr Umfeld bescheinigt.

Schon in der Schule hieß es, sie habe ein Problem mit Autoritäten

Von ihrem Büro aus blickt sie aufs Kanzleramt. Ihr Augenmerk gilt jetzt der Bundespolitik: Griechenland, Flüchtlingskrise, Ukraine-Konflikt, NSA. Viel spannender Stoff für einen Politikjunkie, als der sich Tina Hassel selbst bezeichnet. Natürlich liegt ihr auch das deutsch-amerikanische Verhältnis am Herzen. Sie ist Mitglied der Atlantikbrücke, einem Netzwerk, das ihr als Forum zum kontroversen Austausch und zur Kontaktpflege diene, sagt sie. Die Kritik, eine derartige Mitgliedschaft vereinnahme, weist sie zurück. Schon in der Schule hieß es, sie habe ein Problem mit Autoritäten. Das stimme zwar so nicht, sagt sie. Tatsächlich gewinne in ihren Augen aber niemand an Bedeutung, der einen Stern mehr auf der Schulterklappe trägt.

Was wird sie anders machen als ihr Vorgänger Ulrich Deppendorf? Häufiger rausgehen will sie, das Studio verlassen, diese bunkerartige Festung. Interviews für den „Bericht aus Berlin“ will sie auch mal auf die Straße verlegen, dorthin, wo die sind, für die Politik gemacht wird. Das birgt zwar die Gefahr, dass Unvorhergesehenes passiert. Genau das aber ist ihre Absicht. Parallel arbeitet sie an einem Konzept, wie sie die Präsenz des ARD-Hauptstadtbüro in sozialen Netzwerken verstärkt.

Nur bei einer Frage reagiert sie betont routiniert mit dem immerselben Satz: Wenn es darum geht, dass sie die erste Frau an der Spitze des ARD-Hauptstadtstudios ist. Hassel antwortet dann, Hillary Clinton pflege in solchen Situationen zu sagen, sie wolle nicht die erste, sondern eine gute Präsidentin sein.

Ulrike Simon

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